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Im Winter kommt der Frieden von André

Frieden endlich Frieden – dies ist der letzte Kriegswinter. Es wird zwar nicht der letzte Winter sein. Denn auf Javus IV ist es immer Winter, es ist im Grunde ein riesiger Eisklotz der ein Stückchen zu weit die eigene Sonne umkreist. Aber Javus IV ist auch die letzte Bastion die den Menschen geblieben ist. Acht Jahre dauert der Krieg bereits an. Seit Acht Jahren kämpfen die Menschen gegen die Sakkra. Immer wieder ging Welle um Welle gegen den Feind. Manchmal gewannen wir, manchmal verloren wir. Doch zuletzt konnten wir unsere Verluste nicht mehr ausgleichen. Jeder Familie hat mindestens einen Brief des Föderalen Oberkommandos erhalten, indem mit bedauern der Verlust einen Familienmitgliedes mitgeteilt wurde. Alle haben die Reden der Politiker gehört, indem die Notwendigkeit dieses Blutopfers deutlich gemacht wurden. Doch zuletzt wollte keiner mehr daran glauben. Ich selbst habe auch zwei dieser Schreiben gekommen. Ich lebe früher auf Veak Prime, der größten Flottenwerft, die die Menschheit je gebaut hat. Meine Eltern waren dort Ingenieure, als im 3. Kriegsjahr die 4. und 5. Flotte binnen zwei Monaten vernichtend geschlagen wurden, evakuierten sie alle Kinder von kriegswichtigen Kolonien. Ich kam zu meinem Onkel auf Javus IV. Er war Eisfarmer. Eiskohl war seine Spezialität, niemand anderes konnte so ertragreich den genveränderten Kohl anpflanzen, welcher selbst bei Minustemperaturen von 50 Grad und gefrorenem Boden noch gedeiht. Sie zogen ihn im selben Jahr ein, indem meine Eltern starben. Die Echsen überrannten Veak Prime innerhalb von 72 Stunden, nachdem sie es tagelang bombardiert hatten. Ich weis nicht einmal sicher, ob meine Eltern tot sind. In den Brief des Oberkommandos wurde zwar ihr Tod betrauert, aber die Sakkra machen Gefangene. Sie nehmen sie als Sklaven für ihre Minen und Fabriken oder lassen sie in Gladiatorenkämpfen gegeneinander antreten. Jedenfalls erzählt man sich das, zurückgekehrt ist niemand. Und in meiner Vorstellungskraft sind meine Eltern jetzt an einem besseren Ort, einem Ort des Friedens. Eigentlich wäre ich auch schon tot. Um die Verluste an der Front auszugleichen wurden alle Jugendlichen ab 14 Jahren eingezogen. Ich habe den Abmarschbefehl zur Verteidigung der Erde noch immer in der Tasche. Damals wurden dort alle Kräfte gebündelt um unsere Heimatwelt zu verteidigen. 5 Monate dauerte der Kampf, doch die Transporter, die die Truppen von Javus IV abholen sollten kamen nie an. Nachdem die Erde gefallen war, war das auch nicht mehr wichtig, nichts war mehr wichtig. Die Erde war immer ein heiliger Ort, zu dem jeder Mensch in seinem Leben mindestens einmal hinpilgerte. Es war ein Paradies, die Industrie wurde fast vollständig verband. Die kontrollierte Bevölkerungszahl lebte im Einklang mit der Natur. Es war der Ursprung allen Lebens für uns. Die Echsen haben ihn uns weggenommen, für immer. Sie haben die Erde nicht nur erobert – nein – dann wäre noch Hoffung da gewesen. Nein, sie haben sie zerstört. 14 Tage und 14 Nächte warfen sie Anti-Materiebomben ab, immer und immer wieder. Bis die oberste Erdkruste zerstört war und der flüssige Kern sich über die Kontinente ergoss. Nichts überlebe. Noch heute ist die Erde ein glühender Ball am Himmel. Alles war verloren. Die anderen Kolonien fielen in kurzer Abfolge, keine kampflos aber alle sieglos. Jetzt ist Javus IV die letzte freie Kolonie und bald wird Frieden sein. Vor 36 Stunden tauchten die Sakkraschiffe am Himmel auf. Große schwarze Monster, die tagsüber Schatten auf die Oberfläche waren und nachts die Sterne verdeckten, es waren unzählige. Sie gaben uns einen Sakkratag Bedenkzeit, ob wir uns ergeben oder kämpfend untergehen wollen. Welche Wahl wir auch trafen, wir waren auf die ein oder andere Weise zu wieso tot. Als der Gouverneur die Globale Verteidigung bis zum letzten Menschenleben aufrief, war niemand begeistert noch enttäuscht, denn bald war Frieden. Wir bereiteten uns auf eine Invasion vor, aber das war vollkommen sinnlos. Die Sakkra hatten keinerlei Nutzen für diesen Eisklotz, außerdem hassten sie die Kälte fast genauso wie uns Menschen. Kein Sakkra wird je einen Fuß auf diesen Planenten setzen. Und trotzdem werden sie uns vernichten und dann wird endlich Frieden sein.

Die Bombenluke öffnete sich. Der Bomber aus dem Geschwader Gelbe Kralle trug drei strategische Bombensprengköpfe mit sich. So wie alle anderen Bomber des Geschwader und genauso wie alle anderen Bomber all der andern Geschwader, die den Himmel schwarz färbten. Man konnte aus der Lücke den Planeten sehen, das Weiß der wenigen Wolken war kaum trennbar vom Weiß des ewigen Eises. Es gab drei Besatzungsmitglieder, einen Piloten, einen Waffenoffizier und den Kommandierenden. Letzterer war ziemlich angespannt. Dies würde der letzte große Einsatz sein. Danach würde Frieden herrschen. Und er könnte wieder zurück zu seinem Gelege. Er hatte schon so viele seiner Kinder so lange nicht mehr gerochen. Ein paar von ihnen hatten bereits selbst schon wieder Nachkommen geschaffen. Sein Weibchen hatte ihm zwar Geruchsbilder geschickt, aber trotzdem merkt die Nase eines Sakkra diesen Betrug. Dieser Einsatz noch dann ist alles vorbei, dachte er sich. Er musste sich zwingen seiner Anspannung nicht durch Bewegen seines Schwanzes abzubauen, der Waffenoffizier würde dieses als Feuererlaubnis werten und womöglich die Waffe zu früh abfeuern, was viele Schwierigkeiten hervorrufen würde. Er blickte aus dem Fenster, unter dem Schiff war dieser weiße Planet, auf dem es so unerträglich kalt sein muss. Wenn es nach ihm ginge würde dieser Angriff nicht stattfinden. Die Menschen waren keine Bedrohung mehr, auch der Hass war nicht mehr da, welchen er in als junger Soldat verspürt hatte, er wollte nur noch nach Hause. Er überlegte, ob wohl auch Menschenmännchen solche Gedanken haben? Aber was tat er da, er war Soldat, er war Sakkra. Seine Aufgabe war es Befehle auszuführen. Und er brauchte nur noch diesen auszuführen und dann war endlich Frieden, dann war es vorbei. Als der Angriffsbefehl durch aufleuchten einer violetten Lampe an die Flotte ging, peitschte seine Echsenschwank auf den Boden. Es löste sich die Bombe aus ihrer Verankerung. Ein kleiner Antrieb beschleunigte das Geschoss im noch schwerelosen Raum. Zusammen mit tausenden anderer Bomben tauchte sie in die Atmosphäre ein, der Beschleunigungsantrieb sprengte sich ab. Man hört ein leises Pfeifen als die Bombe immer schneller zu Boden fiel. Sie durchflog eine Wolke und näherte sich einer Struktur auf dem Boden. Erst nur schemenhaft zu erahnen, dann mit Sicherheit als Farmsiedlung zu erkennen. Die Bombe störte das wenig, sie hatten kein Gewissen, unterschied nicht zwischen Gut und Böse, zwischen Gerecht und Ungerechtigkeit. Nur ein kleiner Sensor dachte über die Situation nach und löste kurz vor dem Aufprall den Sündmechanismus aus.

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