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5. Forenblick von Proust
Die ewige Wiederkehr der Leichen – die Ödnis der Kritik an „Master of Orion 3“
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Nietzsche bemerkt irgendwo, auf der Welt gäbe es nur endlich viele Objekte und also nur endlich viele Ereignisse; da die Zeit indes unendlich sei, müsse sich alles irgendwann wiederholen. Dieses Konzept der „ewigen Wiederkehr des Gleichen“ wurde zwar durch die Entdeckung der sogenannten „Quantenungleichheit“ in gewisser Hinsicht relativiert – Quantenungleichheit schließt identische Wiederkehr aus.
Dennoch: besonders bei der Lektüre des Forums der vergangenen Tage stellt zumindest für mich Nietzsches Vorstellung eine lebensweltlich hilfreiche Orientierung dar. Ich lehne mich zurück und genieße das komplett Erwart- und offenbar nicht Änderbare.
Grosso modo existieren auf dem allgemeinen Forum nur noch zwei Sorten von Postings: Meckerheinze contra Jubelmichels. Besser vielleicht zwei Komma drei Sorten, um jene In-between-Threads nicht zu vergessen, in denen nahezu verzweifelt nach Gründen gefahndet oder um Begründungen gebettelt wird, das Spiel „geil“ oder vielleicht doch eher „ungeil“ oder gar „beschissen“ zu finden.
Dies alles fördert die Übersichtlichkeit (es wird vollkommen gleichgültig, welchen Thread man liest) und führt ganz nebenbei das Niveau der Argumente wie der ‚Sprache’ in Abgründe, die selbst Dieter Bohlen oder Sabine Christiansen nur in Ausnahmefällen erreichen.
Die Jubilanten können Kritik am Spiel gar nicht vertragen, weil sie eine Idylle stört, die wesentlich einer 1:1-Übertragung der eigenen Erwartungen auf die Wirklichkeit entsprungen ist.
Die Meckerwichte können positive Befunde gar nicht vertragen, weil sie eine Apokalypse stören, die wesentlich einer 1:1-Übertragung der eigenen Befürchtungen auf die Wirklichkeit entsprungen ist.
Treffen beide aufeinander, bricht die Zeit des Erbsenzählens und der allseits beliebten Äpfel-mit-Birnen-Vergleicherei an: Wo der eine beklagt, daß die Graphik eine Einbindung seiner letzten Urlaubsfotos irgendwie unschön aussehen läßt, antwortet ihm ein anderer, dies sei zwar gewiß bedauerlich, aber der Kritiker sei eben außerstande, die ungeheuere „Komplexität“ des Spieles angemessen zu goutieren.
Zwei Positionen, die miteinander rein gar nichts zu tun haben – das verband ich bislang nur mit dem rot-grünen Regierungsprogramm. Hier auf dem Forum wird’s zur Initialzündung ambitionierter Vorschul-Worthuberei: Die Debatte verkommt zur Sandkastenschlacht.
Durch die dumpfe Würze fäkalsprachlicher Entgleisungen entsteht mit unschöner Regelmäßigkeit ein Streit, der an die Religionskriege erinnert. Irgendwann weiß niemand mehr so genau, was oder wen er anfangs verteidigen oder angreifen wollte. Es kommt nur noch darauf an, Recht zu behalten. Möglichst lange. Egal, wie. Und schlimmer noch: Egal, warum.
Wenn Du’s nicht magst, hast Du’s nicht verstanden. – Ich hab’s verstanden und mag’s trotzdem nicht. – Dann hast Du’s nicht vollständig verstanden, sonst würdest Du’s mögen. Uundsoweiter. Ad infinitum.
Fast schon erfrischend wirkt da das unlängst aufgetauchte Verschwörungsszenario rund um die Betatester. Die waren nämlich mit Unsummen bestochen worden. Oder man hatte ihnen bedeutet, daß sie bei der Abfassung der Berichte an ihre Familien denken sollten, denen sehr leicht etwas zustoßen könnte. Die sind jetzt allesamt in der Karibik und lassen sich da rund um die Uhr (je nach Geschlecht) verwöhnen von Oben- oder Unten-ohne-Sklaven.
Und die aufrechten Beta-Tester? Die werden in einem nordkoreanischen Arbeitslager so bald die Sonne nicht wiedersehen.
Und werden täglich mehrfach gezwungen, das allgemeine Forum zu lesen.
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