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#moo3planet

Phönix unter Wasser von Manuel

Es würde Regen geben. Ulunduk beobachtete den Himmel schon den gesamten Tag, seitdem er sein Zelt noch vor dem Sonnenaufgang verlassen hatte. Er dankte den Geistern für die grosse Gabe, denn die neu angelegten Felder brauchten das Wasser, sonst würden diesen Winter wieder viele seiner Stammesgenossen sterben. Mit einem Seufzer der Erleichterung erhob sich Ulunduk von dem Felsen auf dem er jetzt schon viele Stunden gesessen hatte und überblickte das Tal in dem seine Sippe für diesen Sonnenumlauf Zuflucht gefunden hatte.
Endlich Regen, die Feldfrüchte waren einfach zu wichtig geworden, nachdem die Jäger mit immer weniger Fleisch von ihren immer länger werdenden Streifzügen durch die Wildnis zurückkehrten. Ein kurzes Dankgebet an die Geister und Ulunduk mühte seine schmerzenden, alten Knochen von seiner Beobachtungplattform. Sein Magen knurrte und er hoffte, daß seine neue Frau heute sein Abendmahl nicht angebrannt hatte, wie gestern. Ulunduk strich sich mit der Zunge über seine Lippen und beobachtete, während er gemähchlich zu seinem Zelt zurückmarschierte, die Frauen und Kinder, die sich um das große Feuer in der Mitte des kleinen Zeltlagers scharten. Es wurde Abend, das Essen mußte gleich fertig sein, denn man erwartete die Rückkehr der Jäger und Sammler.
31 Geschöpfe sind wir noch, zählte Ulunduk im Kopf, seinen Stamm durch. Früher, als er noch ein Junge war und gerade vom alten Wettermacher als Nachfolger ausgewählt worden war, da gab es noch Fleisch in Hülle und Fülle und die kleine Schar zählte wohl an die 50 Menschen. Kopf schüttelnd nahm er auf seinem Sitzfell Platz. Schon kam auch seine Frau an, die ihm ein paar Waldbeeren auf einem großen Blatt reichte. Sie war sehr schön, fand Ulunduk, doch geschickt ist sie ja nicht. Er hätte nach dem Tod seiner letzten Frau auch keine mehr angenommen. Sollte doch ein junger Krieger mit ihr viele Kinder machen und der Sippe damit helfen. Doch abschlagen konnte er der Sippe diese Gabe nicht. Es war Gesetz, daß der Wettermacher nie ohne Frau sein sollte. Wenn er es ehrlich betrachtete brauchte er auch eine Frau. Ulunduk war den ganzen Tag meistens auf dem Felsen und beobachtete den Zug der Wolken, hörte auf das Flüstern oder Raunen des Windes und wurde auch dem Verhalten der Tiere gewahr. Am Abend lauschten dann die gesamte Sippe, Frauen, Kinder und Männer, seinen Worten über die Wetteraussicht. Doch beliebter bei seinen Kindern waren wohl die alten Geschichten über die Geister und die goldene Vorzeit, bevor die große Strafe über die Menschheit fiel und alles verdarb. Wenigstens wird es Regen geben, dachte Ulunduk, als er auch schon die heimkehrenden Jäger erblickte. Einer von ihnen trug ein erlegtes Tier über dem Rücken. Dann wird es heute wieder ein langer Abend werden und man wird endlich wieder mit einem vollen Magen einschlafen können, lächelte Ulunduk für sich...

Philosoph Quadrasul,
Sternensystem Trilar
im 3496. Jahr

Mittlerweile bin ich ein alter Meeresbewohner geworden. Ein alter gesetzter Philosoph, der es in seinem Fach zu einiger Anerkennung gebracht hat. Die Annehmlichkeiten die mir jetzt das Ernten der Früchte bringen, kann ich nicht vollends genießen, denn eine Geschichte läßt mir keine Ruhe.
Deswegen habe ich beschlossen meine Gedanken diesbezüglich zu ordnen und sie in den Medienspeicher zu geben. Bitte verstehen sie es nicht als wissenschaftliche Publikation, eher als Aussagen einer alten enttäuschten Qualle, die sich einmal ausdrücken will.
Um das gesamte Ausmaß zu verstehen müßte ich eigentlich tausende Jahre in der Zeit zurückgehen, werde dies aber unterlassen und mit mir selbst beginnen. Obwohl... Damals war ich noch ein Anderer, voller Elan und Träume. Der junge Trilarianer, der ich damals war, hatte gerade seine philosophische Ausbildung hinter sich gebracht und wurde zum Lehrer des Wissens ernannt. Meine Zeit des Lernens verbrachte ich auf meinem Heimatplaneten, der der dritte im Sternensystem Laniger war. Aber vielleicht sollte ich erstmal etwas über die Umstände erzählen, in denen ich aufgewachsen bin.
Für die meisten Auswärtigen war dieser Planet viel zu trocken. Das Ausbleiben von großen Ozeanen machte es für Manchen zur regelrechten Hölle. Besonders alle Reisenden, die von Trilar kamen, zeigten eine gewisse latente Ablehnung für meine Heimat und fieberten dem Tag an dem es zurück zu dem "wunderwässrigen Ur-Planeten aller Trilarianer" ging mit Begierde entgegen. Ich sah viele von den "Ur-Trilarianern", denn ich hatte das Glück, dass meine Eltern gemeinsam die Obersten-Verwalter eines Binnenmeeres waren, das sich auf der nördlichen Seite der Halbkugel von Laniger 3 befand. Dieses Binnenmeer hatte für die interplanetarisch-trilarianische Regierung zur Zeit meiner Kindheit die Priorität 1. Dies bedeutete eine Vergrößerung des Meeres, was eine Vergrößerung des Lebensraumes der Trilarianer bedeutete. Hierzu mußten natürlich unvorstellbare Massen an Wasser auf den Planeten gebracht werden. Die Replikatortechnik war in diesen Jahren noch sehr dürftig und gerade auf Laniger 3. Wir hatten nicht mal die nötigen Labors, um Wasser in größeren Mengen chemisch zu gewinnen. Die Abhängigkeit beim Terraforming von anderen Planeten brachte also die unterschiedlichsten Leute zu uns ins Haus. Beamte, Wirtschaftsbonzen, Philosophen, alle kamen, um mit meinen Eltern den Wasserstandspegel zu diskutieren, Sprengungen zu beschließen und an dem Planeten wie er war kein gutes Wort zu lassen: "Wenn wir den Zeitplan einhalten wird endlich aus diesem trockenen Stück Dreck ein einziger wunderwässriger Ozean, der bläut und grünt in einem wie Trilar!" Dies hörte ich praktisch in jedweder Form meine ganze Jugend durch, doch Verständnis hatte ich dafür nicht.
Im Gegensatz dazu erwuchs eher eine Liebe für das Land daraus. Oft nahm mich meinen Eltern mit zu den Küsten des Meeres um die Fortschritte beim Einwässern des Landes zu sehen. Einmal durfte ich auch mit zu einer wissenschaftlichen Wasserkuppel, die zur Untersuchung der spärlichen Landvegetation, geschaffen wurde. Dort stand ich als junger Trilianer, presste mein Gesicht an die Wände der Kuppel und beobachtete die Wissenschaftler wie sie mit Landganganzügen über die Planetenoberfläche schritten und ihre Untersuchungen machten. Dieses Ereignis festigte meine Liebe zum Land immer mehr und ich begann mich mit den intelligenten Landlebewesen unserer Galaxie zu beschäftigen.
Die trilarianischen Veröffentlichung zu dem Thema intelligentes Landleben waren allerdings erschreckend gering. Ich dachte mir damals, daß es wahrscheinlich daraus resultierte, daß die uns umgebenden Landbewohner unserer Kultur so fremd waren, dass ein Austausch in egal welcher Hinsicht nie stattgefunden hat, zumindest in den letzten 300 Jahren. Nun gut, auf interplanetarischer Ebene werden schon von Zeit zu Zeit Verhandlungen über Gebietsansprüche, Friedensverträge etc, geführt, doch berührte eines dieser Zusammentreffen nie das soziale Leben der Trilarianer. Kein Händler aus Trilar wollte etwas mit einem Händler der Sakkra zu tun haben und kein Wissenschaftler der Psilons hatte sich einmal mit einem trilarianischen Philosophen ausgetauscht, wie gesagt, während der letzten 300 Jahre nicht, aber 300 Jahre reichen aus um eine Gesellschaft interplanetarisch zu isolieren, auch weil es praktisch mit beiderseitigem Einverständnis geschah. Was vor 300 Jahren geschah? Ein normaler trilarianischer Philosoph würde mit den Flossen wedeln und sagen: "Der Krieg war damals, aber wir sollten diese Zeit vergessen, denn sich an Kriege zu erinnern, bringt den Körper in Ungleichgewicht und gefährdet die innere Ruhe. Lasst uns den trilarianischen Frieden geniessen." Alle Philosophen wussten, was damals geschehen war, aber sie unterhielten sich nicht drüber, alle anderen Trilarianer wussten nichts darüber, weil man es ihnen nie ernsthaft gelehrt hatte und wenn man ihnen etwas gesagt hätte, dann häten sie mit den Flossen gewedelt und ihr Tageswerk ganz normal zu Ende gebracht.
Ich las, hörte und sah fast alles, was im Mediennetz der Trilarianer zu den anderen Rassen stand, mit denen wir in Kontakt standen. Und fremd waren sie wirklich, diese Landbewohner: Kriegerische Echsen waren die Sakkra, die sich über einen Planeten hermachten, wie ein Schwarm kleiner Raubfische und innerhalb weniger Jahrzehnte fast jede freie Pore des Planeten bewohnten. Anderen Rassen stehen sie von vornherein feindlich gegenüber. Wenn es nicht gelingen kann, sie mit Geschenken und diplomatischen Zugeständnissen freundlicher zu stimmen, so werden sie jeden angreifen, der ihnen nicht haushoch technologisch überlegen ist.
Dagegen die Psilons, die ein paar Systeme weiter ihr Imperium haben. Ihr ganzes Leben der Wissenschaft verschrieben. Die trilarianischen Philosophen stellen sie als Ethik- und Gefühllose Geschöpfe dar, die nur ob des Fortschritts leben und von der Philosophie keinen blassen Schimmer haben. Diese Psilons scheinen schon seit Äonen Krieg mit den Evon zu führen. Diese liegen aber soweit von unseren Wassern entfernt, daß wohl noch nie ein trilarianischer Botschafter mit einem Evon geredet haben soll.
Die Aufsätze, die ich zu den anderen Rassen las wurden schnell langweilig, denn sie wiederholten sich ständig und strotzten von trilarianischer Abneigung gegen alles, was nicht aus dem heiligen Wasser kam. Doch eines Tages machte ich einen erstaunlichen Fund, in einem wenig genutzten und sehr alten Datenspeicher des Medianet. Ich fand eine etwa 280 Jahre alte Abhandlung, die mein Leben verändern sollte. Betitelt war sie "Der große interplanetarische Krieg - Von den Ursachen bis zu dem Untergang der Menschheit - Eine Abhandlung des Quatlabeck". Ich war erstaunt, daß es so etwas überhaupt gab, dachte ich doch "der Krieg" wäre seit eh und je ein philosophisches Tabuthema gewesen. Doch das schürte meine Neugierde natürlich und ich begann zu lesen. Die Abhandlung ging 500 Jahre zurück. Zu dieser Zeit hatten die Trilarianer Kolonien auf benachbarten Sternensystem gegründet und trafen auf die ersten Landlebewesen von anderen Sternen. Es waren die Menschen, über die ich so gut wie nichts wußte.
Eine kleine trilarianische Fregatte sollte das System Sirius genauer untersuchen und traf dort auf ein menschliches Schlachtschiff. Überrascht waren beide Seiten, denn es war für jeden jeweils der erste Kontakt. Die Menschen sahen die Trilarianer als "Fische" an, während die Trilarianer von Umbatai sprachen, die von Landphilosophen wohl rasiert worden wären. Wider Erwarten enwickelte sich das Verhältnis Trilar-Sol doch zu einem guten, der Handel florierte und es war nicht unüblich, dass auch ein paar unserer Philosophen zu Treffen mit menschlichen Wissenschaftlern auf deren Heimatplaneten Terra zusammenkamen. Einer dieser Philosophen schwärmt sogar in einer 400 Jahre alten Quelle über einen Ozean "der wahrlich die wundervollsten Arten Wassers enthält, die man auch auf Trilar finden kann. Dieser Ozean wird wohl von den Menschen der Stille genannt. Als ich meine übersprudelnde Freude meinen menschlichen Kollegen kundtat, erwiderten sie mir, dass man sehr gerne trilarianische Touristen auf der Erde willkommen heißen würde."
Als ich diese Stellen las überlief mich ein wohltuender Schauer. Wir Seebewohner sollten als Reisende nach Terra kommen um dort die wunderwässrigen Örtlichkeiten zu bestaunen. Es erschien mir doch sehr verrückt, denn der Gedanke unser Reich des Wassers zu verlassen, war mir sehr fremd damals. Doch währte der Austausch zwischen Trilarianern und Menschen nicht sehr lange, denn eine dritte Macht trat auf den Plan. Ein menschlicher Außenposten wurde Opfer eines Sakkra-Angriffs. Der gesamte Außenposten wurde ausgelöscht, kein Mensch am Leben gelassen. Die Menschen reagierten ganz anders, als wir Trilarianer sie kannten: grausam und mit aller Härte. Aus den Augen des alten Philosophen Quatlabecks zeigten die Menschen Eigenschaften eines Chamäleons, wurden sie doch selbst zu Sakkra und starteten eine Strafexpedition. Nur war es kein Außenposten, der den Menschen zuerst von den Sakkra in die Hände fiel, sondern eine junge Kolonie mit mehr als zwei Millionen Echsen. Das orbitale Bombardement dauerte ein ganzes Jahr und der Planet ähnelte danach einer kargen Wüste, jeder Tropfen Wasser war verdampft und kein einziger Sakkra lebte mehr.
Angewidert wendeten sich unsere Vorfahren von den Menschen ab und verliessen die menschlichen Kolonien in Scharen. Wissenschaftlicher Austausch, Handel und Tourismus gingen in den Jahren nach dem Bombardement auf ein Minimum zurück, es begann eine diplomatische Eiszeit und die trilarianische Isolation von der Interplanetaren Außenwelt. Angst machte sie breit vor der Unberechenbarkeit der Menschen und des kriegerischen Wesens der Sakkra. Diese allerdings konnten den Verlust ihrer Kolonie nicht verkraften und sahen sich den technologisch überlegenen Menschen hilflos ausgeliefert. Wo die menschlichen Schiffe auftauchten, brachten sie der Echsenbevölkerung den Tod. Es ähnelte einem heiligen Krieg.
Die Philosophen unserer Gattung, die sich noch mit den Menschen auseinandersetzten, versuchten sie zu Überzeugen, dass Leid nur noch mehr Leid bringt, auch für die menschliche Bevölkerung. Doch war die Menschheit in ihrem Fanatismus so gefestigt, daß sie nichts anderes als die totale Vernichtung des Sakkra-Imperiums wollte, aus Angst selber am Ende das hilflose Opfer zu sein.
Der Krieg zog sich in die Länge.
Die Wende brachte das Eintreffen der Psilons. Diese Rasse pragmatischer Denker grenzte mit ihrem Imperium sowohl an das Reich der Sakkra wie an das der Menschen. Sie beobachteten das Streben der Menschen mit Argwohn, wußte sie doch, dass ein menschliches Imperium, das die Sakkra besiegt hätte, über kurz oder lang auch ihren Untergang bedeuten würde. Eine Zusammenarbeit war für die Psilons undenkbar, hatte sich die menschliche Natur als zu wechselhaft herausgestellt. Außerdem war das menschliche Wesen wohl eher mit dem der Evon zu vergleichen und nichts fürchteten die Psilons so sehr wie ein Bündnis von Menschen und Evons. Die minimale Produktion der Psilons hätte, trotz ihres gigantischen technologischen Vorsprungs, niemals ausgereicht mit diesen zwei Humanoiden-Brüder-Rassen zu konkurrieren. So entschlossen sich die Psilons die Sakkra zu unterstützen. Dies bedeutete das Anfang vom Ende der menschlichen Rasse.
Ausgerüstet mit neuester Psilon-Technik reorganisierten die Sakkra ihre Flotte um ihr Heimatsystem Sssla. Das industrielle Potential, das die Echsenwesen noch besaßen wurde von den Menschen unterschätzt, da sie bisher mit den technologisch unterlegenen Sakkra-Schiffen keine Probleme hatten. Oft hatte ein Schlachtschiff ausgereicht, um eine ganze Schar von Sakkra-Kreuzern vom Himmel zu holen. Die menschliche Flotte galt als unbesiegbar. Dies änderte sich erst an dem Tage als die gesamte Expeditionsflotte den Überlichtgeschwindigkeitsraum im Orbit um Sssla Prime verließ, dem Heimatplaneten der Sakkra. Leicht geschockt waren die Menschen schon, ob der großen Anzahl an Schiffen, die die Echsen scheinbar aus dem nichts hergestellt hatten. Doch zweifelte keiner der Offiziere an einem Sieg der terranischen Flotte, es wurde nur mit etwas mehr Widerstand gerechnet, handelte es sich doch um das Heimatsystem.
Sie ahnten natürlich nichts von den Psilon Botschaftern, die zusammen mit den Sakkras, die Schlacht um Sssla koordinierten. Der Kampf begann und endete in einem vollkommenen Debakel für die Menschen. Die Strahlenwaffen, die die menschlichen Schilde früher nur in den seltesten Fällen durchdrungen hatten, zersägten die menschlichen Kreuzer wie nichts. Die schwerfälligen terranischen Schlachtschiffe zeigten sich den stetigen Wellen der sakkrischen Jäger-Angriffe hilflos gegenüber und konnten ihre gewaltige Feuerkraft nicht einsetzen, da die Sakkra ihre großen Schiffe eher im Hintergrund hielten.

An diesem Tag überlebte im Orbit von Sssla Prime kein Mensch.

Nachdem die terranische Expeditionsflotte vernichtet war, gingen die Sakkra zum Gegenangriff über und zeigten genau sowenig Gnade wie die Menschen vor ihnen. Wirtschaftlich bedeutende Planeten wurden mit Todessporen "gesäubert", direkt danach wieder kolonisiert, unrentable einfach nur zu Schutt und Asche zerbombt. Jetzt endlich bemühten sich die Menschen um Verbündete bei den Evon und bei uns Trilarianern. Die Evon sahen die Aussichtslosigkeit gegen dieses Wiedererstarkte Sakkrareich vorzugehen, zumal sie selber einen Streich gegen die Psilons vorbereiteten, da diese scheinbar ihre Augen von den Grenzen der Evon abgewendet hatten. Die menschlichen Diplomaten wurden aus dem Reich geworfen und alle diplomatischen Verbindungen zu den Terranern gekappt.
Der alte Rat der Trilarianer hörte sich die Bitte der Menschen an, doch entschied gegen einen Kriegseintritt auf Seiten der Menschheit. Das Verhalten der Landlebewesen die auf beiden Seiten der Front standen, wurde von ihnen nur mit Abscheu betrachtet. Man wollte die gerade aufgebaute Isolation nicht aufgeben, um wahrlich verrückte, durch ihre Intelligenz aber gefährliche Rassen zu unterstützen, ein Reich des Terrors aufzubauen. Kein einziger Trilarianer sollte dafür sterben und so wurden den Menschen auch in Trilar die Türen verschlossen.
Es dauerte nur ein paar Jahre, da erreichte die Flotte der Echsen das Sternensystem Sol mit dem Planeten Terra. Nicht mal mehr eine Verteidigungsflotte konnten die Menschen aufstellen, sie hatten ihr letztes Pulver schon lange verschossen. Die Zahl der Bomben die auf die Erde fielen, übertraf wohl die Zahl aller jemals in der Galaxies abgeworfenen. Wofür die Menschen damals noch ein Jahr gebraucht hatten, erledigten die Sakkra nun in zwei Wochen: Terra, ein Planet der einst so wundervolle Ozeane hatte, war nun ein unförmiger großer Stein, der seine Kreise um Sol zog.
Nach dem Fall des Heimatplaneten war es nun nicht mal mehr Makulatur für die Sakkra alle anderen menschlichen Kolonien und Außenposten auszulöschen. Der Genozid an der Menschheit wurde komplett vollzogen. Man verlangte von den Evon die Auslieferung der letzten Überlebenden und Flüchtlinge des einst so mächtigen terranischen Reiches. Die Evon lieferten die Menschen nicht aus. Stattdessen luden sie eine Delegation der Sakkra ein. Es wurde für diese ein wunderbaren Abend, bekamen sie doch zu einem reichlichen Mahl auch die Exekution von 40.000 Menschen serviert.
In Trilar gab es keine Menschen...
Dies war der Inhalt der wissenschaftlichen Arbeit, die ich gefunden hatte. Ein unheimlicher Schatz für mich damals. Der Verfasser Quatlabeck hatte anscheinend selbst eine Zeit unter Menschen gelebt, schilderte er die Verhältnisse auf Terra doch sehr plastisch und eindrucksvoll. Eine Vorstellung die mein junges Herz zu höheren Gedanken antrieb. Ich stöberte noch lange in dem alten und scheinbar vergessenem Dateiarchiv herum und fand manch wunderbares heraus und manch erstaunliches. Quatlabeck war der letzte Menschenforscher, den Trilar je gesehen hat. "Der Krieg" hatte dieser lange Zeit gehegten und gepflegten Philosophie den Garaus gemacht. Quatlabeck sah, dass er keinen Nachfolger mehr bekommen würde, also schrieb er sein letztes großes Werk, auf das ich als erstes gestossen war und schickte es ins Media-Net. Doch der größere Schatz waren unzählige Quellenbelege. Als Menschenforscher griff Quatlabeck in der Zeit vor dem Krieg auf das Media-Net der Menschen zu und kopierte die für ihn relevant erscheinenden Teile. So kam es, daß ich nun die Informationen über 7000 Jahre Menschheitsgeschichte vor mir hatte in jedweger Form: Hologrammrundgänge durch menschliche Bauwerke über Musik bis hin zu menschlichen Nahrungsrezepten.
Von da an widmete ich meine philosophischen Tätigkeit der Menschheit, was meiner Umwelt natürlich mißfiel. Sich mit Landlebewesen beschäftigen? Und dann noch mit den ausgestorbenen Menschen? Was sollte das der geistigen Einheit der Trilarianer bringen? Dies hörte ich mir viele Jahre an, doch arbeitete unermüdlich weiter. Die Menschheit eröffnete mir ein Bild, das die Landlebewesen in ganz anderem Licht scheinen ließ. Ihre Musik hörte sich anders an, doch war sie genauso beseelt wie unsere. Ihre Literatur, vulgärer, aber nicht ohne Gefühl. Ihre Philosophie insgesamt auf einem sehr hohen Stand, doch die praktische Umsetzung war gleich null.
Denn so familiär mir manches an den Menschen schien, so abgrundtief hasste ich ihre Kriege gegeneinander. Ein normaler Trilanianer könnte sich nicht ein Jahrhundert Menschheitsgeschichte anhören, zuviel Leid würde ihm die Seele verdunkeln. Doch mich trieb jeder Krieg, jeder Genozid an, mehr über diese Menschen zu erfahren, um vielleicht am Ende zu dem Standpunkt zu gelangen, dass das Gute überwiegt. Doch alleine die reale Vernichtung der Menschheit trieb mich in eine tiefe Traurigkeit.
So kam es, dass ich in das Alter kam, wo ich mir eine philosophische Stelle aussuchen konnte. Meine Eltern hätten es gerne gesehen, dass ich ihnen auf Laniger 3 bei ihren Terraforming Aufgaben zur Hand ging, doch zog es mich weg, nach Trilar.

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