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Die Lichtbringer (Seite 2)
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Es war Kera-Raahk, kurz vor Vollendung des darften Zyklus (oder der 14. Tag des 4. Monats nach der offiziellen Zeitrechnung), als das Raumschiff der Terraner auf dem LID-eigenen Raumhafen landete. Nyard, ein Raas und Mitglied der Abteilung `Suche´ im LID, hatte sich im Hafen-Kontrollgebäude eingefunden, um die Expeditionsmitglieder der Terraner willkommen zu heisen. Nyard war Kommunikationsspezialist und hatte als solcher ständig mit Angehörigen der unterschiedlichen Völker zu tun. Auch wenn man im LID nur schwer Angehörigen anderer Völker des Sektors aus dem Weg gehen konnte, war Nyard doch ein besonders talentierter und in der Kunst des Umgangs mit Andersartigen ausgezeichnet geschulter Spezialist. Mit einem für humanoide Vorstellungen angsteinflößendem Lächeln bedachte der Raas die heranmarschierende Gruppe der Terraner. `Nicht dass Menschen besonders komplizierte Organismen wären,´ erinnerte sich Nyard an eine Lektion seines Mentors: „Verglichen mit den hartnäckigen Meklar, denen allenfalls ein logisches Argument eine Reaktion entlocken kann, kann man die Terraner nur als `extrem kooperativ´ beschreiben.“ Vorsorglich wischte sich Nyard das für Humanoide bedrohlich wirkende Lächeln aus dem kantigen Gesicht und schritt der Abordnung entgegen. „Seien Sie alle vom Rat des LID auf das wärmste Willkommen geheißen, in dessen Namen ich Sie hiermit einlade, uns bei der Suche nach der Lösung eines großen Rätsels zu unterstützen.“ Nach diesem offiziellen Willkommensgruß wandte sich der Raas direkt an den Führer der terranischen Delegation, den für seine Begriffe klein gewachsenen Harner: „Sehr verehrter Admiral Sir William Harner, ich bin Nyard, Raas, und für die Dauer des Aufenthaltes ihrer Gruppe Ihnen zugeordnet. Ich bitte Sie, meine Fähigkeiten zum Nutzen Ihrer Gruppe einzusetzen.“ Der Admiral zeigte sich über diese für einen Sauropoden erstaunlich gewandte Rede sichtlich erfreut, bedankte sich bei dem Raas und bat darum, nach Zuweisung ihrer Quartiere zur Besprechung der weiteren Vorgehensweise zu den Ratsmitgliedern geleitet zu werden. „Ich möchte so rasch als möglich weitere Einzelheiten über unsere Aufgabe erfahren“, vertraute er Marius und Lautern an. Als die Gruppe bei den ihnen zugeteilten Räumen anlangte, übergab er Marius sein Gepäck und erklärte: „Übernehmen Sie beide bitte einstweilen die Führung über die Truppe, quartieren Sie sich ein und warten Sie nicht auf mich – ich werde mich spätestens zum offiziellen Empfang heute abends wieder bei Ihnen einfinden.“ Sprachs und eilte, gefolgt von seinem Adjudanten Commander White und dem Raas zum Treffen der Führer des LID.
Während sie ihr Gepäck in dem großzügig angelegten Unterkunftsbereich verstauten und sich einen ersten Eindruck von den Einrichtungen machten, zwinkerte der Commander Kapitän Lautern vermitzt zu: „Na irgendwie werden wohl auch wir die Zeit bis zu dem Essen heute abend noch sinnvoll nützen können – meinen Sie nicht, Pente? Wie wäre es mit einer Trainigsrunde, das da vorne sieht mir nämlich nach einem Turnsaal aus!“ „Na, das ist doch mal eine Idee, Jarne. Da werde ich Sie wohl wieder auf die Matte legen, haha.“ Sprachs, und lief sofort rot an, „Äh verdammt, Sie haben mich falsch verstanden, hören Sie sofort auf zu grinsen, Schurke!“ „Ist schon in Ordnung, Verehrteste, ich werde mich anstrengen und habe die letzte Lektion, die Sie mir in Savate erteilt haben, nicht vergessen.“ Marius lachte und gemeinsam machten sich die beiden auf, um sich in einigen Trainingsrunden Savate, dem offiziellen Kampfsport der Marine zu messen. Beide waren sehr gut trainiert und alles andere als Anfänger. Das hatte sich bereits gezeigt, als sie während ihres Fluges nach Zentrum in dem winzigen Trainingssaal der „Furor“ ihre ersten gemeinsamen Übungen abgehalten hatten. Für den Rest der Mitreisenden wurden die Übungsstunden von Kapitän und Pilot immer mehr zu gern besuchten Attraktionen – gab es damit doch etwas, bei dem man wetten konnte. Zum Beispiel darauf, wann die beiden endlich bemerken würden, dass es für jeden anderen Anwesenden bereits offensichtlich war, wie gut sie harmonisierten, dabei aber immer noch um den anderen herumschlichen wie die Katze um den heißen Brei.
Rasch war auch der Rest des Tages vergangen. Kurz vor Beginn des offiziellen Abendessens, bei der erstmalig auch die terranische Abordnung teilnehmen würde, stürmte Admiral Harner in den Gemeinschaftsraum ihrer Gruppe, um sogleich mit der Bemerkung „Ich ziehe mich schnell um – wir können dann gemeinsam zum Empfang gehen. Beeilen Sie sich White“ in sein Quartier weiterzulaufen. Etwa langsamer betraten White und Nyard den Raum, in dem sich bereits die restliche Gruppe der Terraner in ihren vorzeigbaren Gewandungen versammelt hatte. Mit einem gehetzten Blick in Richtung Marius folgte der Adjudant dem Admiral. „Ich habe bereits eine Transportmöglichkeit für Sie organisiert. Sobald der Admiral fertig ist, können wir, so es Ihnen genehm ist, aufbrechen“, meldete sich Nyard. Marius dankte dem Raas und musterte die mit ihnen wartenden Gruppenleiter. Peterson, ihr Cheftechniker und Li Wang, der Chefingenieur, waren im schlichten Abendanzug zur Abwechslung durchaus vorzeigbar. Dejardin, leitender Waffenspezialist, und Major Warner, Leiter ihres Marinekontingentes, waren wie Marius und Lautern in Ausgangsuniform angetreten. Marius bemerkte: „Ihre Leute haben ja schon Feierabend für Heute. Sollte dem Admiral nicht noch etwas besonderes einfällt, sehe Ich keinen Grund, den Abend nicht so angenehm wie möglich zu gestalten. Dejardin hat ja mal die Umgebung gecheckt und ein paar recht einladende Bars im Ostquadranten gefunden, wodurch zumindest meine weiter Planung erheblich an Qualität gewonnen hat.“ Die grinsenden Gesichter der anderen Terraner sagten Marius, dass er wohl kaum alleine eine Barrunde drehen müssen würde. In diesem Augenblick stürmte der Admiral nicht minder rasant als vorher in den Aufenthaltsbereich. „Sind Sie und Ihre Leute jetzt endlich fertig, Marius?“, fragte Harner und wandte sich, ohne auf die belustigten Mienen der Anwesenden einzugehen, an Nyarl. „Kommen Sie, ich möchte zu diesem Dinner nicht zu spät kommen“. Der Raas verbeugte sich steif. „Ich darf vorangehen?“ und führte die Gruppe zu dem wartenden Shuttle.
Die Terraner konnten während ihrer Fahrt zur Hauptkuppel eine bemerkenswerte Aussicht auf einen Teil des gigantischen LID Areals werfen. Unzählige Kuppeln, Tunnel und Bioreservate waren zu einem verwirrenden Netzwerk vereint worden, das einmal an einen Ameisenhaufen, dann wieder an ein Gitter oder an ein Höhlensystem erinnerte. Die Beteiligung vieler verschiedener Völker am Aufbau dieser einmaligen Institution zeigte sich bei zahlreichen phantastisch anmutenden Symbiosen von Nützlichem mit Fremdartigem. Manche Bereiche des Areals wirkten auf den ersten Blick falsch oder unmöglich konstruiert, ein erneutes Studieren milderte aber hie und da diesen ersten Eindruck und eröffnete dem phantasievollen Betrachter einen kurzen Einblick in etwas ANDERES.
Von der Aussicht begeistert ereichte die Gruppe nach, wie es ihnen schien, zu kurzer Zeit die Hauptkuppel des Areals. Vor dem Eingang tummelten sich wahre Scharen unterschiedlichster Wesen – Aquatoide mit Kiemenmodulen, Silikoiden in stoischer Langsamkeit, Ethereaner, die in harmonischer Bewegung in Blasen rauchiger Konsistenz vor und zurück tanzten. Dazwischen waren immer wieder Humanoide – Psilons in ihren GravStühlen, Evon und Menschen unter Insektoiden und Sauropoden. Vertreter jeder der im Orionsektor beheimateten Völker strömten friedlich nebeneinander in die große Versammlungshalle des LID, in der bereits die Ratsmitglieder des alternativen Senates und die Leiter des LID warteten.
Es dauerte noch eine geraume Zeit, bis auch die Gruppe von Admiral Harner, geleitet von Nyarl, ihre Plätze zwischen einer Klackon Delegation und der Gruppe rund um den Delegierten der Menschen einnehmen konnte. Als sich die unzähligen Anwesenden endlich in eine angenehme Position gebracht hatten, ergriff der Direktor des LID, Mengar Orgit das Wort. „Verehrte, seien Sie willkommen. Wir sind sehr erfreut, an diesem Tag alle am Projekt Lichtbringer beteiligten Lebewesen begrüßen zu dürfen.“ Unter begeistertem Applaus tausender Entitäten verbeugte sich der betagte Psilon unbeholfen auf seinem GravStuhl und fuhr mit einem Blick in Richtung der Gruppe um Admiral Harner fort „Mit der Ankunft des Piloten und seiner Mannschaft ist die Besatzung der Lichtbringer nominell vollständig. Nützen Sie die nächsten Teilzyklen, um sich mit ihrer jeweiligen Aufgabe im Detail auseinanderzusetzen. Ohne ein eingespieltes Team haben wir keine Chance, unser ehrgeiziges Projekt erfolgreich zu beenden. Für heute will ich es aber genug des offiziellen sein lassen. Meine alten Knochen vertragen ohnehin keine langen Reden mehr. Ich möchte ihnen noch einmal allen danken – ohne Sie würden wir vom LID verloren dastehen!“ Unter dem Jubel der Anwesenden machte der Direktor dem Vorsitzenden des (zumindest in den Augen der NeuOrionen höchst) alternativen Senates Platz und zog sich auf seinem GravStuhl zurück zum Kreis der Leitenden des LID.
„Seien Sie im Namen des alternativen Senates herzlich willkommen, werte Mitbewohner des Sektors. Auch ich habe vor, mich kurz zu fassen.“ Erneut kam begeisterter Applaus auf. „Ich kann den Worten des Direktors nur eines hinzufügen: Passen Sie auf sich auf! Sie haben ein wagemutiges und sehr gefährliches Vorhaben in die Tat umzusetzen. Sie alle wurden von Ihren Völkern ausgewählt, weil Sie die Besten sind.“ Jarne und Pente sahen sich erstaunt an, konzentrierten sich aber sofort wieder auf den Vorsitzenden, als dieser fortfuhr: „Sie sind die Hoffnung für unseren gesamten Sektor! Vergessen Sie das bitte niemals – wir zählen auf Sie, wir brauchen Sie.“ Die Begeisterung im Saal hatte einer gespannten Aufmerksamkeit Platz gemacht, während der Vorsitzende seine Rede beendete: „Doch der heutige Abend soll ein Fest der Freude sein. Seien Sie alle unsere Gäste und lassen Sie uns den Beginn des Projektes Lichtbringer feiern!“
Erneut brandete Applaus auf, der erst nach Minuten langsam verstummte. Ein jeder der Anwesenden konnte die besondere Atmosphäre dieses Augenblickes fühlen und aufgeregte Diskussionen kamen innerhalb der und zwischen den einzelnen Gruppen auf, die auch mit dem Auftragen der Speisen und Getränke nicht sonderlich gebremst werden konnten.
Mit einem scheußlichen Geschmack im Mund, einem laut pochenden Kopf und einem interessanten Objekt in seinen Armen erwachte Jarne Marius am folgenden Tag in seiner Unterkunft. Bis er registrierte, dass er nicht allein in seinem Bett lag, sondern Pente in seinen Armen hielt, dauerte es aber noch ein Weilchen. Als diese Erkenntnis endlich sein schwer beeinträchtigtes Hirn erreichte, brachte ihn diese Erkenntnis in die Lage, einen Luftsprung aus liegender Position zu machen. Damit weckte er natürlich Pente, die in nicht viel besserer körperlicher Verfassung war und ihn auch gleich anfuhr „Spinnst du, Jarne, zappel nicht so herum! Oh je, mir tut mein Kopf weh, sei nicht so herzlos und grins vor allem nicht so, mir tut alles weh!“ Jarne beendete diese Tirade indem er seiner Kapitänin einen herzhaften Kuss verpasste und sie fest in die Arme nahm.
Etwas später schafften die beiden sogar eine Dusche und ein leichtes Frühstück zu nehmen. Die wissenden Gesichter der restlichen Gruppe nahmen sie mit einem hochnäsigen Lächeln zur Kenntnis. „Primaten, diese“ murmelte Marius seiner Angebeteten zu, und begann mit dem Studium der neuesten, vom LID zur Verfügung gestellten Unterlagen zum Projekt. Allerdings nicht für lange Zeit, denn sie hatten vor, der Sensation ihrer Gefühle auch Taten folgen zu lassen! Und am besten ohne viele Pausen zwischendurch.
Es folgten für alle Beteiligten harte Wochen, in denen Unmengen an Details aufzunehmen waren, Theorien gelernt und praktische Übungen am Simulator absolviert werden mussten. Es vergingen etwa 2 Monate in terranischer Zeitrechnung, wobei diese Zeit für Jarne und Pente sicherlich weitaus angenehmer war als für den Rest der Gruppe, wandelte sich ihre Zuneigung doch langsam zu Liebe. Dann, eines Morgens, wurde die Gruppe von Harners Adjudanten, Commander White, zu einer Besprechung mit dem Admiral gerufen. Der Admiral hatte sich in der letzten Zeit etwas rar gemacht, die meisten seiner Führungsaufgaben an Kapitän Lautern und Commander Marius übergeben und die meiste Zeit mit den anderen Führungsoffizieren und Delegationsleitern verbracht. Dabei hatte er allerdings nicht vergessen, seine Leute immer auf dem neuesten Stand der Entwicklung zu halten. Bei diesen Besprechungen fehlte Nyarl, der Raas, niemals. Er konnte der Gruppe von Harner bereits in der kurzen Zeit die sie auf Zentrum verbracht hatten, von großem Nutzen sein, war er doch mit den Einrichtungen und den wichtigen Persönlichkeiten des LID sehr gut vertraut. Auch war Nyarl derjenige, der die regelmäßigen Treffen mit Angehörigen der anderen Teams organisierte und zwischen den Angehörigen der unterschiedlichen Völker vermittelte. `Ohne den Raas hätten wir wohl nicht ein Drittel dessen geschafft, was wir bis jetzt erreicht haben´ ging es Harner durch den Kopf, als er den mit Marius in ein Gespräch vertieften Sauropoden beobachtete. `Ohne seine Vermittlungsversuche und der Bereinigung von Missverständnissen, welche im Umgang mit Fremdartigen zwangsläufig an der Tagesordnung sind, wären wir ganz schön behindert. Guter Mann, eh Saurier, eh Raas´ beendete der Admiral seine Reflexionen über den Kommunikationsspezialisten.
„Ich habe Sie zusammengerufen, um Sie über die Entscheidung der Projektleitung, der ja auch ich angehöre, zu informieren. Mit Beginn der nächsten Woche wird die Lichtbringer zum ersten Testflug zu starten.“ Begeisterter Applaus und Rufe wie „Yeah, endlich geht’s los“ „Mann, wird aber langsam Zeit“, „Oh du Scheisse! Äh, Ich bitte um Entschuldigung“ folgten der Ansage des Admirals. Mit innerlichen Schmunzeln beobachtete der Flaggoffizier die Reaktionen seiner Gruppe „Ihren letzten Reporten zufolge sind alle Mitglieder des Kommandos einsatzfähig und begierig darauf zu loszulegen. Dies habe ich der Projektleitung vorgetragen und mich dafür eingesetzt, die praktischen Tests zu beginnen. Nachdem meine Kollegen sich dieser Meinung anschließen konnten, die anderen Teams ausreichend geschult sind, die Lichtbringer soweit startklar ist und die Freigabe von Direktor Mengar Orgit heute eingelangt ist, können wir also beginnen!“ Begeisterung machte sich breit und verließ die Gruppe nicht mehr, bis endlich der Start des Schiffes, des beeindruckenden Resultats einer jahrelangen Forschungs- und Entwicklungkooperation des gesamten Sektors erfolgte.
Mit Hilfe des Orbitalliftes gelangte die Gruppe der Terraner zur Orbitalwerft Zentrum Omega, der größten, je von einer der Völker des Sektors errichteten Orbitalanlage. Hier wurden üblicherweise Prototypen von Schiffen der Dreadnoughtklasse aufwärts gebaut. Seit geraumer Zeit war der zentrale Sektor dieser Megawerft aber von einem Bauvorhaben der besonderen Art belegt – dem Auftrag des LID, dem Lichtbringerprojekt! Einer gigantischen Nadel gleich erstreckte sich der Lichtbringer - Prototyp über eine Länge von 5km bei einem maximalen Durchmesser von nur 250m. Über und über mit Scannerstationen, point-defense Laserclustern und Raketenrampen beladen verfügte die Lichtbringer darüber hinaus noch über direkt fire Offensivbewaffnung in Form von 2 mächtigen Mittschiffsliniengrasern. Bewaffnung und Aufklärungskapazität war beispielgebend, rechnete man seitens der Erbauer doch mit allen Eventualitäten. Die Zeit des Nehmens war vorbei, die Allianz hatte beschlossen, auszuteilen! Hart und schnell, wenn nötig. Nicht Rache sondern Vorsicht und Selbsterhaltungstrieb waren die Hauptantriebsfaktoren der Konstruktion von Lichtbringer gewesen.
Gigantische Antriebsaggregate sorgten für eine Leistung, wie sie Lautern und Marius noch nie erlebt hatten. Die Ausstattung und Leistungsfähigkeit war Kapitän und Pilot zwar aus den unzähligen Simulationen bekannt, dies dann in Realität zu erleben nahm den beiden aber den Atem. Unauffällig nahm der Kapitän die Hand ihres Piloten, drückte sie kurz und machte sich mit dann mit ihm auf den Weg in die Kommandozentrale der Lichtbringer, wo sie bereits von ihrer Crew erwartet wurde.
Ähnlich vielfältig wie bereits die Forschungs- und Konstruktionscrew war, präsentierte sich auch die Besatzung der Lichtbringer. Vertreter nahezu aller Völker des Sektors waren vertreten, und nahmen die unterschiedlichsten Funktionen ein – je nach Befähigung und Können. Da Kapitän und Pilot bereits ausführlich mit den einzelnen Belegschaftsgruppen trainiert hatten, war es in dieser ersten Realtrainingseinheit beinahe wie „üblich“. Mit Eintreffen des „GO“ Signales kam der Befehl von Kapitän Lautern: „Ablegen, Kurs 210, Geschwindigkeit 15“. „Aye Aye, Skipper, Kurs 210 liegt an, Geschwindigkeit 15 konstant“ kam die Rückmeldung des Rudergängers. Marius übernahm das Steuer von der automatischen Abkoppellungsroutine, und versuchte sich in einigen Standardmanövern, um die Konstanz des Ruders und Antriebes zu testen. Nachdem alle Standardvorgehen nach seiner Zufriedenheit verliefen, meldete er seiner Kommandantin: „Skipper, Schiff klar zum Testbeginn“. Auf den Befehl des Kapitän hin, leitete Marius sodann die von den LID Technikern erstellte Testsequenz ein, welche einen ersten Härtetest der Lichtbringer unter Standardbedingungen erbringen sollte. Im Laufe der nächsten Stunden wurden unzählige Kursänderungen, Geschwindigkeitsanpassungen, Rollmanöver sonstige flugtechnische Bewegungen simuliert und ausgeübt. Das zweites Hauptaugenmerk des Testfluges wurde auf die Verlässlichkeit der Befehlskette gelegt. Doch auch hier zeigte sich bald, dass die endlosen Stunden des Simulatortrainings nicht umsonst gewesen waren. Die erste Testphase lief mehr oder weniger reibungslos lief ab, ohne nennenswerte Probleme wurde der immer anspruchsvoller werdende Kurs durch das „Trainingsgelände“ im Asteroidengürtel von Zentrum absolviert. Als endlich das ok der Techniker kam, befahl Kapitän Lautern die Vorbereitung des Sprunges nach Proxima, dem Nachbarsystem Zentrums. Mit einem leicht gequälten Blick leitete Marius die Sprungsequenz ein, konzentrierte sich aber sofort wieder voll auf seine Arbeit und nach dem abschliesenden GO unternahm die Lichtbringer mit 10000 Individuen an Bord ihren ersten Sprung.
Im Laufe der nächsten Wochen und Monate wurden die Testphasen immer länger, die Bedingungen immer unberechenbarer und anspruchsvoller für Konzentration und Können eines jeden einzelnen der verschiedenen Sektionen. Die Ortungsmannschaften hatten mit absoluter Dunkelheit, wechselnden Bedingungen aller möglichen Arten zu kämpfen, mussten ihre komplett neu konstruierten Scannerbündel im Schlaf beherrschen lernen. Die Geschützmannschaften zerstörten Tausende von Zielen, die mit immer abenteuerlicheren Kursen und Geschwindigkeiten auf die Lichtbringer zu rasten. Die Schiffstechniker mussten einwandfrei arbeitende Geräte in vollem Lauf ersetzen, den Verlust immer mehr der wirklich wichtigen Schaltkreise des Schiffs simulieren. Und Abend für Abend fielen übermüdete Besatzungen in wohlverdienten Schlaf um tags darauf erneut bis zum Umfallen gequält zu werden. Doch es lohnte sich! Nach geraumer Übungszeit konnten Pente Lautern und Jarne Marius eine exzellent eingespielte Mannschaft präsentieren, die mit allen Überraschungseiern der erstaunlich phantasievollen Techniker fertig geworden war. Eine Vorführung für die Mitglieder des alternativen Senates und der LID-Leitung schloss die Testphase grandios ab. Die Lichtbringer und ihre Mannschaft waren bereit für ihre große Mission!
Die Abschiedsparty für die Crew war in der Tat bemerkenswert. Es war ein Fest der Superlative, an dem die Abertausenden, die am Projekt Lichtbringer direkt mitgearbeitet hatten, ein letztes mal gemeinsam feierten. Da der Start des Schiffes in nur 2 Tagen von jetzt an erfolgen sollte, war die Wahrscheinlichkeit nicht gering, den jeweiligen Gegenüber gerade zum letzten mal gesehen zu haben. Denn Tests hin oder her – die ultimative Gewissheit, dass der Torschild halten würde, konnte nur durch eine praktische Erprobung gezeigt werden! Die Techniker und Wissenschafter des LID hatten ihr Bestes gegeben, eine für sie absolut neue Feldtechnik zu entwickeln, den sogenannten Torschild. Er sollte die Lichtbringer vor den Auswirkungen des Ereignisfeldes rund um die ehemalige Sonne Gdan, schützen. Also vor eben dem Ereignisfeld, welches die Sonde IRIS in ihrer so erfolgreichen Fahrt zuletzt doch noch vernichtet hatte.
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