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#moo3planet

Die Nebelmaschine (Seite 12)

Interview IV

„Verstehen Sie jetzt, wieso es mir so wichtig war, Sie zu treffen?!“
„Voll und ganz Mr. da Varga.“
Ich hatte den Eindruck, dass Donnel erschüttert war. Nein, mehr noch: Ich sah seine Wut. Ich weiß nicht, ob es gut ist, wütend zu sein, aber er hatte wenigstens das Herz am rechten Fleck. Ich hatte ihn wohl überzeugen können... .
„...dann werden Sie also die Geschichte veröffentlichen?!“
Er drehte den Kopf zu mir und nach einer Weile gab er mir eine Antwort.
„Ja ... das werde ich. Selbstverständlich.“
Er sah mich beinahe dankbar an - mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich hatte nun alles in meiner Macht stehende getan. Ich beugte mich zu David vor und sah ihm tief in die Augen.
„Sie sind am Zug David. Machen Sie das Beste aus der Situation ... wenn nicht für mich, dann wenigstens für Ihren eigenen Seelenfrieden ... oder für all die Menschen, die sterben werden, wenn Hood nicht aufgehalten werden kann!“
Nach einer kurzen Pause fügte ich hinzu.
„Tun Sie es auch für die Imsaeis! Sie verdienen es nicht, wieder einmal das Opfer menschlicher Ignoranz zu werden!“
Er nickte mir kurz zu und stand dann zügig auf, um aufzubrechen. Ich hoffte inständig, dass er seinen Job gut machen würde.
Ich blieb noch einige Minuten im SteelerInn und beobachtete die Leute, die überall Partys feierten – sie waren völlig ahnungslos. Es tat mir so leid.
Als ich meinen Drink ausgetrunken hatte, atmete ich tief durch und zwang mich zum Aufstehen. Ich verließ das SteelerInn und machte mich auf den Weg zu meinem Sliper. Es war spät geworden und ich wollte möglichst schnell zur Mystery Diver aufbrechen – die Uhr tickte.

Nebelmaschine

Es ging dann alles sehr schnell. David Donnel tat alles, was er konnte, um die Leute zu informieren: Die Informationsgilde sorgte dafür, dass meine Geschichte innerhalb weniger Tage die Menschen erreichte. Jedem Einzelnen war die Wahrheit offenbart worden – die ganze nackte Wahrheit. Für einen Moment glaubte ich, dass wir in der Lage sein würden, das Ruder herumzureißen. Wir hackten uns sogar in das Computersystem des Kommunikationsnetzwerkes ein und verbreiteten Einzelheiten über die Imsaeis, um den Menschen so die Augen zu öffnen. Aber unser Erfolgszug sollte nicht lange andauern. Als er bemerkt hatte, dass wir im Begriff waren, die Meinung der Leute zu ändern, nutzte Hood seine ganze Macht aus, um unsere Kampagne zu stoppen. Nicht nur, dass die öffentliche Verbreitung der Geschichte verboten wurde – hinzu kam, dass Hood vor dem Volk eine leidenschaftliche Rede hielt, in der er den Menschen einhämmerte, dass die Imsaeis böse seien und unbedingt vernichtet werden müssten und das alle, die nicht bereit waren, diese Politik zu unterstützen, Kollaborateure sein müssten, die nur die Absicht hätten, der menschlichen Rasse zu schaden. Wir waren gegen Hoods Propagandamaschine ohnmächtig. Wir hatten getan, was wir konnten, aber die Menschen hörten nicht mehr auf uns und akzeptierten alles, was von Hood verbreitet wurde, als die unerschütterliche, reine Wahrheit. Ich habe versagt. Es tut mir leid.

Es ist nun soweit. In wenigen Minuten wird die Barriere des Nebels dahinschwinden – wir sind bereit zu fliehen. Hoods Rakete ist schon vor Tagen im Generator eingeschlagen. Es dauert aber eine gewisse Zeit, bis die Schwerkraft gänzlich verschwunden ist. Bald schon wird der Nebel implodieren und dann wird alles zu Ende sein – das Leid genauso wie das Leben.
Ich weiß nicht, welche Lehre ich aus unserem Misserfolg ziehen soll... . Anscheinend hatte ich zu viel Vertrauen in die Vernunft der Menschen gesetzt. Menschen sind nicht vernünftig. Wenn sie in einer Gemeinschaft zusammenkommen, ist es ganz offensichtlich einfach, ihr Gewissen zu manipulieren.
Ich trage nun ein Geschenk in mir. Es ist ein Geschenk für die Menschen - für jeden Einzelnen von ihnen. Meine Erfahrungen sind mein Geschenk. Denn wenn sie dieses Geschenk annehmen, dann werden sie verstehen. Und wenn sie verstehen, dann können wir vielleicht verhindern, dass so ein Unglück noch einmal geschieht. Wenn ich die Gelegenheit dazu bekomme, dann werde ich ihnen dieses Geschenk anbieten – genauso wie ich es meinen Kindern anbieten werde. Ich werde ihnen sagen: Ich warne euch! Hütet euch! Hütet euch vor eurer eigenen Unwissenheit! Sie verschleiert alles ... sie ist wie eine Nebelmaschine.

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