|
|
Phönix unter Wasser (Seite 2)
-
Die Philosophenstelle Quatlabecks stand noch immer offen. Seit fast 300 Jahren hatte sich kein einziger Philosoph mehr dafür interessiert, deswegen war es auch kein Problem für mich sie anzutreten. Ruhm und Ehre konnte ich mir wahrlich nicht erhoffen, nahm der Zweig der Menschenforschung ja keinen Platz mehr im Alltag der Trilarianer ein, doch meine Leidenschaft aufzugeben war undenkbar. Also zog ich nach Trilar und durchschwamm zum ersten mal das Wasser unserer Ahnen. Der Unterschied der Wasserqualität war nicht zu leugnen, doch gefiel mir das Laniger-Wasser insgesamt doch besser. Heimat bleibt Heimat.
Meine ersten Jahre waren sehr improvisiert. Ich mußte eine tote Philosophie wieder beleben und konnte nur auf die Aufzeichnungen von Quatlabeck zurückgreifen, die allerdings in vieler Weise veraltet waren. Hilfe holte ich mir von anderen Philosophen, die dem Thema Menschheit nicht so negativ gegenüberstanden, auf Trilar gab es halt eine größere Bandbreite an Meinungen. Natürlich wollte keiner ein fester Mitarbeiter werden, dazu stand ich zu sehr am Rand der Philosophie.
So vergingen die Jahre und ich wurde mittlerweile als lustige Kuriosität gehandelt und fand sogar manchmal die Erwähnung angesehener Philosophen. Ich dachte so werde ich mein Leben verbringen, bis zu dem Tag an dem ich meine Reise zu dem Ewigen Ozean antreten sollte.
Eines Tages allerdings änderte sich alles aber in einem rasendem Tempo. Ich betrachtete gerade ein paar alte menschliche Television-Sendungen, da sie den Gegenstand meiner neuesten philosophischen Abhandlung darstellten, da schwamm ein mir unbekannter Philosoph in meinen Raum.
"Sind sie Philosoph Quadrasul?"
"Ja, der bin ich wohl. Was verschafft mir die Ehre? Ich habe selten Gäste in meinen Räumen..."
"Sie sind doch der Menschenforscher?"
"Da kann ich wohl mit meinem vollen Verstand sagen: Ja, ich bin DER Menschenforscher, der Einzige."
"Hm, so ein verrückter Kauz scheinen sie ja nicht zu sein. Behaupten ja alle..."
Der mir Unbekannte schwamm kreuz und quer durch meinen Raum und betrachtete einige Hologramme von menschlichen Artefakten, die dorthin projiziert wurden.
"Und den ganzen Landkram zu untersuchen, macht ihnen Spaß?"
"Ja, macht es mir wohl oder könnten sie sich sonst vorstellen, dass ich den lieben langen Tag hier eingepfercht sitzen würde, wenn es mir keinen Spaß machen würde?"
Er überhörte meinen leicht ironischen Ton und setzte seine Erkundung der "Kuriositäten-Sammlung" fort.
"Ich habe einmal gehört, dass Menschen Artefakte herstellten, die, wenn sie mit Wasser in Berührung kamen, ihre Funktionalität aufgaben. Kann sowas wahr sein?"
"Ja, das stimmt.... aber..."
"Was hat das denn für einen Sinn? Die Menschen brauchten doch auch Wasser zum Überleben, diesen Regen, der bei uns die Ozeandecke manchmal leicht streift..."
"Dann stellten sie die Artefakte trocken und gingen in ihre Häuser."
"Nein, da veralbern sie mich jetzt aber! Sie können mir nicht erzählen, dass menschliche Häuser die Eigenschaft haben vor Wasser zu schützen..."
"Menschliche Häuser schirmten die Insassen vor Gefahren ab und gewährten Privatsphäre wie bei uns. Regen war den Menschen oft unangenehm...."
Er begann laut aufzulachen und seine Flossen wackelten lange unkoordiniert herum.
"Nein, jetzt weiß ich, dass sie mich auf den Arm nehmen. Kommen sie Philosoph Quadrasul... Wenn die Menschen schon nicht komplett im Wasser leben, dann müssen sie doch wenigstens diesen Regen lieben, wenn er kommt."
"Für die Nahrungsgewinnung war der Regen notwendig, doch sie schwammen...ähm liefen nicht gerne in ihm rum. Aber warten sie mal ich kann ihnen da mal was zeigen."
Ich bediente das Media-Net und zauberte eine MenschenFilmSzene in den Raum, die ich sehr mochte. Dort tanzte und sang ein Mensch im Regen wand sich um sogenannte Laternen und schien sehr glücklich zu sein.
"Was ist denn das für ein komische Qualle? Ist ja richtig drollig, machen das alle Menschen?"
"Na, sie haben ja wirklich keine Ahnung. Dies ist ein Ausschnitt aus einem menschlichen Film, die laufen nicht alle so durch ihre Straßen, Musik ist dort auch nicht immer im Hintergrund und wie gesagt: Das witzige an der Szene ist ja gerade, dass er im Regen singt."
Der mir immer noch unbekannte Trilarianer schüttelte den Kopf.
"Herr Philosoph, wenn das stimmt, dann brauchen wir ihre Hilfe wirklich. Ich bekomme gerade den Eindruck, dass wir sie viel zu spät benachrichtigt haben."
Mir wurde es allmählich zu bunt.
"Dann sagen sie mir doch verdammt noch mal, was sie wollen. Sie nehmen mir hier wertvolle Zeit mit ihren unqualifizierten Äußerungen."
"Na, na, na, na, jetzt beruhigen sie sich erst mal wieder und hören sich an, was ich ihnen zu sagen habe. Es wird ihnen schon sehr gefallen."
"Dann rücken sie damit schnell raus... Wie heißen sie überhaupt?"
"Mein Name ist Kalimaro.... Ihnen sollte klar sein, dass es keine kleine Sache ist."
"Ja, ja, ja. Und?"
"Ok..."
Er schwamm noch ein bißchen von links nach rechts durch den Raum, als ob er überlegen würde, wie er am besten beginnen sollte. Schließlich baute er sich groß und breit vor mir auf und begann zu reden:
"Wollen sie einen Menschen sehen?"
Ich konnte mit dieser Frage nichts anfangen, weil sie in meinen Augen keinen Sinn machte.
"Was soll diese Frage, es gibt keine Menschen mehr. Alles, was von ihnen übrig ist, ist in meinem Datenarchiv enthalten."
Kalimaro beugte sich ein bißchen vor und grinste mich an.
"Was würden sie sagen, wenn ich ihnen verkünden würde, dass wir noch einen haben."
"Jetzt sind sie es aber, der mich verarschen will und das auch noch schlecht. Über sowas macht man keine Scherze."
"Na, sie müssen es wissen. Ich hinterlasse ihnen meine Adresse und wenn sie mehr erfahren wollen kommen sie Morgen einfach vorbei, wann ist egal."
Ohne sich zu verabschieden schwamm er aus meinem Raum heraus. Die Adresse auf der Holokarte, die er hinterlassen hatte, erstaunte mich schon, denn ich kannte sie. Es war der Hauptsitz aller trilarianischen Philosphen, der nicht weit weg von meiner Arbeitsstelle lag. Ich rechnete damit, dass sich ein paar Kollegen auf meine Kosten einen Spaß machen wollten. Auf der anderen Seite hätte ich keinem Trilarianer solch ein Maß an Humor zugetraut. Na und wenn schon, dann werde ich ihn diesen nicht verderben...
-
Seite 1
Seite 2
Seite 3
|
|