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Die Nebelmaschine (Seite 6)
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„Annäherungsalarm der Klasse A!“
Die KI spuckte die Interpretation der Sensordaten mit rasender Geschwindigkeit aus.
„Ich habe eine anomale Gravitationsinterferenz in Richtung ( 0,0,0 ) entdeckt.“
Das Sensorlog benutzte das Zentrum des Nebels als Koordinatenursprung. Da wir uns genau auf das Zentrum zubewegten, musste die KI aus den Sensordaten herausgelesen haben, dass sich genau in Flugrichtung eine ungewöhnliche Gravitationsfluktuation formiert hatte. Jessica drehte sich zu mir um.
„Was bedeutet das Lucius?“
Ich warf einen genaueren Blick auf die Daten.
„Die KI hat eine Gravitationsinterferenz in der Abschirmung des Korridors entdeckt. Das weißt auf die Anwesenheit einer starken Graviton – Strahlungsquelle hin.“
„Ich verstehe nicht... .“
„Jessica, die Nebeldämonen benutzen Schwerefelder um ihre Reaktionsantriebe zu unterstützen – das Feld könnte von einem ihrer Schiffe stammen, das sich dann genau auf einem Abfangkurs befinden würde. Jetzt sei mal bitte einen Moment still, ich muss schauen, ob die Wellennatur der Interferenz gut mit den Störungen übereinstimmt, die normalerweise von Dämonenschiffen hervorgerufen werden.“
Ich sah die Daten durch und als ich mir mein Urteil gemacht hatte, holte ich eine zweite Meinung ein.
„KI – bitte vergleiche die Interferenzdaten mit Datenbankindex 12411 ... gib mir eine Wahrscheinlichkeit.“
„Das wird einen Moment dauern, Sir. Es sind umfangreiche stochastische Berechnungen notwendig, bevor ein Ergebnis formuliert werden kann.“
„Lass dir ruhig Zeit.“
Für einen Moment herrschte Stille. Ich erwartete gespannt das Ergebnis. Auf einmal stürzte O’Connell auf die Brücke.
„Was zum Teufel ist hier los?“
„Die KI hat den Annäherungsalarm ausgelöst - möglicherweise handelt es sich um einen Feindkontakt.“
„Ok – ich verstehe.“
Er schwang sich auf meine rechte Seite und übernahm die Kontrolle der taktischen Systeme. Endlich meldete sich die KI wieder zu Wort.
„Sir, ich habe die Auswertung der Daten abgeschlossen. Wahrscheinlichkeit eines künstlichen Ursprungs 0,908.“
Ich fluchte in mich hinein, zwang mich dann aber zur Ruhe und aktivierte das interne Kommunikationssystem der Mystery Diver.
„Jim, kannst du mich hören? Hier ist Lucius.“
Nach kurzer Zeit meldete sich Jim aus dem Maschinenraum zurück.
„Ja, ich kann dich hören. Was ist denn da unten bei euch los?“
„Jim, wir haben es mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90% mit einem Dreadnought zu tun.“
Nachdem ich nun also unser Todesurteil verkündet hatte, wurde Jessica unruhig – William erst recht, aber er vermochte es besser als jeder andere, seine Angst zu verbergen. Es dauerte einen Moment bis Jim sich wieder meldete. Wahrscheinlich hatte er erst mal schlucken müssen.
„Haben sie unsere Annäherung schon entdeckt?“
„Nein, ich denke nicht – aber es wird nicht mehr lange dauern bis sie unser elektromagnetisches Feuerwerk aus ihren Sensordaten herauslesen können. Es macht keinen Sinn Verstecken zu spielen, Jim – die Sensoranomalie befindet sich genau in Flugrichtung.“
„Wie weit sind sie noch entfernt?“
“Moment Will ... die Daten sind etwas ungenau – ich werde eine Sensorsonde näher heranschicken. Aber ich denke es ist irgendwas zwischen 1 und 1,3 AE. Wenn ich mir das hier so anschaue, bin ich mir fast sicher, dass sie sich wesentlich schneller bewegen als wir – mindestens 3% Lichtgeschwindigkeit. KI – bitte verifiziere das.“
„Ja Sir.“
„Wie ist das nur möglich? 3% Lichtgeschwindigkeit? Ich dachte, wenn wir schneller als 1% fliegen, würden wir aus dem Korridor rausfliegen.“
„Sie scheinen mit ihren Schwerefeldern die Trägheit besser unter Kontrolle zu haben – wahrscheinlich halten sie sich so in der Flugbahn.“
„Ich werde jetzt die Waffensysteme scharf machen.“
„Tun sie das.“
Ich bemerkte, dass Jessica sich übergangen fühlte. Ich versuchte bei dem was ich ihr sagen würde verständnisvoll zu wirken... .
„Jessy, ich weiß, dass es dir lieber wäre, wenn wir versuchen würden zu kommunizieren ... aber hier draußen werden wir niemals den Erstkontakt herstellen. Es tut mir leid, aber wir werden die Sache mit der diplomatischen Lösung verschieben müssen.“
Sie atmete einmal tief durch.
„Ja, ich weiß.“
„Wenn wir überhaupt noch mal die Gelegenheit bekommen...“, fügte William hinzu.
„Wir haben das taktische Potential dieses Schiffes noch nie voll erprobt – aber ich befürchte, dass sie uns deutlich überlegen sind.“
„Wir müssen versuchen das Beste aus der Situation zu machen. Vorschläge? Jim, du vielleicht?“
„Lass mir einen Moment Zeit.“
Die Wartezeit wurde durch den Bericht der KI verkürzt.
„Sir, ich habe die Daten verifiziert. Ich stimme zu. Und außerdem glaube ich aus neuen Sensordaten schließen zu können, dass wir spätestens in drei Stunden in Reichweite ihrer Gravitationsstrahler sein werden.“
„Das gibt uns nicht viel Zeit für Vorbereitungen. Will?“
„Das Problem ist, dass ihr Dreadnought noch mit anderen Waffen ausgerüstet ist – ich denke, dass sie unser Schiff in den nächsten Minuten entdecken werden. Wenn das geschieht, werden sie beginnen, Raketen gegen uns zu starten. Es ist uns bekannt, dass diese Dinger eine Spitzengeschwindigkeit von 50% der Lichtgeschwindigkeit erreichen können. Das bedeutet, wenn sie jetzt beginnen, Verteidigungsmaßnahmen gegen uns zu ergreifen, erreichen uns die Projektile in ... KI?“
„In weniger als 15 Minuten Commander.“
Ich dachte einen kurzen Moment angestrengt nach bevor ich das Kommando erteilte.
„Punktverteidigung aktivieren!“
William begann schnell damit, die Fusionskanonen in den Modus rot zu schalten. Die Fusionskanonen zur Punktverteidigung wurden direkt mit der Energie aus dem Fusionsantrieb versorgt. Sie brauchten allerdings einige Zeit, um warm zu laufen. Hätten wir sie augenblicklich auf volle Energie hochgefahren, wäre uns die halbe Energiematrix um die Ohren geflogen. Für gewöhnlich dauerte die Aktivierungssequenz neun Minuten. Ich hoffte, dass die Dämonen uns wirklich erst jeden Moment entdecken würden... wenn sie schon vor zehn Minuten angefangen hatten, ihre Raketen abzufeuern, würden wir nicht mehr rechtzeitig in der Lage sein, Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
„KI.“
„Ja, Sir.“
„... Berechne ... auf Basis einer Wahrscheinlichkeitsverteilung einen möglichst zufälligen Schlingerkurs. Im Moment braucht das Licht von uns zu ihnen noch über acht Minuten. Wenn wir unsere Position ständig stochastisch verändern, können sie ihren Raketen keinen genauen Abfangvektor einprogrammieren ... das dürfte unsere Chancen deutlich vergrößern, nicht wahr?“
„Eine sehr gute Idee, Sir. Ich werde sofort beginnen.“
„Jim, ist dir inzwischen was eingefallen?“
„Lucius, ich denke wir könnten ... .“
Schlagartig wurde er von der KI unterbrochen.
„Sir, ich habe visuelle Bestätigung für drei anfliegende Projektile aus Richtung ( 0,0,0 ). Entfernung ungefähr 6 Millionen Kilometer.“
„Scheiße! Wie weit sind die Fusionskanonen?“
„Wir brauchen noch 4 Minuten!“
„KI. Wie lange bis zum Aufschlag?“
„Eine Minute, 10 Sekunden, Sir. Es handelt sich um thermonukleare Sprengköpfe.“
Mir rutschte das Herz in die Hose. Die Mystery Diver würde die Detonation einer Wasserstoffbombe unmöglich überstehen können.
„Aufschlag in 55 Sekunden, Sir.“
„Lucy!“
„Jim?!“
„Gib mir die Flugkontrolle!“
„Was? Wieso?“
„Schalt mir die verdammte Flugkontrolle frei!“
„Jessica!“
„Schon geschehen!“
Ich hoffte inständig, dass er eine gute Idee hatte.
„Aufschlag in 45 Sekunden, Sir. Soll ich eine Sonde mit den Missionsdaten nach Iron Heart starten, Sir?“
Ich gab der KI natürlich keine Antwort – erinnern Sie mich daran, dass ich bei der nächsten Gelegenheit meinem Computer eine Lektion über das nötige Feingefühl im Umgang mit menschlichen Individuen erteile.
„Jim!“
„Ich hab’s gleich!“
„Aufschlag in 35 Sekunden, Sir. Soll ich eine Sonde mit ...“
„Schnauze!“
In diesem Moment zündeten auf einer Seite sämtliche Korrekturtriebwerke der Mystery Diver und das Schiff begann schlagartig sich um seine eigene Achse zu drehen... und der heiße, sich vor Gewalt windende Plasma – Abgasstrahl schlug aus wie eine Peitsche aus Höllenfeuer ... und schwang weiter und weiter und weiter...
„Aufschlag in 10 Sekunden, Sir. Soll ich eine Sonde mit den Missionsdaten nach ...“
...und verschlang in letzter Sekunde die anfliegenden Projektile, worauf ihre atomisierten Überreste am Schiff vorbeischlitterten.
Bis das Schiff wieder normal ausgerichtet war und auch noch lange danach wagte es keiner auch nur einen einzigen Ton von sich zu geben. Wir hatten gerade alle dem Tod ins Auge gesehen. Schließlich ballte ich meine Faust, nahm all meine Kraft zusammen und sagte mit einem Hochgefühl der Freude.
„Gut gemacht Jim.“
Die Punktverteidigung feuerte. Die Fusionskanonen bildeten einen effektiven Raketenschild. William hämmerte regelrecht auf die Eingabekonsole ein, um ständig neue Salven von Merkulitraketen gegen den Dreadnought zu starten. In kaum mehr als einer Stunde würden wir in die Reichweite ihrer Gravitationsstrahlen kommen ... und uns gingen langsam die taktischen Optionen aus.
„Bericht.“
Die KI meldete sich.
„Sir, ich orte weitere Raketensalven, die auf unsere Position zuströmen. Aus den Sensordaten unserer Sonden kann ich schließen, dass die erste Welle Merkulitraketen effektiv von ihrer Punktverteidigung eliminiert worden ist.“
„Verdammt!“
„Ganz ruhig Will. Wir müssen die Nerven behalten, sonst haben wir schon verloren. Hm... irgendwelche Vorschläge?“
„Lucy... .“
„Ja Jessy?“
„Wieso machen wir mit ihnen nicht das Gleiche, was wir auch mit ihren Raketen gemacht haben?“
„Das wollte ich vorhin auch schon vorschlagen, Lucius. Ich denke nur ... sie verfügen anscheinend über so eine Art magnetischen Schutzschild. Der Partikelwind unseres Antriebes ist stark ionisiert – wahrscheinlich werden sie keine Probleme haben, die meisten Partikel abzulenken.“
„Das stimmt Jim ... aber ich denke, dass es trotzdem einen Versuch wert ist. KI, richte unseren Abgasstrahl direkt auf den Dreadnought aus.“
„Ja, Sir.“
„Wie schnell sind diese Partikel Jim?“
„99,999% Lichtgeschwindigkeit.“
„Fein. Das heißt, sie erreichen den Dreadnought in ... weniger als drei Minuten.“
„Das ist korrekt, Sir.“
„Dann werden wir auch augenblicklich erfahren, ob wir mit dem Antrieb etwas bewirken können.“
Das Schiff rollte sich wieder herum und verharrte für einen Moment in der rückwärtigen Stellung.
„Gibt es schon Ergebnisse?“
„Die Daten kommen gerade rein, Sir.“
Es dauerte einige Sekunden, bis die KI wieder reagierte.
„Die Sensordaten lassen vermuten, dass ungefähr 99,5% der Partikel von ihren Schilden abgelenkt worden sind.“
„Soviel dazu. Wahrscheinlich haben wir nur ein bisschen Farbe von ihrer Hülle abgekratzt.“
Langsam wurde die Situation problematisch. Jessica meldete sich wieder zu Wort.
„Warum benutzen wir nicht unseren Laser?“
„Der Laser ist eine Nahkampfwaffe. Aus dieser Entfernung ist er unwirksam.“
„Das verstehe ich nicht.“
„Sie mal, es ist ausgesprochen schwierig einen Partikelstrahl über so große Entfernungen hin zu fokussieren. Wenn die Photonen bei dem Dreadnought ankommen, ist der Laserstrahl bereits so weit aufgefächert, dass wir noch nicht einmal einen Kratzer in ihre Hülle schießen können.“
„Aus dem gleichen Grund sind wir im Moment noch vor ihren Gravitationsstrahlen in Sicherheit.“, warf Will ein.
„Im Prinzip ist ihr Gravitationsstrahl nämlich nichts anderes als ein Laser – nur das sie kein Licht abstrahlen, sondern Gravitation.“
„Ich verstehe.“
„Sir, die neuen Sensordaten kommen herein. Die zweite Welle von Merkulitraketen ist effektiv von ihrem Raketenschild abgewehrt worden.“
Plötzlich hörten wir wieder die dumpfen Schläge der Fusionskanonen, die im Halbsekundentakt Feuerstöße auf herannahende Raketen abgaben, um uns vor der Vernichtung zu bewahren.
Ich grübelte und grübelte und schließlich beschloss ich, unsere letzte Chance wahrzunehmen.
„Mr. O’Connell.“
„Sir.“
„.... Machen sie die Massenkatapulte klar.“
„Aye Sir.“
Eine halbe Stunde später brach die Hölle los. Sie hatten es aufgegeben, Raketen gegen uns zu starten, aber O’Connell feuerte weiter – ohne Erfolg. Allerdings waren wir in die Reichweite ihrer Massenkatapulte gekommen – so wie sie in die der unsrigen. Es war nervenzerreißend. Massenkatapulte beschleunigen mit Hilfe von Magnetfeldern Massen von einigen Gramm auf annähernd Lichtgeschwindigkeit – es waren perfektionierte Projektilwaffen. Dutzende Massenkatapulte feuerten mehrere hundert Schüsse pro Sekunde ab. Es war unmöglich dem Projektilfeuer gänzlich auszuweichen. Wir trafen sie und sie trafen uns. Beinahe im Sekundentakt schlugen Projektile in unsere Hülle ein und durchlöcherten sie regelrecht. Jeder Aufschlag wurde begleitet von einem dumpfen Hall, der das ganze Schiff erschütterte. Es war grässlich. Jeden Moment hätte eines ihrer Projektile ein kritisches System treffen können – das hätte nicht das Ende bedeutet – aber es hätte die Dinge mit Sicherheit nicht besser gemacht. Ich hoffte, dass es dem Dreadnought im Moment auch nicht besser erging.
Es war eine weitere halbe Stunde vergangen. Die gute Nachricht war, dass wir noch lebten ... allerdings befanden wir uns nun in der Reichweite ihrer Gravitationsstrahler. Die KI versuchte nach bestem Wissen Ausweichmanöver auszuführen.
„Lucius, sie feuern wieder!“
Die Gravitonen rauschten nur knapp 100 Meter am Schiff vorbei.
„Glück gehabt. William.“
„Ja Sir?“
„Halten Sie das Massenkatapult – Feuer aufrecht – versuchen Sie ihre Waffen zu treffen.“
„Aye Sir.“
„Wann kommen sie in die Reichweite unseres Lasers?“
„In neun Minuten.“
„Bis dahin ist es zu spät!“
Ich wollte gerade ein Kommando an die KI weitergeben, als sich der Dreadnought erneut zum Feuern bereit machte. Der Gravitationsstrahl, der sich mit Lichtgeschwindigkeit durch den Raum ausbreitete, erreichte in weniger als einer Minute die Mystery Diver und ... traf!
Das Schiff wurde stark erschüttert und ich wurde trotz der Gurte beinahe aus dem Sitz gerissen. Nachdem sich alle wieder gesammelt hatten, brüllte ich der KI mein Kommando zu.
„Bericht!“
„Sir, der Gravitationsstrahl hat unser seitliches Detektorengitter zerstört – ein glatter Durchschuss durch das Sensorennetzwerk.“
„Jim, ich würde sagen deine Hüllentechnik funktioniert!“
„Erinnere mich daran das ich ein Patent anmelde.“
„Abschottungsmechanismus hat reagiert. Sektoren 5 – 7, Ebene 3 sind abgeschottet worden.“
„Sehr gut. KI, versuche weiterhin ...“
„Lucius!“
William schrie auf.
„Lucius! Wir haben sie getroffen!“
Es war ein Glückstreffer gewesen. Eine unserer Merkulitraketen musste eine Schwachstelle in ihrem Raketenabwehrschild passiert und auf diese Weise das Schiff getroffen haben.
„Wie schwer sind sie beschädigt?“
Wir erwarteten alle gespannt die Meldung der KI.
„Es tut mir leid Sir. Nur leichte Beschädigung. Wir scheinen einen Teil ihres Hauptantriebssystems getroffen zu haben – einer von drei Regulatoren, die anscheinend die Funktion haben, den Antriebsschub zu steuern, scheint beschädigt worden zu sein. Das Schiff hat deutlich an Beschleunigung verloren – ansonsten sind aber keine Schäden erkennbar.“
Es viel niemandem leicht, die Enttäuschung zu verbergen. Auch ich war deprimiert. Es war nicht zu erwarten, dass wir noch mal so einen Treffer landen würden. Während wir noch die Köpfe schüttelten, meldete sich die KI zu Wort.
„Sir, neuer Abschuss.“
Der Gravitationsstrahl zerfetzte unseren halben Raketenabwehrschild.
„Will! Wären wir noch in der Lage effektiv ihre Raketen abzuwehren?“
Er studierte genau die Anzeigen, bevor er den Kopf hob, um mir eine Antwort zu geben.
„Nein“
Schock.
„... ,Sir.“
Es war nun vielleicht eine Frage von 2 – 3 Minuten. So lange brauchten sie, um ihre Abschussrampen wieder feuerbereit zu machen.
Ich dachte es wäre aus. Dann, als ich beinahe alle Hoffnung aufgegeben hatte, sah ich es. Fassungslosigkeit.
„KI!“
„Ja, Sir.“
„Verifiziere: Hat die Beschädigung ihres Antriebsregulators die Interferenz mit der Korridorabschirmung verstärkt?!“
Nach einigen Sekunden meldete sich der Computer.
„Ja, Sir. Die Interferenz hat um 20% an Stärke zugenommen.“
Das war es! Die anderen schienen noch nicht zu verstehen.
„KI!“
„Ja, Sir.“
„Ist das da vorne eine Abzweigung in einen anderen Korridor?“
„Bestätigt.“
„Zünde die Korrekturtriebwerke! Flieg’ uns da rein! Schnell!“
„Jawohl, Sir.“
Jessica sah mich ungläubig an.
„Lucius, was soll das? Wir können ihnen auf diese Weise nicht entkommen. Auch wenn wir jetzt in den anderen Korridor fliegen, werden wir noch mehrere Minuten lang in der Reichweite ihrer Waffen sein. Das reicht nicht.“
„Warte es ab. Wir werden jetzt ihren Hauptantrieb zerstören.“
Jessica und William blickten sich gegenseitig ungläubig an. Will erhob die Stimme.
„Sir, selbst wenn uns das möglich wäre – was soll uns das bringen? Dann verlieren sie an Beschleunigung – na und? Sie sind jetzt schon auf 3,1% Lichtgeschwindigkeit – wir werden ihnen niemals davonfliegen können. Das wird ihnen keine Probleme machen.“
Mein Gesicht verzog sich zu einem schadenfrohen Grinsen.
„Die werden gleich ganz andere Probleme bekommen.“
Ehrlich gesagt wusste ich nicht, ob mein Plan funktionieren würde. Aber gab es Alternativen?
„KI!“
„Ja, Sir.“
„Wie viel Abstand ist zwischen dem Dreadnought und der nächstgelegenen Sensorsonde?“
„7504 Kilometer, Sir.“
„Gut. Ich möchte, dass du einen Kollisionskurs programmierst. Ramm die Sonde mit voller Geschwindigkeit direkt in einen dieser ...“
Genussvoll ließ ich meinen Blick von Jessica zu William schweifen...
„GRAVITATIONS .... Regulatoren!“
„Sehr gerne Sir.“
Jim meldete sich über den Komm. - Kanal.
„Lucius.“
„Ja Jim?“
„Du bist ein Genie.“
„Danke Jim.“
Ich glaube Jessica und William hatten es immer noch nicht verstanden, aber das machte nichts - jedenfalls würden sie gleich live eine hübsche Explosion zu sehen bekommen.
Es ging dann alles sehr schnell. Die Mystery Diver schwang in den anderen Kanal ein und die Sensorsonde krachte in ihren Regulator. Der Antrieb der Sonde brannte nicht annähernd so heiß wie der einer Rakete – ihre Punktverteidigung reagierte nicht. Der Regulator wurde in Stücke gerissen. Diese Regulatoren hatten – wie ich erkannt hatte - die Aufgabe, das Schwerefeld, das von ihrem Hauptantrieb erzeugt wurde, korrekt auszurichten – schließlich macht ein solches Antriebsfeld nur dann Sinn, wenn vor dem Schiff der Raum zusammengedrückt und hinten wieder ausgedehnt wird. Obwohl sie keinen reinen Gravitationsantrieb verwendeten, waren die Schwerefelder, die ihr Schiff umgaben, erstaunlich stark. Die simple Frage, die ich mir gestellt hatte, war: Was würde wohl passieren, wenn dieses Feld außer Kontrolle geraten würde? Im freien Weltraum: Überhaupt nichts. Aber inmitten eines Korridors des Dämonennebels! ... Gott sei ihrer Seele gnädig.
Als ihr Antriebsfeld nicht mehr reguliert wurde, schlug es willkürlich in den Raum hinaus und begann, die Korridorabschirmung völlig zu neutralisieren. Stellen sie sich vor, wie die Antigravitationsabschirmung des Korridors plötzlich vom starken, positiven Gravitationsfeld des Dreadnoughts überlagert wurde! Die Kräfte hoben sich gegenseitig auf! Als die Abschirmung versagte, strömte das Gas des den Korridor umgebenen Mediums genau in ihre Flugbahn. Wissen Sie, wie es ist, bei über 3% Lichtgeschwindigkeit auf massive Materievorkommen zu treffen? Haben Sie eine Vorstellung davon, welche kinetischen Energie hier am Werke sind? Ich bin Physiker und ich habe nicht wirklich eine Vorstellung davon! Es war mir auch völlig egal. Ich erfreute mich einfach nur an dem wunderschönen Lichtblitz, der mit allen Regenbogenfarben meine visuellen Nerven stimulierte. Wir hatten überlebt und der Dreadnought war nicht mehr.
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