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Die Nebelmaschine (Seite 5)
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Ich klopfte zweimal und als niemand öffnete, trat ich einfach ein. Im ganzen Raum lagen Sachen verstreut – es herrschte ein furchtbares Chaos.
„Hallo? Jemand zu Hause?“
Ich schaute um die Ecke einer Wand in den anderen Teil des Zimmers, als ich plötzlich hinter mir eine Stimme hörte.
„Wer stört da meine Ruhe?“
„Hey, wo hast du dich versteckt?“
„Ich hab’ bloß noch einige Souvenirs eingekauft – du weißt schon – Erinnerungsstücke.“
„Du gehst?“
„Klar gehe ich, was soll ich denn noch hier?“
Jessica hatte es eilig. Wahrscheinlich wollte sie so schnell wie möglich von den Ereignissen der letzten Wochen Abstand gewinnen ... sie war eine stolze Frau und die Konferenz hatte Narben bei ihr hinterlassen – weniger weil ihr Vorschlag abgelehnt worden war, sondern wegen der Art und Weise wie das geschehen war.
„Ich wäre natürlich nicht gegangen, ohne mich von dir zu verabschieden.“
Ich liebte es, wenn sie mich so anlächelte.
„Jessica, ich möchte nicht das du gehst.“
„Hm?“
„Weißt du, du bist eine hervorragende Xenobiologin und du verfügst ganz offensichtlich über das notwendige diplomatische Feingefühl im Umgang mit den Nebeldämonen. Und außerdem ... könnte ich mir vorstellen, dass wir ein gutes Team abgeben würden.“
„Lucius, wovon redest du überhaupt?“
„Weißt du, ich hätte da so einen Job für dich.“
Während ich das sagte, setzte ich das Lächeln auf, das man eben aufsetzt, kurz bevor man eine Bombe platzen lässt.
„Einen Job?“
Sie schien wirklich nicht zu kapieren, worauf ich hinauswollte.
„Jessica, auf der Mystery Diver ist noch ein Platz frei ... na ja, eigentlich habe ich noch zusätzlich einen eingerichtet. Du meinst nicht, dass du ihn vielleicht noch belegen könntest?!“
Ihr Blick verwandelte sich nach einiger Zeit der Fassungslosigkeit zunächst in ungläubiges Staunen, schlug aber dann sehr schnell in einen Freudentanz über bevor sie auf mich losstürzte, um mich in die Arme zu schließen. Erst JETZT war meine Crew vollständig.
Interview II
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Ich nippte an meinem Drink während ich beobachtete, wie ständig neue Leute das Lokal betraten oder wieder verließen. Im Moment war das SteelerInn gut besucht. Ich warf einen Blick durch die Kuppel, die den Habitatkomplex überspannte und versuchte mit den Augen die kleinen Flammen zu verfolgen, die dort draußen hin- und hertanzten, um dann schließlich im Schimmer des Nebels unterzugehen. Die Flammen gehörten den Ionenstrahlen von nahe vorbeifliegenden Shuttles oder waren das Fusionsfeuer, das heiß in den Antrieben von Lancern brannte, die ein Bremsmanöver ausführten, um in das Raumdock Iron Hearts einzufliegen. Ich liebte den Anblick. Es war, als gebe es nichts, das sie vom Tanzen hätte abhalten können ... aber das schien nur so, denn ich wusste, dass das alles bald ein Ende nehmen würde, wenn der Plan nicht funktionierte.
David Donnel war ein guter Zuhörer. Er hatte während der ganzen Zeit nicht ein einziges Mal einen gelangweilten Eindruck gemacht. Ich bezweifelte allerdings, dass der Grund dafür bei meinen Erzählkünsten zu suchen war – aber vielleicht war ihm ja auch einfach klar geworden, dass es von Bedeutung war, ob er mir gut zuhörte oder nicht. Ich weiß nicht, ob ihm zu diesem Zeitpunkt schon bewusst war, welche Bürde er auf sich nahm. Darauf konnte ich aber keine Rücksicht nehmen.
„Ich verstehe. Sie haben Hood also überreden können, Jessica als Mitglied der Expedition zu akzeptieren.“
„Ja, und glauben Sie mir – das war gar nicht so einfach. Sie hatte bei dem Mann wirklich einen tiefen Eindruck hinterlassen.“
Wir mussten beide schmunzeln. Jessica war ein Original – und wir beide wussten das.
„Haben Sie niemals Zweifel gehabt?“
„Zweifel?“
„Ja – Zweifel, ob Sie das Richtige tun. Ich meine, Sie begannen ohne zu zögern eine Reise, die unter Umständen mehrere Jahre hätte andauern können. Ich meine ... 500 AE! Sie sind wahnsinnig!“
„Ja verdammt, haben Sie das erst jetzt gemerkt?“
„Schön Mr. da Varga, aber eine Sache stört mich noch an Ihrer Geschichte... .“
„Was stört Sie denn?“
„Was Sie mir erzählt haben kann unmöglich die Wahrheit sein... . Es passt nicht.“
Vielleicht war Donnel cleverer als ich gedacht hatte. Ich ahnte, dass er den Haken an der Geschichte entdeckt hatte - ... darüber freute ich mich sehr.
„Ich habe ein wenig recherchiert ... die Mystery Diver ist genau vor einem halben Jahr aufgebrochen. Ihr Schiff verfügte über einen klassischen Fusionsantrieb für interplanetare Langstreckenflüge und ihre Höchstgeschwindigkeit betrug ungefähr 1% der Lichtgeschwindigkeit.“
Ich konnte seine Gedanken hören ... „Mr. da Varga! Schach…”
„Ihr Schiff hätte also alleine für die Hinreise zum Zentrum beinahe ein Jahr gebraucht. Die Mystery Diver dürfte erst in einigen Monaten ihr Ziel erreichen! Wie kann es dann sein, dass Sie schon jetzt zurück sind?!“
„... Matt!“ ... soviel dazu. Jetzt war ich an der Reihe, dem Mann mal eine Lektion über die Spielregeln zu erteilen. Ich sah ihn mit einem breiten Grinsen an und sprach meinen nächsten Satz voller Genuss aus.
„DAS ... werden Sie NIEMALS erraten!“
Doppelhelix
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Es blass ein kräftiger Wind – das Schiff setzte sich in Bewegung – es würde den weiten Weg über den Ozean zurücklegen müssen. Ich war an Deck und genoss das Zusammenspiel der Naturkräfte: Das Schaukeln der Wellen, die kräftige Brise und die Wärme der Sonne. Ich schaute auf das Wasser und bemerkte, dass wir von einigen großen Tieren begleitet wurden. Es waren Wale! Ich habe noch niemals so große Tiere gesehen. Als ich da so stand und voller Faszination ihre Bewegungen beobachtete, gesellten sich Ben und Jessica zu mir und wir genossen gemeinsam das Schauspiel. Ben sah mich an und fragte mich: „Kannst du sie hören Lucius?“
„Was meinst du?“
„Hör’ genau hin! Kannst du ihren Gesang hören? Kannst du hören, was sie dir sagen wollen?“
Und ich hörte ihren Gesang. Es war eine kräftige, aber trotzdem zärtliche Komposition der verschiedensten Klänge ... und ich verstand nicht, wie ich es jemals hatte überhören können.
An dieser Stelle wache ich immer auf. Mal ehrlich: Wenn Sie aus einem Traum erwachen, macht das, woran sie sich noch erinnern können, jemals Sinn? Ich vermochte es nicht meine eigenen Träume zu deuten. Aber ich war auch nie daran interessiert gewesen, mir über die Ausgeburten meines Unterbewusstseins Gedanken zu machen. Ich hatte andere Dinge, über die ich mir Sorgen machen konnte, wenn ich wollte.
Ich versuchte auf andere Gedanken zu kommen. Zu diesem Zweck spielte ich entweder eine Runde Schach mit dem Computer, sah die Sensorlogs der letzten Tage noch mal durch oder hielt Wache auf der Brücke der Mystery Diver. Dort hielt ich mich gerne auf – es gab mir das Gefühl, die Fäden in der Hand zu halten. „Die Brücke ist uns wirklich gut gelungen“, dachte ich. Wir hatten uns entschieden, sie an der vorderen Unterseite des Schiffes anzubringen: Sie war eine im Vergleich zu den Proportionen der Mystery Diver verhältnismäßig kleine Halbkugel, die fast vollständig transparent gehalten war: Lediglich der Boden der Konstruktion war massiv, wobei vier dicke, gebogene Masten, die dem Verlauf der Kugel folgten und sie so in vier Teile zerschnitten, die Verbindung zum Schiffsrumpf herstellten, indem sie oben der Struktur des Schiffes entsprangen und unten in der Mitte der Kugel wieder zusammenliefen. Im hinteren, mittleren Bereich der Halbkugel war der Kommandositz so befestigt worden, dass er fast völlig frei in der Luft zu schweben schien. Links und rechts zu seinen Seiten befanden sich, dem rundlichen Verlauf der Brücke folgend, je eine Kontrollstation, die in ähnlicher Weise angebracht waren und die Kontrolle von verschiedenen Schiffsystemen ermöglichten. Die Halbkugel war nach oben völlig geöffnet und ermöglichte so einen direkten Übergang in den Schiffsrumpf. Auf diese Weise konnten wir direkt in die Brücke hinein- oder wieder herausschweben. Hier und da waren vereinzelt Griffe und Leitern angebracht. Wir hatten ein Design entwickelt, das eindeutig für die Schwerelosigkeit optimiert war. Hier unten hatte man das Gefühl, völlig frei im Dämonennebel zu schweben, denn die transparente Titanhülle der Halbkugel gab einen wunderbaren Blick auf die Nebelschwaden frei. Bei inzwischen beinahe 1% Lichtgeschwindigkeit rauschten wir nur so durch den Korridor - mehr Geschwindigkeit war wegen der Trägheit des Schiffes nicht möglich. Auf dem Weg zum Zentrum schossen wir immer schneller in die Tiefe.
Wir – also Jim und ich - hatten uns ein feines Schiff einfallen lassen. Ich erinnere mich an die endlosen Debatten, die ich ständig mit ihm geführt habe: Sie drehten sich immer um die Frage, wie irgendeine Technologie am besten in die Gesamtkonstruktion integriert werden konnte.
„Jim, wir können hier nicht zwei Supraleiter langlegen – die elektromagnetischen Felder stören uns die Ionenfallen des Zentralgehirns.“
Man hatte es sich in der Quanteninformatik angewöhnt, von Schiffscomputern als Zentralgehirnen zu sprechen – unsere heutigen Computer haben nur noch wenig mit Rechenmaschinen gemeinsam, die klassische Informationen zum Singen und Tanzen bringen können, sondern sind vielmehr selbständig denkende KIs, die einem die Arbeit manchmal deutlich erleichtern können. Theoretisch hätte man einer solchen KI voll und ganz die Kontrolle eines Schiffes überlassen können – es fehlte ihnen jedoch deutlich an Kreativität im Umgang mit unerwarteten Krisensituationen. Daher überließ man immer noch Menschen die Entscheidungsgewalt – und es sah nicht so aus, als ob sich das jemals ändern würde.
„Dann benutz’ eben eine dickere Abschirmung!“
„Ich weiß doch genau was du vorhast! Du willst durch jedes dieser scheiß Kabel einen Strom von 50 Petavolt schicken! Jim, das Ding hätte die Charakteristika eines Hauptenergieleiters – es gibt einen Grund warum die Hauptenergieleitung durch einen neun Meter dicken Titanmantel läuft! Sag mir bitte welche Abschirmung ich benutzen soll, um diesen Fluss unter Kontrolle zu halten! Wenn wir uns an die Grenzwerte halten, können wir eine zweite Leitung nicht mal zu 15% ausnutzen – das ist reine Materialverschwendung.“
Jim war zweifellos ein hervorragender Ingenieur aber er wusste eben manchmal nicht ... wann man aufhören muss. Damals hatte er unserem Röntgenlaser zusätzlich „ein bisschen Feuer machen“ wollen. Wir hätten auch schon ohne sein Tuning – Programm mit dem Ding ein Loch in einen Mond schießen können. Es gab einfach keinen Grund, ein Waffensystem, das die Grenzen seiner Kapazität bereits erreicht hatte und sowieso nur für Nahkämpfe geeignet war, mit noch „mehr Power“ zu versorgen. Hatte ich schon erwähnt, dass Jim ein wenig verspielt war? Dagegen brachten mich einige seiner Entwürfe wirklich zum Staunen. Besonders beeindruckend war sein Entwurf für die Hülle des Schiffes.
„Es geht um Schadensbegrenzung Lucius. Wir sind nicht in der Lage, eine wirkungsvolle Verteidigung gegen ihre Gravitationsstrahlen zu entwickeln. Also dachte ich mir, wäre es vielleicht sinnvoll, eine Hülle zu konstruieren, bei der der entstehende Schaden minimiert wird. Hier: Anstatt die Impulse zu absorbieren wird die Hülle dem Druck nachgeben. Das heißt, wenn wir getroffen werden, gibt das einen glatten Durchschuss – aber es zerreißt uns wenigstens nicht gleich das ganze Schiff. In Kombination mit einem schnellen Abschottungsmechanismus können wir unter Umständen einige Treffer verkraften, bevor wir ernstere Probleme bekommen.“
Commander O’Connell bestand auf der Installation weiterer Waffensysteme und so fügten wir noch einige Batterien an Fusionsstrahlern zur Punktverteidigung und eine Abschussvorrichtung für Merkulitraketen zum ursprünglichen Entwurf hinzu. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass es sich nicht um eine Forschungs-, sondern um eine taktische Tiefenraummission handelte. Aber diese Sicherheitsvorkehrungen waren notwendig. So sehr ich mir eine friedliche Lösung auch wünschte – ich durfte nicht die Möglichkeit einer militärischen Auseinandersetzung aus den Augen verlieren – schließlich wollte ich nicht den gleichen Fehler wie Ben machen. Allerdings hatte ich meine Zweifel, ob wir es wirklich mit einem voll ausgerüsteten Dämonenschiff aufnehmen konnten. Ich hoffte, dass es nie nötig sein würde, diese Frage näher zu erörtern.
Das Schmückstück der Mystery Diver war aber ohne Zweifel der Fusionsantrieb! Der Antrieb konnte eine unglaubliche Beschleunigung von neun g ziehen – dabei sollten Sie sich aber gut anschnallen! Das heiße Fusionsfeuer, das im Inneren der Antriebsvorrichtung brannte, wurde vom Wasserstoff gespeist, das am Rand des Korridors entlangströmte – das Ramfeld der Mystery Diver griff gierig nach diesen Nebelschwaden und saugte sie unaufhörlich ins Innere der Reaktionskammer, wo es bei Temperaturen von mehreren 100 Millionen Grad Celsius heißer war als in der Hölle. Der Helium - Abgasstrahl hinterließ eine Spur der Verwüstung: Die Tausende von Kilometern langen Plasmaströme hätten jedes Schiff vaporisiert, das auch nur den Versuch unternommen hätte, sich der Mystery Diver zu nähern. Mal ganz davon abgesehen, dass das magnetische Ramfeld absolut tödlich für jedes Lebewesen war, das über ein zentrales Nervensystem verfügte. Ich fragte mich, ob die Nebeldämonen wohl über ein Organ verfügten, das mit dem menschlichen Gehirn verglichen werden konnte ... wenn ja hätte ich ihnen davon abgeraten, sich dem Schiff auch nur auf einige hundert Kilometer zu nähern.
Wir waren nun schon beinahe zwei Monate unterwegs und folgten einem Korridor, von dem wir glaubten, dass er uns ins Zentrum führen würde, denn soweit uns bekannt war, gab es im Nebel keine Sackgassen. Aber selbst für diesen sehr unwahrscheinlichen Fall waren wir gerüstet: Wir untersuchten die Umgebung nicht nur mit Hilfe von Detektoren, sondern bezogen unsere Informationen in erster Linie aus einem Sensorennetzwerk, das von einer großen Anzahl von Sensorsonden aufrechterhalten wurde. Wann immer wir eine Korridorgabelung oder eine Einmündung passierten, setzten wir einen Transmitter aus, der Daten an das Schiff weiterleitete, die von Sonden gesammelt worden waren, die sich durch angrenzende Korridore bewegten. Einige Sonden flogen dem Schiff in einer Entfernung von über einem AE voraus und dienten uns so als Frühwarnsystem.
So konnten wir mit minimalem Aufwand einen möglichst großen Sensorbereich abdecken und viel über die Topologie des Nebels in Erfahrung bringen.
Alleine wegen diesen Daten hatte sich die Mission bereits gelohnt, denn sie würden es uns ermöglichen, neue Rohstoffquellen zu erschließen. Bedauerlicherweise hatten wir aber bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Artefakte oder irgendeine fremdartige Technologie entdeckt. Das war aber auch nicht weiter verwunderlich: Obwohl wir dem Zentrum näher gekommen waren als irgendjemand sonst, befanden wir uns immer noch in der Außenregion des Nebels.
Gerade als mir wieder langweilig wurde und ich überlegte, wie ich den Tag interessanter gestalten konnte, kam Jessica zu mir hereingeflogen.
„Hey, guten Morgen!“
„Morgen. Stimmt was nicht? Du kommst doch sonst nie auf die Brücke.“
„Ich weiß nicht, die Sensoren haben ein paar ungewöhnliche Strahlungsspitzen aufgespürt. Wahrscheinlich sind sie mal wieder falsch ausgerichtet.“
„Klar.“
Sie schwang sich an eine Konsole und legte einen Haltegurt an, damit sie nicht mehr unkontrolliert in der Luft hin- und hertaumeln musste. Ihre Hände glitten über die Eingabekonsole und gaben der KI die Anweisung, die Sensordaten genauer zu analysieren.
„Jessica...“
„Hm?“
„...ich hatte wieder diesen Traum.“
Sie hielt einen Moment inne.
„Das ist schon das dritte mal in zwei Wochen.“
„Ich weiß auch nicht was mit mir los ist.“
Um mich auf andere Gedanken zu bringen und weil sie es liebte, mich zu einem kleinen Wortgefecht herauszufordern, blickte sie mich provozierend an und sagte: „Na ja, vielleicht bist du ja doch sensibler als wir alle gedacht haben.“
Na gut – das Mädchen wollte einen Krieg – sie sollte ihn bekommen.
„Dafür bist du umso unsensibler. Ich denke das gleicht sich dann im Mittel wieder aus.“
„Was willst du damit sagen? Bin ich dir etwa nicht feminin genug?“
„Na ja, weißt du Jessy...“
„Was?“
„Ich habe gesehen wie du mit dem Fusionsantrieb gespielt hast... .“
Während ich das sagte nahm ich eine völlig entspannte Haltung ein und lehnte mich gemütlich zurück.
„Ich habe nur die Parameter der Fusionsreaktion optimiert, das ist alles.“
„Ja, nur dass das eigentlich Jims Job ist. Komm’ schon, gib es zu:“
Ich beugte mich zu ihr nach vorne.
„Du liebst es ein bisschen aufs Gas zu treten. Ich glaube wir müssen mal deinen Testosteron – Spiegel überprüfen.“
Insgeheim wussten wir, dass diese Wortgefechte einem ganz bestimmten Zweck dienten: Es half uns über die gähnende Langeweile hinweg. Wir hatten die meiste Zeit nichts zu tun. Im Normalzustand konnten sämtliche Schiffsfunktionen von der KI reguliert werden. Nur hier und da kam es zum Ausfall irgendeines Gerätes – dann mussten entweder ich oder Jim in irgendeine Röhre kriechen, um den Schaden zu beheben.
Wenn sie nicht gerade die letzten Aufzeichnungen der Sensoren überprüfte, überwachte Jessica das Wachstum der genmanipulierten Pflanzen und Bakterienkulturen, die wir mitführten. Wir hatten Getreide an Bord, das in Sachen Zellreproduktion alle Rekorde brach, womit annähernd maximale Erträge erreicht werden konnten. Im Prinzip handelte es sich um Organismen, die nur dem Zweck dienten, diverse organische und anorganische Verbindungen in Molekularstrukturen umzuformen, die vom menschlichen Metabolismus weiterverarbeitet werden konnten – das war ein sehr effizienter Bioharvesting - Prozess. Und William – tja, der putzte wahrscheinlich die Bomben ... nein, zum Glück nicht! Der Mann gehörte wirklich nicht zu der Sorte von Militärs. Er nahm seine Aufgabe – für die Sicherheit des Schiffes zu sorgen – ausgesprochen ernst und entwickelte von Zeit zu Zeit taktische Planspiele, mit denen er uns alle auf Trab hielt.
„Kann nicht sein Lucy. Wenn mein Testosteron – Spiegel zu hoch wäre, würde man das merken – schließlich würden mir dann Haare an den unmöglichsten Stellen wachsen.“
Ich wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, die sich gewaschen hatte, als die KI den Alarm auslöste.
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