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Die Nebelmaschine (Seite 11)
Interview III
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„Begreifen Sie jetzt, wieso die Expedition so schnell wieder vorbei war?“
David Donnel war zunächst skeptisch gewesen. Für eine Weile hatte er wohl geglaubt, dass meine Geschichte völlig frei erfunden war. Dummerweise hatte ich keine Beweise zur Hand, um meine Behauptungen zu untermauern. Ich musste mich einfach darauf verlassen, dass ich ihm glaubwürdig genug erschien – wenn er sich entschlossen hätte, mir nicht glauben zu wollen, hätte ich nichts dagegen tun können.
Ich bin mir aber fast sicher, dass er mir nur wegen Jessica so bereitwillig geglaubt hat. Die beiden kannten sich schon sehr lange – jedenfalls lange genug, um einander auch unter schwierigen Bedingungen vertrauen zu können. Er stellte meine Geschichte nicht in Frage – genauso wie Jessica nicht in Frage stellte, ob er uns helfen würde oder nicht. Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, wenn ich in seiner Lage gewesen wäre. Als ich versuchte, mir darüber ein Bild zu machen, bemerkte ich zu meiner Überraschung, dass ich Jessica bis in die Hölle begleitet hätte, wenn die Bitte von ihr geäußert worden wäre. Wann genau hatte ich eigentlich meine Selbstständigkeit verloren? Nein, ich hatte meine Selbständigkeit niemals verloren: Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass ich mich einfach auf sie verlassen konnte ... sie fühlte anscheinend genauso – ansonsten hätte sie darauf bestanden, selber das Interview zu geben. Also hatte sich nicht nur an mir etwas geändert – wir hatten gemeinsam eine Verwandlung durchgemacht. Ich war aber noch nicht bereit, dies offen zuzugeben. Meine Gedankengänge wurden unterbrochen, als David schließlich zu einer Antwort ansetzte.
„Ja, ich habe verstanden – ich hoffe Sie nehmen mir es nicht übel, dass ich für einen Moment Zweifel an Ihrer Aufrichtigkeit gehabt habe, Mr. da Varga.“
„Schon vergessen.“
Er bestellte sich noch einen Drink und ich nutzte die Zeit, um für einen Moment zu entspannen. David wirkte wieder einmal nachdenklich. Ich beschloss ihm dieses Mal zuvor zu kommen.
„Was passt ihnen dieses mal nicht?“
Er lächelte ob meiner Unverblümtheit.
„Ihre Geschichte ist sensationell, Mr. da Varga! Wie kann es nur sein, dass nie jemand von ihrer Expedition erfahren hat?“
Nun waren wir also endlich bis zum Kern meiner Geschichte vorgedrungen. Endlich. Ich löste meine entspannte Haltung auf, beugte mich zu ihm nach vorne und antwortete ihm.
„Weil sie versucht haben, es zu vertuschen!“
Wahrheit
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Wir hatten uns den menschlichen Siedlungen auf beinahe sieben AE genähert. Es würde nicht mehr lange dauern und wir würden Iron Heart erreichen.
In den Korridoren nahe den Siedlungen war ein Sender-/Empfänger – Netzwerk installiert worden: In regelmäßigen Abständen waren in den Korridoren Transmitter versteckt, die es den Schiffen in diesem Gebiet ermöglichten, mit den Heimatbasen in Verbindung zu bleiben. Dabei wurden die Transmissionen selbstverständlich verschlüsselt. Wir wollten nicht, dass die Imsaeis die elektromagnetischen Wellen bemerken und Sender und Empfänger anpeilen konnten. Sie registrierten nicht, dass die Menschen ständig miteinander in Kontakt standen.
Als wir in die Reichweite des Kommunikationsnetzwerkes gekommen waren, übertrugen wir sofort unsere Logbücher an das taktische Kommandozentrum. In der Frühzeit der Raumfahrt waren diese Aufzeichnungen noch von Menschen gemacht worden – inzwischen überließ man es den KIs, den Missionsverlauf zu protokollieren.
Das Kommando wusste also von uns. Es würde nur noch eine Frage der Zeit sein, bis man auf uns reagieren würde. Wir erwarteten, dass innerhalb der nächsten Stunden ein Kommunique bei uns eintreffen würde. Zu unserer Verwunderung schwiegen die Sensoren – keiner unserer Detektoren empfing einen Dechiffrierungsschlüssel mit dem es uns möglich gewesen wäre, das Hintergrundrauschen zu analysieren. Wir sendeten erneut unsere Logs und baten diesmal ausdrücklich um eine Empfangsbestätigung. Stille.
„Wieso antworten sie uns nicht? Ich verstehe das nicht Lucy!“
„Ich auch nicht Jessy. Sie haben wahrscheinlich gute Gründe dafür – welche das auch immer sein mögen.“
Wir glaubten alle fest daran. Warum auch nicht? Als wir uns den Siedlungen auf fünf AE genähert hatten, wurde uns mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als uns eigentlich lieb war... .
„Lucius, sofort auf die Brücke!“
Ben hatte gerade Wache auf der Brücke gehalten, als wir eine Nachricht empfangen hatten. Sie kam aber nicht vom Kommandozentrum oder von der Flugleitstelle, sondern von zwei Lancern, die in einer Entfernung von knapp zwei AE Stellung bezogen hatten und beinahe den Eindruck erweckten, als wollten sie uns den Weg versperren. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte ich vorsichtig werden müssen, denn diese Vorgehensweise war sehr seltsam.
„Sie fordern uns auf, unsere Geschwindigkeit und unseren Kurs anzupassen und ihnen bedingungslos zu folgen.“
„Folgen? Wohin?“
„Das haben sie nicht gesagt.“
Verwirrt nahm ich selber einen Kopfhörer und aktivierte das Komm. – System.
„Hier ist die UTF Mystery Diver. Bitte identifizieren sie sich und informieren sie uns über ihren Auftrag.“
Die Antwort kam mit einer Verzögerung von über 30 Minuten herein.
„UTF Mystery Diver hier ist die UTF Ulysses. Wir fordern sie auf, ihre Geschwindigkeit und ihren Kurs anzupassen und uns bedingungslos zu folgen. Wir möchten sie darauf hinweisen, dass wir autorisiert sind, alle Maßnahmen zu ergreifen, die notwendig sind, um unsere Befehlsgewalt durchzusetzen.“
Was verdammt noch mal ging hier vor? Wollte man sich hier einen schlechten Scherz erlauben? Mir blieb schließlich nichts anderes übrig, als dem Befehl Folge zu leisten. Ich wollte lieber nicht austesten, wie gut ihre Raketensilos gefüllt waren.
„UTF Ulysses, hier ist die UTF Mystery Diver. Wir bestätigen die Ausführung ihres Befehles. Bremstriebwerke haben gezündet. Wir werden uns ihrem Kurs und ihrer Geschwindigkeit anpassen.“
Wir folgten ihnen schließlich in einem kurzen Abstand. Unser Zielort war uns immer noch unbekannt. Weil es mir nicht passte, den weiteren Verlauf der Mission nicht zu kennen, probierte ich etwas aus.
„KI.“
„Ja, Sir.“
„Könntest du auf Basis unseres Kurses und unserer Geschwindigkeit unser Flugziel ermitteln?“
„Ja Sir, das könnte ich – selbstverständlich mit einer gewissen Restungenauigkeit.“
Besser als nichts, dachte ich.
„Berechne unser Flugziel.“
„Ja, Sir.“
Nach einigen Minuten hatte die KI die Berechnung abgeschlossen.
„Sir, ich denke, wir steuern mit einer Wahrscheinlichkeit von ungefähr 95% die Militärbasis Omega an.“
Militärbasis?! Bei unserer Expedition hatte es sich niemals um eine militärische Operation gehandelt! Jedenfalls dachte ich das. Diese neue Information erfüllte uns alle mit Unbehagen. Wieso diese Geheimniskrämerei? Und warum eine gottverdammte Militärbasis? Irgendetwas schien hier ganz schief zu laufen ... ich fragte mich, wer wohl dafür verantwortlich war.
Ich hätte es wissen müssen. Natürlich hatte Hood dahinter gesteckt. Wer auch sonst!
„Sir, bei allem nötigen Respekt! Wir unterstehen nicht dem Militär! Eine Nachrichtensperre ist wirklich nicht notwendig!“
Hood hatte sich vor mir regelrecht aufgebaut. Ich fragte mich, ob er sich wohl daran erinnern würde, dass er inzwischen Senator war und nicht mehr den Rang eines Admirals bekleidete.
„Ich entscheide, was notwendig ist, Mr. da Varga! Außerdem handelt es sich nur um eine zeitweilige Nachrichtensperre. Aber für den Moment müssen wir sicher gehen, dass keine Daten über ihre Mission Omega verlassen können!“
„Und warum bitte? Warum eine Nachrichtensperre?“
„Es steht Ihnen nicht zu, Fragen zu stellen.“
Ich versuchte meine Wut zu zügeln – es würde mir nicht weiterhelfen, wenn ich überreagierte.
„Und was nun – Sir?“
„Sie werden uns in den nächsten Tagen detailliert berichten, was Sie auf ihrer Expedition in Erfahrung gebracht haben. Jeder Einzelne von Ihnen! Ich freue mich sehr, Mr. Gué einige Fragen zu stellen – ihren Angaben zu Folge hat er mehr Erfahrung mit dieser fremden Technologie als irgendjemand sonst ... und mehr Wissen über ... den Feind.“
Mir hätte auffallen müssen, dass er die Gaswesen immer noch als Feinde bezeichnete.
„Sie heißen Imsaeis ... Sir.“
Meine Worte waren von Wut unterlegt. Ich blickte Hood tief in die Augen. Was ich dort sehen konnte, gefiel mir nicht.
Schließlich antwortete er mir.
„Imsaeis. Sicher doch, Mr. da Varga. Wir sehen uns dann morgen. Guten Tag.“
Am nächsten Tag begann unsere Befragungen. Sie fand streng getrennt statt! Können Sie sich das vorstellen? Vertraute man uns etwa nicht? Die Befragung wurde ausschließlich von Militärs geleitet. Manchmal war aber auch Hood anwesend – dann wurde die Luft verdammt dünn.
„Mr. da Varga, Sie haben ausgesagt, dass sich eine Möglichkeit ergab, mit den Nebeldämonen in Kontakt zu treten. Richtig?“
„Ja. Sie kommunizieren mit Hilfe von Oszillation.“
„Und das war kurz nachdem Sie ihren Dreadnought zerstört hatten?“
„Ja, richtig.“
„Mr. da Varga ... Sie wollen uns weismachen, dass Sie mit den limitierten Waffensystemen der Mystery Diver einen feindlichen Dreadnought bezwingen konnten?“
Für meine Antwort setzte ich ein breites Grinsen auf.
„Freuen Sie sich etwa nicht mich wiederzusehen?“
Dummerweise verstand man auf Omega überhaupt keinen Spaß. Unsere Befragungen nahmen kein Ende. Schließlich dämmerte mir, dass man uns systematisch verhörte. Es wurde immer offensichtlicher, dass man uns suggerieren wollte, wir hätten die Menschen verraten und seien zu den Imsaeis übergelaufen.
„Ich habe Ihnen doch schon hundert Mal gesagt, dass Ben es geschafft hat, mit ihnen in Kontakt zu treten! Was wollen Sie denn noch hören?“
„Finden Sie das nicht seltsam Mr. da Varga?“
„Wissen Sie, es gibt ganz andere Dinge, über die ich mich wundere.“
„Mr. da Varga, passt Ihnen vielleicht irgend etwas nicht? Wollen Sie vielleicht irgendeine Beschwerde einreichen?“
Ich überlegte für einen Moment, ob ich es riskieren konnte, die Militärs offen anzuklagen. Schließlich entschloss ich mich, meine Antwort gemäßigt zu formulieren.
„Es wundert mich nur, dass Sie, obwohl wir Ihnen ALLE notwendigen Daten gegeben haben, immer noch keine Versuche unternommen haben, mit den Imsaeis in Kontakt zu treten!“
„Mr. da Varga, alles zu seiner Zeit. Gehen wir doch jetzt noch einmal gemeinsam diesen Logbucheintrag durch, ja?“
Wir waren Gefangene. Es gab keine andere Erklärung. Offenbar glaubte man, dass wir zum Feind übergelaufen waren. Die Anschuldigungen wurden immer deutlicher.
„Mr. da Varga! Sie wollen doch wohl nicht allen Ernstes behaupten, dass die Dämonen Osziallation verwenden!”
„Sie müssen mir nicht glauben. Sehen Sie einfach die Sensorlogs ein.“
Der Mann, der das Verhör führte, beugte sich zu mir vor und sah mich drohend an.
„Sensorlogs kann man fälschen, Mr. da Varga. Haben Sie nicht eingehende Erfahrungen auf dem Gebiet der Quanteninformatik gemacht?“
Ich hatte mal ein Buch darüber gelesen. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass das mein Publikum nicht zufrieden stellen würde.
Mr. O’Connell wurde schließlich rehabilitiert – so wurde es natürlich nicht genannt. Er war ein feiner Kerl. Ich hoffte, er würde uns irgendwie helfen können.
Eine Woche später hatte sich nichts an unserer Lage geändert. Der psychologische Druck war enorm. Mir war klar, dass man versuchte, uns klein zu kriegen. Wenigstens waren wir nicht eingesperrt – wir konnten uns zwischen den Verhören frei bewegen. Das gab uns die Möglichkeit, einander zu treffen. Unsere gemeinsamen Gespräche stärkten uns. Wir wussten, dass wir abgehört wurden – es störte uns nicht. Schließlich hatten wir nichts zu verbergen – obwohl das Militär natürlich etwas anderes glauben wollte.
Eines Tages, als ich gerade von einem „Gespräch“ mit „Scarface“ ( das war mein Lieblings – Verhörführer ) zurückkam, ereignete sich etwas Besonderes. Mitten auf dem Gang lief mir zufällig Hood über den Weg... .
„Mr. da Varga. Wie ich hörte hatten sie heute eine ausgiebige Unterhaltung mit Captain Miller. Ich hoffe, ihr Gespräch verlief erfolgreich?!“
„Ungemein.“
„Sehr schön.“
Er drehte sich gerade von mir weg und wollte gehen, als ich seinen Arm ergriff.
Er blickte mich entrüstet an – zunächst. Dann beruhigte er sich wieder und baute sich vor mir auf.
„Mr. da Varga. Kann ich noch etwas für Sie tun?”
Ich sah mich um, damit ich sicher sein konnte, dass auch wirklich niemand in der Nähe war. Dann trat ich näher an Hood heran und sagte zu ihm:
„Können wir mal offen reden?!“
Diesmal zog er nicht seine Sarkasmus – Show ab. Ihm war klar geworden, dass ich ihn schon lange durchschaut hatte. Er wartete einen Moment, bevor er noch näher an mich herantrat und sich unsere eiskalten Blicke trafen.
„Na schön Mr. da Varga. Sprechen Sie, wenn Sie wollen.“
Ich überlegte mir genau, was ich ihm sagen würde – ich würde diese einmalige Chance nutzen.
„Ich weiß genau, was hier gespielt wird...“
Solange wir redeten, wandte keiner seinen Blick vom anderen ab.
„... . Sie haben überhaupt nicht die Absicht, die Nachrichtensperre aufzuheben, nicht wahr?“
„Wieso sollten wir auch?“
„Sie wollen alles vertuschen! Tja, wieso sollten sie die Sperre aufheben. Lassen sie mich mal überlegen... – vielleicht um die Welt zu retten? Mr. Hood, Sie konnten vielleicht ihre dämlichen Freunde beim Militär davon überzeugen, dass wir Kollaborateure sind ... aber Sie wissen doch genau, dass wir Ihnen die Wahrheit über die Imsaeis gesagt haben.“
„Und was ändert das?“
„Welche Ziele verfolgen Sie eigentlich? Haben Sie kein Interesse daran, den Krieg zu beenden?“
„Oh doch, Mr. da Varga, oh doch! Aber ich werde bestimmt nicht zulassen, dass diese Ungeheuer zum Schluss auch noch eine Entschuldigung von uns entgegennehmen dürfen! Ich will das sie vernichtet werden! Jeder Einzelne von ihnen!“
„Sie tun mir leid, wissen Sie das? Sie verstehen überhaupt nichts... . Nur zu dumm, dass wegen Ihrer Ignoranz Menschen sterben müssen. Wollen Sie nicht einsehen, dass Sie den falschen Weg beschritten haben?“
„Ich beschreite den Weg von Ruhm und Ehre....!“
„Ja! Und während Sie das tun, gehen Sie über Leichen!“
Er wartete einen Moment, bevor er mir antwortete.
„Sie werden noch sehen Mr. da Varga! Sie werden sehen, wie die menschliche Rasse unter meiner Führung zu einem glorreichen Sieg geführt werden wird! Es gibt nichts, was uns aufhalten kann! Nicht mehr!“
Er lachte. Mir lief es eiskalt den Rücken herunter. Was meinte er damit? Er lachte immer lauter und verschwand wieder in der Dunkelheit aus der er gekommen war. Noch minutenlang stand ich dort. Obwohl Hood schon lange weg war, konnte ich immer noch sein Lachen hören... .
Am nächsten Tag saßen wir alle zusammen in der Kantine – hier hielten wir uns meistens zwischen unseren Verhören auf. Wir hatten bis jetzt durchgehalten. Ich hatte mir Sorgen gemacht, dass Jessica dem Druck nicht standhalten würde, aber sie hatte sich als ausgesprochen widerstandsfähig erwiesen. Unsere Gemeinschaft war das Einzige, was uns noch geblieben war... .
Wir waren alle völlig fassungslos, als William in den Raum hineinstürzte.
„Will? Was machst du hier?“
„Lucius! Jessica, ... Jim, ... Ben! Wir haben nicht viel Zeit! Los, ich erkläre euch alles unterwegs!“
Wir sahen einander an.
„Los auf! Hopp, hopp, hopp!“
William brüllte uns die Einzelheiten zu, während wir durch die Gänge rannten. Er hatte es irgendwie fertig gebracht, die meisten Kontrollsysteme der Station lahm zulegen. Wir rannten zur Docking – Anlage, um die Mystery Diver zu erreichen, die dort immer noch an die Basis angekoppelt war.
„Es wird nicht lange dauern, bis sie unsere Flucht bemerken! Ich musste schnell handeln! Mir blieb keine andere Wahl! Wir haben keine Zeit mehr... .“
„Wieso haben wir keine Zeit mehr?“
„Sie haben eine Rakete gebaut!“
„Was, ich verstehe nicht Will?“
„Sie haben eine gottverdammte Rakete gebaut! Eine riesige Rakete! Sie hat ein Tarnsystem und erreicht 20% Lichtgeschwindigkeit!“
Das klang unglaublich ... ich ahnte, wo sie sie her hatten. Das Stichwort lautete Phalanx... .
„Die sind verrückt geworden! Hood hat ihnen glaubhaft gemacht, dass das Zentrum des Nebels das Hauptquartier der Imsaeis ist! Sie haben die verdammte Rakete auf das Zentrum abgefeuert! Lucius, der Gravitationsgenerator! Der Gravitationsgenerator!“
Ein Schock durchfuhr plötzlich meinen Körper. Hood hatte sich anscheinend für ganz besonders schlau gehalten und beschlossen, dass es sich bei dem Gravitationsgenerator in Wirklichkeit nur um eine Imsaeis – Hochburg handelte. Wahrscheinlich war er so besessen von der Idee, diesen Krieg zu gewinnen, dass er den Verstand verloren hatte. Verdammt, er wusste doch, dass wir ihm die Wahrheit gesagt hatten! Wieso tat er das nur?
Wir stürmten zur Andockschleuse. Die Kommandozentrale der Basis hatte Truppen losgeschickt, um uns mit allen Mitteln zu stoppen. Gerade als wir durch die Luftschleuse rannten, eröffneten die Sturmtruppen das Feuer. In letzter Sekunde konnten wir die Eingänge der Mystery Diver absichern.
Ich war verzweifelt, was sollten wir nun bloß tun? Während wir versuchten, die Brücke zu erreichen, fuhr Jim im Maschinenraum sämtliche Systeme hoch. Zum Glück waren keine Besatzungstruppen mehr an Bord gewesen, als wir geflohen waren. Wir mussten schnell hier verschwinden. Ich brüllte dem Schiff meine Befehle zu ... ich hoffte, dass es mich hören konnte.
„KI! Bist du noch da?“
„Aber natürlich, Sir. Ich freue mich sie wiederzusehen.“
„Ich mich auch, glaub mir. Starte sofort die Korrekturtriebwerke, versuch uns hier wegzubringen!“
„Jawohl, Sir.“
Als wir die Brücke erreichten, aktivierte ich sofort das Kommunikationssystem.
„Jim!“
„Ja Lucius?“
„Ist genug Wasserstoff in den Starttanks, um ein Antriebsfeld aufzubauen?“
„Das Schiff ist voll einsatzfähig, Lucius! Wir können starten!“
„Ich möchte, dass du das Ramfeld schon jetzt hochfährst. Aber nur langsam!“
„Was hast du vor?“
„Ich will ihre Systeme überladen – aber vorsichtig – ich will niemanden umbringen.“
Jim tat, was ich ihm gesagt hatte. Die Mystery Diver war plötzlich von einem Magnetfeld umgeben. Das Ramfeld erreichte noch nicht einmal 1% der Maximalstärke, aber es reichte, um die meisten technischen Systeme der Basis auf der Stelle lahm zu legen. Wir würden entkommen! Als das Schiff das Raumdock verlassen hatte und korrekt ausgerichtet war, aktivierte Jim den Fusionsantrieb. Wir waren nun auf der Flucht... .
Williams Hiobsbotschaft hatte uns alle völlig unerwartet getroffen. Die Dinge waren noch nie zuvor so ernst gewesen: Diese Rakete verfügte über genug Sprengkraft, um den Generator stark zu beschädigen. Ben klärte uns über die Konsequenzen auf.
„Der Nebel wird wahrscheinlich zerstört werden! Ich denke, sie werden es niemals schaffen, den Generator zu zerstören. Genau das ist das Problem: Die Schwerefelder werden völlig außer Kontrolle geraten. Ich vermute sogar ... das es zu einer Implosion kommen könnte.“
Eine Implosion! Mit anderen Worten: Der Nebel würde zu einem schwarzen Loch zusammenstürzen. Konnte das denn wirklich die Möglichkeit sein? Sollte dieser Nebel, der schon seit Jahrtausenden Bestand hatte, hier und jetzt ein Ende nehmen? Das konnte nicht sein! Das durfte nicht sein! Die Imsaeis würden getötet werden! Das verdienten sie nicht. All die Geheimnisse, die im Nebel verborgen waren, all das Wissen würde durch die menschliche Ignoranz mit einem Schlag vernichtet werden. So durften die Dinge nicht enden! Nicht so!
Wir hatten den Antrieb auf volle Geschwindigkeit hochgefahren. Wir versuchten uns in den Korridoren zu verstecken. So schnell würden sie uns nicht finden. Außerdem mussten sie ihre Aktivitäten weiterhin geheim halten, wenn sie nicht riskieren wollten, dass ihre Verschwörung aufflog – sie konnten nicht einfach den Befehl erteilen, die Mystery Diver zu jagen und zu vernichten – nicht während das Sensorennetzwerk der menschlichen Siedlungen Daten über die Umgebung sammelte, in der sich die Mystery Diver befand.
Wir hatten keine andere Wahl. Wir mussten irgendetwas unternehmen! Das Überleben der Menschen und Imsaeis würde von unseren nächsten Entscheidungen abhängen.
„Was sollen wir jetzt machen?“
Jessica meldete sich zuerst.
„Es gibt vielleicht eine Möglichkeit, Hood aufzuhalten. Was ist, wenn wir ihre Nachrichtensperre durchbrechen können? Hoods Plan funktioniert nur, wenn die Öffentlichkeit nichts von alledem erfährt!“
Das war eine Überlegung wert. Sie fügte noch hinzu...
„Wisst ihr, ich habe gute Beziehungen zu einem ranghohen Mitglied der Informationsgilde – er ist ein guter Mann. Ich denke, er könnte uns helfen, die breite Öffentlichkeit zu informieren.“
„Falls wir allerdings nicht in der Lage sein sollten, Hood aufzuhalten“, sagte ich, „muss uns klar sein, dass wir nichts tun können, um zu verhindern, dass die Nebelmaschine zerstört wird. In diesem Fall ... könnten wir wenigstens versuchen uns selber zu retten.“
„Wie stellst du dir das vor?“
„Mit der Zerstörung des Gravitationsgenerators würde auch die Barriere verschwinden, die den Nebel umgibt ... kurz bevor der Nebel implodiert. Wir hätten eine Chance die Barriere zu durchbrechen und der Implosion zu entkommen, wenn wir im richtigen Zeitfenster den richtigen Kurs einschlagen und auf die richtige Geschwindigkeit beschleunigen würden.“
Wir würden uns in Kälteschlaf versetzen müssen, um die Reise durch das interstellare Medium zu überstehen. Eigentlich hatten wir keine Chance. Ich hoffte, dass wir auf diese Weise irgendwie den von Menschen besiedelten Raum erreichen würden – aber das würde vermutlich Jahrhunderte dauern!
Schließlich verständigten wir uns darauf, dass Jim und Ben mit der Umrüstung der Mystery Diver beginnen würden – wir hatten knapp zwei Wochen Zeit bevor ihre Rakete den Gravitationsgenerator erreichte. Jessica würde ihren Bekannten auf ein Gespräch einladen und ihn bitten, die Story zu veröffentlichen.
„Jessica, ich werde mit der Informationsgilde reden.“
„Was? Wieso?“
„Das hier ist MEIN Job. Den Stein hat schließlich erst meine Expedition ins Rollen gebracht.“
Sie blickte mich ohne Verständnis an.
„Machst du dich etwa dafür verantwortlich?“
Ich gab ihr darauf keine Antwort.
„Geh’ und ruf diesen David an. Sag ihm... sag ihm, ich werde ihn auf Iron Heart empfangen. Den Treffpunkt kann er sich selber aussuchen.“
Wir wussten nun alle, was wir zu tun hatten. Ich nahm mir eines der Landungsboote und als wir dicht an Iron Heart vorbeiflogen, löste ich die Andockklammern und startete das Triebwerk.
Ich war mir nicht sicher, ob ich das Richtige tun würde. Ich war nicht sicher, ob ich wirklich versuchen sollte, aus dem Nebel zu fliehen – vielleicht hätte ich lieber dem Tod ins Auge sehen sollen. Aber was redete ich da! Noch war nicht alles verloren! Aber ich verstand einfach nicht, wie das Militär Hood so blind folgen konnte. Ich fragte mich, ob der Rest der Bevölkerung wohl genauso reagieren würde. Diese Frage verunsicherte mich zutiefst... . Ob ich das wollte oder nicht, ich suchte verzweifelt nach Antworten. Aber es war niemand da um mir welche zu geben.
Jim, Ben und Jessica machten die Mystery Diver nun für einen möglichen Fluchtversuch fit. Und ich... tja, ich erwartete nun gespannt mein Meeting mit Mr. Donnel.
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