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Im Winter kommt der Frieden (Seite 2)
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Die ganze Ebene wurde mit Feuer geflutet, alles brannte. Bis zum Horizont stand alles in Flammen und selbst der Horizont schien zu brennen. Die Gebäude schmälzten einfach dahin, die Straßen wurden zu reißenden Flüssen. Und die armen Seelen die noch auf der Oberfläche waren und die Explosion überlebt hatten, wurden von den Millionen Tonnen in Dampf umgewandelten Eises lebendig gekocht. Erdbeben durchzogen den gesamten Planeten. Ich war der Einzigste, der in der Farmsiedlung meines Onkels zurückgelassen wurde. Die Anlage war zu einem behelfsmäßigen Spähposten umfunktioniert worden. Ich war als Melder da gelassen worden, um über mögliche Landungen von Invasionstruppen berichten zu können. Ich saß nun im meinem Behelfsbunker des Spähpostens. Ich wusste eigentlich nicht warum ich mich noch im Bunker verkrochen habe. Er war viel zu weit an der Erdoberfläche um einen Treffen mit einer Anti-Materiebombe auch nur ansatzweise etwas entgegen halten zu können. Ich hätte genau so gut auf der Oberfläche stehen können. Dann fing es an, der ganze Bunker wackelte mit einer unglaublichen Wucht, die Bildschirme fielen aus, die Sensoren brannten durch und Teile der Decke stürzten ein. Alles begleitet von einem ohrenbetäubenden Lärm, es war kein Donnern, es hörte sich mehr an wie ein Aufschrei, als würden die Todesschreie der Opfer mit der Explosionswelle weiter getragen wurde, um all die anderen Opfer in tiefste Panik zu versetzen. Und dann, dann war alles vorbei. Der Boden hatte aufgehört zu wackeln, das Licht war ausgefallen und der Geruch vom verbrannten lag in der Luft und ich war noch da. Aber warum? Warum war ich noch da? Ich konnte gar nicht mehr da sein. Ich verstand es nicht. Wie hatte ich eine Anti-Materiebombe überleben können? Warum? War es eine Bestrafung, weil ich meine Eltern für Tod hielt obwohl ich es nicht sicher wusste, weil ich nicht dabei geholfen habe die Erde zu verteidigen? Warum? Warum war der Frieden nicht da? Ich trommelte wütend gegen die Bunkertür und brach weinend zu Boden. Nach einiger Zeit viel mir ein kleines gelbes Lämpchen am Rand auf, die Notentrigelung. Ja, das musste es sein. Die Sakkra mussten doch eine Invasion gestartet haben und es war jetzt meine Aufgabe hier rauszustürmen und es zu beenden. Ich knüpfte meine Kampfmontur zu und ergriff meinen Phaser. Ich hatte keine Chance. Meine Montur und meine Waffe waren eigentlich für den Polizeieinsatz gedacht und hatten einen vollausgerüsteten Sakkra nicht viel entgegen zu setzten. Ich aktivierte die Entriegelung, die Tür ächzte sich einen Spalt auseinander. Mühsam schob ich sie zur Seite und sah in eine Welt aus aufgewirbeltem Staub. Ich umklammerte meinen Phaser fing an zu schreien und rannte schnurrstraks ins aufgewirbelten Chaos. Ich feuerte wild um mich in jede Richtung auf jeden Schemen. Erst als die Energiezelle zu Ende war bemerkte ich, dass niemand zurückfeuerte, nichts, niemand, niemand war hier. Ich stand alleine auf dem was mal der große Vorplatz war, auf dem die Erntemaschinen immer standen. Die Schemen die ich erkannt hatte waren die Trümmer der Gebäude die hier standen. Allerdings war noch relativ viel erhalten geblieben, zwar schwelte alles wegen der enormen Hitze, aber einem direkten Treffer hatte die Siedlung auf keinen Fall abbekommen. Wieso nicht, ich blickte zum Himmel. Und sah überall um mich herum die doppelten Atompilzsäulen, die bei der Zündung von Anti-Materiebomben entstanden. Die Säulen waren überall. Einige waren schneeweiß, sie mussten die Eiskruste getroffen haben, andere waren mit schwarzen Flecken verziert, weil sie Gebäude und Erdreich getroffen hatten. Eine Invasion konnten die Sakkra bestimmt nicht planen, sie hatten nichts mehr Übriggelassen was der Eroberung wert sein könnte. Und wieso wollen sie eine Eiskohlplantage bewahren? Ich verstand es nicht und tappte hilflos durch den Staub. Plötzlich merkte ich das Fehlen des Bodens unter meinen rechten Fuß. Ich merkte wie meine Oberkörper den Verlust nicht mehr kompensieren konnte und ich stürzte in einen ziemlich steilen Schacht. Mehrere Meter ging es abwärts bis mein Kopf und etwas Metallisches den Fall stoppten. Nachdem ich mich wieder aufgerappelt hatte merkte ich, dass ich in einem Art Krater war. Und dann sah ich was den Krater verursacht hatte. Eine riesige strategische Antimateriebombe lag vor mir. Eine Bombe? Eine Bombe! Es war wunderbar! Es war keine Invasion geplant, ich sollte auch nicht bestraft werden. Es war nur ein kleiner technischer Defekt, das war alles. Ich war so glücklich dieses metallische Etwas vor mir zu sehen. Es schnaufte, anscheinend hatte es noch Energie. Ich öffnete den Verschluss zur Schaltkontrolle. Ich hatte früher Schalpläne bei meinen Eltern gesehen und könnte mich in diesem Augenblick plötzlich punktgenau daran erinnern. Ich hielt die Abdeckplatte in der Hand, sah das Symbol der Einheit welches die Bombe abgeworfen hatte. Es hatte Ähnlichkeit mit einer gelben Echsenkralle. Ich schaute mir das Display der Sündvorrichtung an, vor schreckt ließ ich die Abdeckplatte fallen. Da waren keine Sakkrazeichen, welche man uns in der Grundausbildung beigebracht hatte. Nein, da war das Zeichen des Föderalen Ingenieurkorps. Aber wieso, die Menschen hatten es nie geschafft Anti-Materiebombe erfolgreich nachzubauen. Es konnte also nicht aus menschlichen Beständen sein. Erst jetzt bemerke ich, dass der Sündsatz gänzlich fehlte. An seiner Stelle war eine Art Speicherkarte platziert worden. Ich entnahm sie. Sie schien aus Sakkraelektronik zusammengebastelt worden sein, aber vom Aufbau her ähnelte sie Föderationskarten. Da ich eine Polizeikampfmontur trug hatte ich auch ein entsprechendes Lesegerät mit dabei. Ursprünglich wurde damit der Kontakt mit der Einsatzzentrale geregelt und ab und zu Strafzettel geschrieben. „Dekodierung läuft“ zeigte mir das Display des Lesegerätes an. „Audionachricht dekodiert“, ich drückte auf Play. Eine Frau fing an zu sprechen, berichte davon, dass sie ein Arbeitssklave in einer Waffenfabrik ist, das der Bauplan für eine Anti-Materiebombe sich im Anhang befinden würde, das sie und andere einen Fluchversuch starten werden und das es einen Ort geben würde an dem die Sakkra sie nicht hin verfolgen könnten und sie bei erfolgreicher Flucht dort sicher wären, es folgten einige Raumkordinaten bei denen eine Kontaktaufnahme gemacht werden könne. Dann schloss sie die Nachricht mit Ihrem Namen und ihrer Sicherheits-ID ab und aus meinem Zweifle würde Gewissheit. Es war meine Mutter. Die Stimme klang etwas rauer, müder als ich sie von früher kannte, aber es war ihr Name, ihre Nummer. Es war meine Mutter. Sie lebte. Das Display zeigte das Ende der Nachricht und den Zeitindex der Aufnahme an. Die Nachricht war 2 Jahre alt. Sie lebte. Und es gibt einen anderen Ort an dem kein Sakkra hin kann, wo es Frieden gibt. Ich saß auf einem zerstörten Planeten in einem Krater, vor einer Anti-Materiebombe, die zwar keinen Sünder hatte, aber voller Anti-Materie war und hatte zum ersten Mal Hoffnung. Ich sah einen Sinn darin den Krater zu verlassen, sah Sinn darin den nächsten Tag zu erleben. Ich weinte vor Freude, ließ die Nachricht immer und immer wieder abspielen.
Ich fand am diesem Tag Frieden, Frieden mit mir selbst.
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