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#moo3planet

Freys Gewissen (Seite 2)

Schließlich barst der Planet in mehrere große Teile, die allmählich zerfielen, in winzige Brocken, die kaum größer waren als die Prometheus selbst. Der Energiestrahl des Konverters verschwand, sein Generator war entladen, Trilar war zerstört. Langsam drifteten die Trümmer der einst wunderschönen Welt auseinander.
Einige Offiziere begannen zu klatschen, bald schloss sich andere an. „Großartig, Admiral, einfach großartig“, rief jemand. „Ein historischer Sieg“, sagte ein anderer. Frey wurde übel.
Das Hologramm verschwand
„Jetzt...“ Captain Pierce stand immer noch hinter dem Rednerpult. „...bitte ich den Admiral, einige Worte zu uns zu sprechen.“ Frey winkte ab, doch irgend ein Captain – er kannte ihn nicht – schob ihn auf Pierce zu. Der Admiral stolperte zu dem Pult, Pierce trat respektvoll beiseite. Frey blickte zu Boden, räusperte sich.
Seine Stimme war sehr leise, er sprach langsam und deutlich: „Wissen Sie, was General Peterson, der Held von Atair, einmal gesagt hat? ‚Ein falscher Sieg ist schlimmer als eine Niederlage.‘ “ Die versammelten Offiziere schwiegen ratlos. „Wir machen uns etwas vor. Trilar war besiegt. Vor diesem Fenster“, Frey deutete auf die lange Fensterfront zu seiner Rechten, „schweben die ausgebrannten Überreste der trilarianischen Flotte, über sechzig Schiffswracks. Es gab keinen Widerstand mehr.“ Frey holte tief Luft. Als er vom Rednerpult weg trat, sagte er noch leiser, so dass nur Pierce und einige Umstehende ihn hören konnten: „Denken Sie darüber nach.“
Frey wandte sich an Commander Parton, die auf ihn zu lief: „Teilen Sie den Stabsoffizieren mit, dass wir diese Feier verlassen.“ Dann ging er hinaus.
Die verwirrten Blicke von zweihundert Offizieren der Flotte folgten ihm.

Das holographische Abbild des Sakkra-Botschafters waberte drei Meter groß vor dem Thron Godworths III. Die blaue, nach Meinung Godworths unglaublich hässliche Echse, verbeugte sich. Sie sprach tief und mit leichtem Akzent: „Kaiser Draken akzeptiert Euer Angebot. Unsere Völker, die gesamte Galaxie, werden von diesem Abkommen profitieren. Ich danke Euch, Imperator.“
Godworth lächelte. „Es ist mir jedesmal eine Ehre, mit der edlen Rasse der Sakkra Geschäfte machen zu dürfen. Ich danke Ihnen, Herr Botschafter.“ Die Echse verschwand.
Der Imperator lehnte sich zurück und rieb sich die Hände. „In der Tat, eine Ehre“, murmelte er und bemerkte zuerst nicht, dass M’Banga den Thronsaal betrat. Erst als der Großadmiral wieder für einen Augenblick vor dem schillernden Fusionskristall stehen blieb, nahm ihn Godworth wahr.
„Sie bringen mir gute Nachrichten, Großadmiral?“
„Ich fürchte nicht, Euer Majestät. Admiral Frey scheint endgültig von unserem Kurs abzuweichen. Er hat vor den versammelten Offizieren der Flotte die Entscheidung, Trilar zu vernichten, in Frage gestellt.“
„Ist das so? Ich glaube, unser Agent an Bord der Prometheus sollte sich um dieses Problem kümmern.“
M’Banga zögerte. „Euer Majestät, Frey ist ein fähiger Offizier. Vielleicht sollten wir...“
Godworth fuhr scharf dazwischen: „Admiral Frey ist ein Verräter. Er stellt meine Anweisungen in Frage. Ich kann es mir nicht leisten, einen zögernden Moralisten in meiner Flotte zu haben, schon gar nicht in der Funktion eines Flottenkommandanten. Haben wir uns verstanden, Großadmiral?“
M’Banga verbeugte sich. „Natürlich, Euer Hoheit.“ Er wandte sich zum Gehen.
„Einen Augenblick, Großadmiral.“ M’Banga hielt inne. „Übermitteln Sie der Zweiten Flotte neue Befehle. Ich möchte, dass alle Schiffe, bis auf die Casino und die Arobar, sofort in Richtung des Moyo-Systems aufbrechen. Die anderen beiden Schiffe bleiben zurück, um eventuelle Racheversuche der überlebenden Trilarianer im Keim zu ersticken.“
M’Banga stutzte. „Das Moyo-System... Ich verstehe.“ Er verbeugte sich noch einmal und ging.
Im Schatten hinter Godworths Thron blitzten zwei rote Lichtpunkte auf. Eine kaum hörbare Stimme sagte: „Ein großartiger Plan, Majestät.“

Frey saß hinter seinem Schreibtisch und betrachtete eine etwa dreißig Zentimeter lange, bronzene Röhre, die auf ein Gestell montiert war: Ein Modell des Stellar-Konverters. Als man ihm die Waffe zuerst beschrieben hatte, war er begeistert gewesen. Dieser gewaltige Teilchenbeschleuniger bündelte die Kraft einer ganzen Sonne auf einen Punkt von der Größe einer Stadt. Nicht einmal alle Schiffe der Flotte zusammen hätten solch eine Feuerkraft, hatte man Frey gesagt. Um einen dem Konverter ähnlichen Effekt zu erzielen, hätte man zehntausende Neutronenbomben auf Trilar werfen müssen.
Jetzt wünschte der Admiral, dieses Monster wäre niemals erfunden worden. Natürlich, zur Abwehr antaranischer Angriffe könnte eine Waffe dieser Größenordnung gute Dienste leisten. Doch wenn sie in falsche Hände geriet... Und die Hände Godworth III. waren falsch, Frey wusste das.
Ein kleiner Kasten auf dem Schreibtisch des Admirals begann zu piepsen. Frey drückte einen Knopf und eine ellbogengroße Holographie Großadmiral M’Bangas erschien auf dem Kästchen. „An alle Kommandanten der Zweiten Flotte. Alle Schiffe der Zweiten Flotte, mit Ausnahme der Casino und der Arobar, werden sofort zur Moyo-Kolonie beordert. Die Casino und die Arobar erhalten ihre Anweisungen zu einem späteren Zeitpunkt. M’Banga Ende.“
Frey zog seine Uniform zurecht und schaltete den Projektor auf Aufnahme. „Admiral Frey an alle Kommandanten. Sie haben die Befehle gehört. Wir brechen in zwei Stunden auf, bereiten Sie ihre Schiffe auf den Sprung vor.“ Er schaltete das Kästchen ab und sank in seinem Sessel zurück.
Das Moyo-System...
Jemand betätigte den Türsummer zu Freys Büro. Er bat den Gast herein.
Commander Parton betrat den Raum. „Haben Sie es schon gehört?“
„Den Marschbefehl? Ich habe die Flotte...“
Parton unterbrach ihren Kommandanten: „Von einem Marschbefehl weiß ich nichts. Ich meine die Nachricht von dem Nichtangriffspakt mit den Sakkra. Es kam gerade auf GNN.“
Frey starrte sie an. „Ein Nichtangriffspakt? Mit den... Was wissen Sie über das Moyo-System, Commander?“
Parton war überrascht, sagte aber, dass das am Rand des terranischen Raumsektors gelegene Moyo-System das einzig bekannte stabile Wurmloch der Galaxis enthalte, von Moyo nach Pollux.
Frey fragte weiter. „Wo liegt Pollux?“
„Am anderen Ende der Milchstraße, warum fragen Sie?“
Frey stand auf. „Pollux gehört zum Territorium der Psilonen!“
„Was hat das mit dem Nichtangriffspakt zu tun?“
Der Admiral erzählte von Großadmiral M’Bangas Nachricht.
Parton sah ihn entsetzt an.
Frey nickte. „Das haben sie vor.“

Der Agent an Bord der Prometheus saß in seinem abgedunkelten Quartier und lauschte den eindeutigen Anweisungen des Imperators. Admiral Frey war zum Problem geworden, zur Gefahr für den Erfolgskurs des terranischen Imperiums. Er musste beseitigt werden.
Der Agent erhob sich und griff nach seiner Waffe, einer winzigen Plasmapistole, die kaum größer war als seine Hand. Er verbarg die Waffe in seinem Ärmel. Das kleine Gerät hatte gerade genug Energie für einen Schuß, danach löste es sich in seine Bestandteile auf und zerfiel zu Staub. Diese Pistole wurde nur an Angehörige des Geheimdienstes verteilt, offiziell existierte sie überhaupt nicht. Das perfekte Werkzeug für ein Attentat.

Frey deutete von seinem Sessel aus auf eine Karte der Galaxis, die ein Holoprojektor auf seinem Schreibtisch erzeugte. „Es ist nur zu offensichtlich. Hier...“, sein Finger fuhr über die Tischplatte zum Rand der Galaxie, „...ist Pollux. Und vierzig Parsec entfernt in Richtung des galaktischen Kerns befindet sich Psilon.“
Parton blickte abwechselnd die Karte und ihren Admiral an. „Die Sakkra sind durch den Pakt aus dem Weg, aber warum ausgerechnet die Psilonen? Wir sind schon lange mit ihnen befreundet, haben sogar ein Austauschprogramm für Wissenschaftler...“
Der Admiral erhob sich. „Sie werden zu mächtig. Wir sind die einzige Rasse, die den Stellarkonverter besitzt. Noch. Wenn die Psilonen dieses Monster erst einmal entwickeln, wäre ein Krieg Selbstmord.“
In diesem Augenblick betätigte jemand den Türsummer. Frey ließ die Karte mit einem Knopfdruck verschwinden und bat dann herein.
Es war Doktor Wang. Er sah den Admiral und öffnete den Mund. Dann fiel sein Blick auf Commander Parton und er schloß ihn wieder.
„Was gibt es, Doktor?“ fragte Frey und ging auf den Arzt zu.
Wang blickte sich um zur Tür. „Ja, eigentlich, ich wollte... Sie sind gerade in einer Besprechung, ich komme später wieder.“
Der Chinese war nervös, Frey brauchte ihm nur in die Augen zu sehen, um das zu bemerken. „Gibt es in Problem, Doktor?“
„Ein Problem? Ich weiß nicht, was Sie...“ Wang begann am Ärmel seiner Uniform zu zupfen und trat einen Schritt zurück. „Ich...“
Parton und Frey wechselten einen Blick.
„Was haben Sie da in Ihrer Hand, Doc?“ wollte Parton wissen.
„Nichts ich...“ Plötzlich stolperte Wang nach hinten und fiel zu Boden.
Eine handtellergroße Plasmapistole rutschte direkt vor Freys Füße. Der Admiral hob sie auf und drehte sie in seinen Händen. „Was ist das?“
Wang sah sich panisch zur Tür um.
Der Admiral wiederholte seine Frage.
„Ein... Injektor!“ Wang rappelte sich auf. „An Bord ist eine... Lungenkrebs-Epidemie ausgebrochen. Ich muss Sie impfen.“
Frey deutete mit der Pistole auf Wang, blickte dann zu Parton und lächelte. „Ach ja, ein Injektor...“
Der Stiefel Doktor Wangs traf ihn in die Magengrube. Der Admiral stöhnte laut und torkelte zurück, die Pistole fiel unter den Schreibtisch. Sofort versuchte Wang, sie zu erreichen.
Parton sprang ihn an, doch der Arzt wehrte sie ab und schlug ihr mit der flachen Hand ins Gesicht. Die junge Frau brach bewusstlos zusammen. Wang warf sich auf den Boden und fischte mit einer Hand unter dem Schreibtisch.
Admiral Frey krümmte sich vor Schmerzen. „Wang, was...“
Der Doktor sprang wieder auf. In der Hand hielt er die Pistole. „Verdammt, Frey, warum machen Sie es mir so schwer?“ brüllte er.
Die Augen des Admirals verengten sich zu Schlitzen. „Was wollen Sie damit erreichen, Wang?“ keuchte er. Was bringt Ihnen mein Tod? Geld? Macht?“
„Sie gefährden die Zukunft der Erde, Frey, merken Sie das nicht? Wir müssen Imperator Godwo...“
Frey begann zu schreien: „Sie glauben diese billige Propaganda? Ich hatte Sie immer für intelligent gehalten, Wang!“
„Sie haben keine Ahnung, Frey! Wir sind dazu bestimmt, diese Galaxis zu beherrschen! Die Menschheit hat in fünftausend Jahren erreicht, was andere Rassen...“
„Was? Mein Gott, Wang! Sie rechtfertigen hier milliardenfachen Mord! Trilar war erst der Anfang eines neuen, galaktischen Holocaust! Wie kann ein vernünftiger...“
„Mir reicht es jetzt!“ Wang schoß.

Der Sakkra-Botschafter trat vor seinen Kaiser und kniete nieder, was der großen Echse nicht gerade leicht fiel. „Godworth hat Eure Zustimmung erfreut zur Kenntnis genommen. Gerade berichten unsere Spione, dass sich die Zweite Erdflotte mitsamt ihres Stellarkonverter-Schiffs auf den Weg nach Moyo gemacht hat. Ihr hattet recht, Euer Hoheit.“
Kaiser Draken lachte, es klang, als reibe man zwei Steine aneinander. „Die Menschen sind so durchschaubar...“
Neben dem Thron des Kaisers stand ein eiserner Käfig, darin saß ein Mann. Draken blickte ihn an. „Nicht einmal ihre Agenten sind fähig, sich unauffällig zu verhalten“, sagte er auf Sakkra und lachte wieder. „Seht Ihr, Spion? In nicht einmal sechsunddreißig Stunden wird die Erde Psilon den Krieg erklären.“ Ja, die Allianz mit den Darlok hatte sich als äußerst lukrativ erwiesen, was Geheimdienstinformationen anbelangte.
Der Agent antwortete nicht.
„Und dann werden unsere gesamten Streitkräfte in den terranischen Sektor eindringen. Während die Menschen versuchen, gegen die Psilonen zu bestehen, werden wir eine Grenzwelt nach der anderen überrennen. Bald werden vom glorreichen Imperium nur noch rauchende Ruinen übrig sein.“
Draken machte ein kurze Pause, als ein Diener ihm einen dampfenden Becher heißen Bieres brachte.
Dann wandte er sich wieder an den Agenten: „Aber leider... werdet ihr diesen Augenblick nicht mehr erleben.“ Kaum hatte der Kaiser zu Ende gesprochen, öffnete sich im Käfig des Spions eine Bodenluke und der Mann fiel schreiend in die Tiefe. Die Luke schloß sich.
„Nun, bereitet mein Flaggschiff vor. Ich möchte den Triumph vor Ort erleben.“ Draken erhob sich aus seinem Thron und schüttelte den Kopf. „Das ist fast zu einfach.“

Imperator Godworth schüttelte den Kopf. „Es ist fast zu einfach.“ Er stand an einem runden Tisch, um den die Mitglieder seines militärischen Rates versammelt waren, unter ihnen auch Großadmiral M’Banga. Auf der Oberfläche des Tischs drehten sich die Spiralarme der Milchstraße, eingefärbt in den Farben der überlebenden Imperien: Weiß für die Menschen, grün für die Psilonen, violett für die Sakkra, rot für die Darlok und gelb für die Reste des trilarianischen Reiches.
Godworth sagte: „Wenn Pollux zerstört ist, wird die Flotte bald in Psilon sein. Dann wird es vielleicht noch ein, zwei Tage dauern, bis sie sich durch die planetare Verteidigung gekämpft haben.“
Admiral Fedorov, der Kommandant der Ersten Flotte deutete auf einen Bildschirm an der Wand. „Bei allem Respekt, Euer Hoheit, aber neue Geheimdienstberichte zeigen, dass die Psilonen bereits über Hochenergie-Disruptorkanonen und die Pläne zum Bau von gigantischen Waffenplattformen verfügen. Gegen diese Feuerkraft wird der Kampf gegen Trilar wie ein Manöver mit scharfen Waffen aussehen. Ich...“
Godworth schnitt dem Admiral mit einer Geste das Wort ab. „Wenn Sie so freundlich wären, Admiral Park.“
Ein großer Koreaner beugte sich nach vorne. „Mit Vergnügen, Euer Majestät.“
Auf dem Wandbildschirm erschien ein neues Bild: Einige Spinnenförmige Raumstationen, im Hintergrund ein blauer Planet: Die Werften von Numinos Zwei. Zwischen den metallenen Beinen jeder Spinne ruhte ein Schiff, fünf waren es insgesamt.
„Das“, rief Park, „sind die Callisto, die Mekka, die Tarsus, die Tuareg und die Caliban. All diese Kreuzer wurden in den letzten Monaten umgebaut, um den neuen Stellar-Konverter aufzunehmen, genau wie die Prometheus... Genügend Feuerkraft, Admiral?“
Fedorov war sprachlos.

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