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#moo3planet

Phönix unter Wasser (Seite 3)

Am nächsten Tag schwamm ich langsam zum Philosophischen Hauptgebäude und war darauf gefasst gleich Mittelpunkt eines großen Gelächters zu werden. Doch nichts von alledem erwartete mich dort, nur der ganz normale Betrieb den ich schon an vielen Tagen gesehen hatte. Ich blickte mich noch einmal etwas genauer um, der Absicherung wegen, bevor ich an die Rezeption schwamm. Dort war ich auch tatsächlich registriert und man geleitete mich in einen Kelleraum. Was mich dort erwartete, brachte meine Kiemen zum schlottern. Mir gegenüber saß der Koordinator aller philosophischen Aktivitäten des trilarianischen Reiches, Kqualdukar. Ihn in meinem Leben persönlich zu treffen, habe ich mir bis dahin vollkommen unmöglich vorgestellt. Ich habe ihn nur auf mancher Veranstaltung von weitem wahrgenommen. Ihn von so Nahem zu sehen, tötete jede Vermutung, dass es sich um eine Verschwörung meiner lustigen Kollegen handeln könnte.
"Jetzt atmen sie ruhig weiter. So ein Staunen habe ich ja nicht mehr gesehen, als ich das letzte mal in der Physikalisch-Philosphischen-Novizen-Schule unangemeldet vorbauschaute."
"Ähm ja, guten Tag, Herr Kqualdukar, es ist mir eine unvorstellbare Ehre sie zu treffen."
"Jetzt hören sie mit dem Einschleimen auf, das muß ich mir jeden Tag zu Genüge anhören..."
"Ja, Herr..."
"Machen sie es sich erstmal bequem. Einen Algenschnaps?"
"Wenn es keine Umstände macht..."
"Ich bitte sie, fast alle Philosophen haben doch ihre Flasche Schnaps meist unter ihrer rechten Flosse. Sie etwa nicht?"
"Ähm, nein, nein... Ich habe sie in einer sogenannten Schublade in der Nachbildung eines menschlichen Schreibtischs."
"Das habe ich mir fast gedacht. Richtig sentimental sind sie... Aber dafür beneide ich die Landlebewesen..."
Er übergab mir die Flasche mit dem Schnaps, an der ich kurz saugte.
"Wofür beneiden sie die Landlebewesen? Schreibtische?"
Kqualdukar lachte kurz aber laut auf.
"Nein, dafür wirklich nicht, aber wissen sie es gibt eine Sache, die die Landlebewesen mit uns teilen... Scheinbar alle intelligenten Lebewesen in der Galaxie. Wir alle bedienen uns des Alkohols, doch es ist ungleich schwieriger diesen unter Wasser herzustellen und zu konsumieren."
Ich nickte:
"Das stimmt wohl, bei meinen Nachforschungen ist mir dies auch aufgefallen. Der einfachere Konsum, läßt aber schon manch komische Veranstaltung zu... eine der berühmtesten der Menschen ging über mehrere Wochen, man nannte es Volksfest und..."
"Wollen sie noch was trinken?"
"Ähm, nein..."
Ich reichte ihm wieder die Flasche.
"So, Philosoph Quadrasul, zum ernsten Teil der Unterhaltung. Kalimaro war gestern bei ihnen?"
"Ja."
"Und hat er ihnen davon erzählt?"
"Er hat mir gesagt, dass sie hier einen Menschen hätten."
"Und sie haben es natürlich nicht geglaubt."
"Um ehrlich zu sein... Nein, ich habe es nicht geglaubt..."
"Ist ja auch ihr gutes Recht... Aber was wäre, wenn ich dies ihnen bestätigen würde?"
"Dann würde ich noch immer Zweifeln, aber..."
"Aber im Endeffekt könnten sie sich nicht vorstellen, daß ich sie veräppeln würde."
"Genau."
"Sehen sie, Herr Philosoph Quadrasul, wir haben tatsächlich einen Menschen hier."
"Wie? Woher? Warum? Aber die Sakkra?"
Jetzt langsam wurde es mir alles wirklich zu viel und mein Kopf begann, ob der ganzen Situation, innerlich zu rotieren.
"Na, beruhigen sie sich. ich werde ihnen alles erklären."
Ich fasste mich wieder und lauschte andächtig den Worten des obersten Philosophen.
"Vor etwas mehr als 300 Jahren fand ein Erkundungssschiff unserer Flotte in einem unbewohntem Randsystem unseres Reiches einen stark beschädigten Frachter der Menschen. Terra war gerade gefallen und dieser Frachter schien auf dem Weg nach Trilar zu sein, um Asyl zu ersuchen. Lebenszeichen konnten fast keine lokalisiert werden, nur ein Mensch hatte überlebt, Geschlecht männlich, Alter 35 terranische Jahre. Alle anderen waren umgekommen. Woran das konnten unsere Philosophen nicht klären. Sie nahmen allerdings genetische Proben aller Toten und stabilisierten den schwerverletzten Menschen."
"Aber das ist doch 300 Jahre her, er müßte doch schon längst gestorben sein..."
"Wenn er damals gelebt hätte, dann ja. Denn die philosophische Ordnung der Sterblichkeit hätte auch für ihn gegelten, wie für alle Trilarianer. Nein, er wurde stabilisiert und in das ewige Koma versetzt."
"Aber bei unheilbaren Trilarianern schaltet man die Versorgung auch ab..."
"Weil sie direkt an unsere Philosophie gebunden sind und es auch so wollen. Was konnte der Mensch dazu? Er war unverschuldet in unsere Hände gefallen.... und ich muß es zugeben, der Drang nach Forschung war einfach zu groß."
Ich zuckte kurz zusammen. Hatte Kqualdukar wirklich das Wort Forschung benutzt? Dieses Wort wurde in der trilarianischen Kultur nie benutzt. Warum auch? Philosophie enthielt alles. Streben nach Erkenntnis und ethische Verantwortung. Dies war in den Augen der Trilarianer der Grund, warum wir nicht kriegslüstern waren, wie andere Rassen. das Gleichgewicht der Philosophie verhinderte es einfach.
"Ich kann verstehen, wenn sie jetzt geschockt sind, sowas gerade von mir zu hören. Ja, wir Trilarianer forschen auch und wir forschen schon lange. Allerdings ist da nie die gesamte Gesellschaft dran beteiligt. Sie befindet sich und befand sich immer in den schützenden Armen der Philosophie. Doch ein paar Auserwählte zu denen ich auch als Oberster Philosoph zähle, forschen auch alleine des Fortschritts wegens..."
"Und wofür brauchen sie mich... Forschen kann und will ich nicht!"
"Sagen wir es einmal so: Sie sind der Trilarianer der einfach am meisten über die Menschheit weiß und deswegen brauchen wir sie."
"Und für was genau?"
"Sie sollen die psychische Gesundheit des Menschen feststellen, der sich in unserem Gewahrsam befindet."
"Aber der ist im ewigen Koma, weil er sonst sterben würde..."
"Denken sie nicht, dass sich unsere medizinischen Fähigkeiten seit 300 jahren weiterentwickelt haben? Genaugenommen hätten wir ihn schon vor 200 Jahren erwecken können."
"Und warum haben sie es nicht gemacht? Es wäre sein Recht gewesen!"
"Und was hätte uns das damals genützt? Was hätte ihm das damals genützt? Ein einzelner Mensch, der depressiv in einer trilarianischen Luftzelle ohne Seinesgleichen auf das Ende seiner Tage wartet."
"Und was soll sich dann heute geändert haben?"
"Die Interstellare politische Lage."
"Die was?"
"Heutzutage ruht kein Auge der mächtigen drei Imperien auf dem trilarianischen Reich. Die Evon sind wie immer mit den Psilons beschäftigt und umgekehrt. Die Sakkra scheinen es mit einem weitaus gefährlicheren Gegner zu tun zu haben als den Menschen, von dem wir allerdings nichts weiter wissen, ausser, dass diese unbekannte Rasse nicht auf Kohlenstoffbasis sich erzeugt hat."
"Ja, und weiter?"
"Das ermöglicht uns endlich ein Projekt zu bewirken, was schon seit Jahrzehnten in unseren..." er lächelte kurz, "Schubladen liegt."
Er zögerte kurz, blickte mich an und flüsterte fast:
"Die Wiederauferstehung der Menschheit!"
Mit allem hatte ich nach dieser langen Vorrede gerechnet, nur mit diesem nicht. Die Auferstehung der Menschheit. Was hatte diese alte Qualle vor?
"Jetzt schauen sie mich nicht so entrüstet an. Es ist so! Wir wollen die Menschheit zu neuem Leben erwecken! Mit dem genetischen Material, was wir den Toten entnommen haben, klonen wir etwa 100 Leute, die wir auf einen Planeten aussetzen, der Terra sehr stark ähnelt. Wir haben ihn schon vor Jahren gefunden, er ist dafür wie geschaffen."
Kqualdukar projizierte einen Globus in den Raum, der wirklich geologische Ähnlichkeit mit der Erde aufwies. Er hatte große Ozeane, besaß Wälder, Wüsten, Prärien und Savannen. Für Menschen wie geschaffen.
"Dort werden wir sie aussetzen. Die Führung wird unser Freund übernehmen, der zur Zeit noch im Koma liegt, die Klone haben ja keinerlei angelerntes Wissen."
"Werden sie sie mit neuester Technologie ausstatten?"
"Nein, die Menschheit wird wieder bei Null anfangen. Das Wissen des Einen wird über die Jahrhunderte wieder verloren gehen, dies haben die Wahrscheinlichkeitsphilosophen schon überprüft."
"Und wofür brauchen sie mich? Es scheint ja schon beschlossenen Sache zu sein!"
"Ja, sie haben recht. Es ist schon beschlossene Sache, doch liegt uns viel an ihrer Meinung, da wir psychologisch mit den Menschen gar keine Erfahrung haben."
"Und wir werden die neu erstandene Menschheit dann wie Götter beobachten?"
"Wenn sie es so ausdrücken wollen...Ja."
"Und was ziehen wir daraus für einen philosophischen Wert?"
"Na, das lassen sie mal unsere Sorge sein..."
Ich wußte nicht, was ich tun sollte. Die Einstellung des Obersten Philosphen widerte mich irgendwie an, hier stimmte irgendetwas nicht. Und dann dämmerte es mir, es fiel mir wie Schuppen von den Augen.
"Sie wollen vorallem Forschen!"
"Na..."
"Doch es würde das erste richtige Forschungsobjekt der Trilarianer! Richtig groß! In dem wir zu den Göttern der Menschen werden, verlassen wir das Gleichgewicht der Philosophie endgültig, denn Götter brauchen keine Philosophie. Was für einen Sinn haben wir dabei diese Menschen isoliert zu beobachten? Sagen sie es mir!"
"Jetzt werden sie nicht unverschähmt glauben sie ja nicht..."
"Dann sage ich es ihnen! Sie wollen die Menschen beobachten um den menschlichen Fortschritt zu verstehen! Um die menschliche Philosophie geht es ihnen nicht, um das Schöne der Menschheit auch nicht! Ihr wollt die Kriege, die Vernichtung, das wollt ihr lernen, das wollt ihr erforschen! Das Schöne, das Friedliche interessiert euch nicht, denn was gibt es einen Unterschied in diesem Punkt zwischen Menschen und Trilarianern?"
Der oberste Philospoh schwieg eisern und ich wartete seine Antwort gar nicht ab.
"Ich habe wohl gerade den Kern getroffen. Auch die Trilarianer sollen Krieg führen, sie sollen auch Welten erobern, sich mit den anderen Rassen messen. Und damit werdet ihr Trilar letztendlich in den Untergang führen!"
"Und was, wenn die Sakkra uns genauso niedermachen, wie die Menschen vor uns?"
"Die Menschen haben einen Fehler gemacht und mussten dafür grausam büßen! Doch ihr Weg muss nicht unserer sein, wir versuchen unseren Weg und ihr wisst auch genauso gut wie ich, daß jeder seine Heimat auch notfalls mit Gewalt verteidigen würde. Ihnen geht es um die offensive Macht, die die Menschheit vermittelt. Das scheinbar ungebremste raffen aller Resourcen! Die Vernichtung! Der Tod! Das Leiden!"
"Ein Wort mehr und sie werden in ihrem Leben nie Chance bekommen einen lebenden Menschen zu sehen!"
Ich hielt kurz inne. Dies war der Traum seit meiner Kindheit und ich war kurz davor ihn wegzustossen. Doch ich wußte, was ich tun mußte.
"Ich liebe die Menschheit, bin aber Trilarianer genug um dieses schändliche Angebot zurückzuweisen."
"Dann verlassen sie bitte auf der Stelle diese Örtlichkeiten. Und wenn sie versuchen werden, irgendetwas von dem hier Gesagten an die Öffentlichkeit zu bringen... Keiner würde einen Verrückten Menschenforscher ernstnehmen!"
Ich schwamm ohne ein weiteres Wort aus dem Raum hinaus, auf meinen Arbeitsplatz zu. Mein philosophisches Gleichgewicht verlor ich an diesem Tage und gewann es nie mehr zurück.
Der Planet wurde wahrscheinlich besiedelt und zur Zeit leben wohl wieder einige hundert Menschen in der Galaxie. Ob zum Schaden oder zum Nutzen der Trilarianer...

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