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Der Fall eines Imperiums (Seite 5)
Kapitel 10 – Krieg und Moral
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2116, Sol-System
Erde
Es waren gerade erst zwei Wochen vergangen als die terranische Flotte ins Sakkra-System aufbrach, als plötzlich Alarmstimmung auf der NSS Yukon eintrat.
Admiral van Heyden wurde mitten aus dem Schlaf gerissen. In aller Eile zog er sich an und rannte daraufhin in die Kommandozentrale. „Was zur Hölle ist denn los Leutnant?“
Der Leutnant salutierte zackig und drückte auf einen Knopf am Radarschirm. Sogleich erschien eine 3D-Projektion des Sol-Systems in der Mitte des Raumes. Erst erschien die Sonne, samt den 9 Planeten und den Monden. Danach glommen viele kleinere Symbole in Grün und Blau auf, stellvertretend für die Flotte und den übrigen Abwehrvorrichtungen. Zu guter Letzt tauchte nah des Neptuns ein großer Haufen gelber und roter Punkte auf die sich langsam der Erde näherten.
„Admiral.. wie es scheint erreicht uns eine Streitmacht der Sakkra, zusammen mit einigen Klackonschiffen.“ Überraschend ruhig klangen die Worte des Leutnants, jedoch verriet seine Mimik, die durchaus berechtigen Sorgen die bei solchen Situation meist aufkamen.
„Sir, wie es aussieht, sind es sogar verdammt viele. Bei dieser Entfernung können wir nur Schätzungen abgeben, aber es dürften knapp 10 Kreuzer der Sakkra und 5 weitere der Klackons sein. Zusätzlich mindestens 50-80 schwere, sowie leichte Fregatten. Des weiteren natürlich Träger mit einer unbekannten Anzahl an Jägern, außerdem..“ Er deutete auf einen großen roten Punkt der etwas weiter hinter der feindlichen Streitmacht lag. „Sir, ich kann nicht genau sagen, um was es sich da handelt. Soviel wir wissen besitzen weder die Sakkra, noch die Klackons Schiffe in der Größenordnung, aber was es auch ist.. es muss verdammt groß sein.“
Fassungslos starrte der Admiral auf das Abbild des Sonnensystems. Andeutungsweise zeigte er auf die feindliche Flotte. „Woher in aller Welt kennen die unsere Koordinaten? Ich muss sofort mit dem Oberkommando sprechen. Fähnrich..“. Noch bevor er fertig sprechen konnte fiel ihm der Leutnant ins Wort. „Sir, Admiral Cherkova dürfte jeden Augenblick hier eintreffen. Zu Admiral Orten besteht momentan kein Funkkontakt.“
„Lukas!“ Ruckartig drehte der Admiral sich um, als er eine ihm wohlbekannte Frauenstimme hinter sich hörte. „Tanja.. kannst du mir sagen was das hier zu bedeuten hat?“
Ohne ihm zu antworten, trat sie erst mal an ihn heran und umarmte ihn kräftig. „Diese ewigen Besprechungen über Bildschirm nerven mich.. freut mich dich wieder mal aus der Nähe zu sehen, wenn auch unter seltsamen Umständen.“ Sie wandte sich der Projektion zu.
„Also.. unsere Radarstation am Saturn hat mir vor erst knapp 5 Minuten genaueres sagen können. Was du hier siehst stimmt halbwegs, aber was das große Objekt da hinten angeht. Hmm.. es kann kein Klackonraumschiff sein, denn die beobachten wir Tag ein Tag aus und sie hätten schon über Nacht eines aus dem Nichts herbeizaubern müssen.. Wir nehmen an, dass es sich um ein Sakkraschiff handelt, wahrscheinlich eine Art mobile Kommandozentrale. Seid Kriegsbeginn wissen wir nicht mehr sehr viel, was bei denen drüben passiert, wir nehmen an, dass es eine Neuentwicklung ist.. aber seien wir uns ganz ehrlich. Es kann noch so groß sein, schon allein die Tatsache, dass ihre Kreuzer noch immer nur über schwere Laser verfügen.. Wir sollten uns wirklich keine grauen Haare wachsen lassen.“ Sie deutete auf die blauen Punkte die zwischen Saturn und Neptun leuchteten.
„Unser Minenfeld.. die Thermosensoren reagieren auf alle herkömmlichen Schiffsantriebe. Solang man den Code nicht kennt um sie zu deaktivieren, erlebt man da sein blaues Wunder, wenn man vorbeifliegt und selbst wenn sie durch kommen.. was ich persönlich ja nicht glaube: Wir haben hier mit Tsungs-Flotte einen schweren Kreuzer, die Argon, sowie einen von der Ohio-Klasse, die Ayada. Zusätzlich noch etwa 10 Fregatten.
Die Alpha-Flotte umfasst 6 Ohio-Kreuzer und zwei vom Typ Omega, gleiche Ausstattung wie die Argon, dazu etwa 50 Fregatten und einige Transportschiffe, mit je 8 Jägerstaffeln. Vom Mars will ich erst gar nicht reden.. der würde das ganze nochmals um etwa die Hälfte aufstocken.“ Sie legte ihm die Hand auf die Schulter. „Also mach dir wegen den paar Besuchern keine Sorgen.“
„Tanja.. ich bin kein junger Fähnrich mehr.. ich kenne die genauen Zahlen unserer Verteidigung, aber trotzdem.. dieses große Schiff macht mir Sorgen und am Mars scheint es schon wieder Verbindungsschwierigkeiten zu geben, Orten meldet sich mal wieder nicht.“
Gebannt lagen seine Augen auf der 3D-Projektion. Bald wäre die gegnerische Flotte in der Nähe des Minenfelds, dann würde man ja sehen wie es weitergeht.
Ruhig blinkten die aktivierten Minen vor sich her. Noch wenige Minuten würde es dauern bis die ersten Schiffe in Reichweite kamen, doch mit einem Male blieb die feindliche Flotte stehen. Eine einzelne leichte Fregatte löste sich aus dem Flottenverband und steuerte auf das Minenfeld zu.
Die erste Mine reagierte. Kleine Steuerdüsen schoben sich aus ihrem Hinterteil und steuerten sie näher an die Fregatte heran. Das Schiff hatte entweder nichts bemerkt, oder es war ihm völlig egal, auf jeden Fall unternahm es nichts um den drohenden Unheil zu entkommen. Kilometer für Kilometer schob sich die Mine an sein „Opfer“ heran und ein gleißender Blitz durchbrach das Dunkel des Alls.
Cherkova hatte alles auf der Projektion verfolgt, aber statt des üblichen selbstsicheren Lächeln blickte sie nun sichtlich geschockt auf das Bild. Die Explosion war um einiges größer als erwartet und hatte knapp 5% des ganzen Minenfelds mit sich gerissen. Wieder löste sich nur ein einziges Schiff, wieder gab es eine übermäßig große Explosion und wieder verschwand ein Teil des Minenfelds. Nachdem das sich sechste Schiff geopfert hatte, setzte sich die restliche Flotte wieder in Bewegung und steuerte durch die dünne Schneise die man sich gesprengt hatte.
„Es scheint, als wüssten sie von unserer Verteidigung.“, stammelte sie leise hervor und der letzte Rest an Selbstsicherheit und das Gefühl der Überlegenheit waren wie weggeblasen.
Admiral van Heyden war klar, dass es nun hieß einen Entschluss zu fassen, denn Zeit blieb ihm nicht mehr viel um zu reagieren. „Leutnant, Admiral Cherkova übernimmt ab sofort das Kommando über die Sternenbasis hier. Ich begebe mich auf die Miranda. Captain Tsung soll mir mit seinem ganzen Verband folgen. Wir werden einen Verteidigungswall nah des Mars errichten und schauen sie, dass sie endlich Admiral Orten rankriegen.. kann ja nicht sein, dass er nicht schon längst bemerkt hat, das hier was nicht stimmt!“
Eiligst verließ er den Raum und begab sich an Bord der Miranda, dem Stolz der Flotte und Flagschiff des Alpha-Verbandes. Zwar war sie ein schwerer Kreuzer der Omega-Klasse, war aber auf dem letzten Stand der Forschung. Neben den vier Plasmakanonen verfügte sie zusätzlich über zwei Protonenkanonen, mit eigener Energieversorgung, was ihr nicht nur ermöglichte alle Sechs gleichzeitig zu feuern, sondern auch, sollten aus irgendwelchen Gründen auch immer die Plasmakanonen überhitzen oder sonstigen Störfall haben, würden die zwei Protonenkanonen immer noch feuern können.
Kaum war der Admiral an Board setzten sich die zwei Verbände auch schon in Bewegung. Noch bevor die feindliche Flotte zur Gänze das Minenfeld passiert hatte, erreichte van Heyden den Mars.
„Noch immer nichts von Orten?“
Er bekam nur ein Kopfschütteln als Antwort. Nachdenklich sah er durch die Scheiben hinaus ins All. Die ganze Marsflotte lag im Raumhafen, rührte sich aber keinen Meter oder gab sonst ein Lebenszeichen von sich.
„Funken sie mir die Cyona an. Egal ob die einen Verbindungsausfall am Mars haben oder sonst was.. eine Verbindung zur Cyona müsste auf jeden Fall zustande kommen.“
Der zuständige Fähnrich nickte knapp und setzte sich sofort mit der Cyona in Verbindung. „Cyona bitte kommen, hier spricht die Miranda. Cyona bitte kommen..“ Jenen Funkspruch wiederholte er einige Mal, versuchte es auch mit anderen Schiffe der Marsflotte, doch nie kam eine Antwort. Grund genug für den Admiral lautstark zu fluchen.
„Nun dann.. meine Herren. Was auch immer auf uns zukommen mag, wir werden aus dieser Schlacht erfolgreich hervorgehen, solange..“ Schlagartig viel ihm wieder jenes riesige Gebilde ein. Inzwischen müsste es nah genug sein, um sich per Schirm ein besseres Bild davon machen zu können. „Fähnrich, zeigen sie mir den großen Brocken, da auf dem Radar. Ich will ein klares Bild davon haben.“
Die Sensoren tasteten sich durch die feindliche Flotte, bis sie auf dem Gebilde haften blieben und Stück für Stück Informationen an den Computer der Miranda sendete, welcher daraus ein 3D-Objekt erstellte und knapp vor den Admiral projizierte.
„Bei allen Göttern, was... was ist das?“. Van Heyden konnte seinen Augen nicht trauen.. was auch immer es war, es war riesig. Die Ausmaße dürften etwa denen von drei schweren Kreuzern entsprechen, aber die Form.. sie war ihm völlig rätselhaft. Definitiv war es kein Schiff der Sakkra oder der Klackons, denn diese Bauweise hatte keines der ihm bekannten Schiffe. Es war wie eine Art riesiger Ring aufgebaut. Ein riesiges fliegendes Gebilde mit einem Loch in der Mitte, doch fiel ihm bei genauerem Hinsehen auf, dass feine Streben ins Innere des Lochs führten und sich in der Mitte trafen. Es war also mehr wie ein Speichenrad.. nur wieso? Was brachten diese dünnen Streben und warum trafen sie sich alle in der Mitte?
„Leutnant, ich will, dass dieses Objekt bis auf weiteres ignoriert wird.. solange wir nichts genaueres wissen, will ich, dass die ganze Feuerkraft der Kreuzer auf die Klackonschiffe gelenkt wird. Tsungs Erzählungen von dieser neuartigen Gauß-Waffe reichen mir ehrlich gesagt.“
Die Trägerschiffe öffneten ihre Luken und entließen ihre todbringende Ladung. Zu Hunderten glitten die Jäger hinaus und steuerten direkt auf die feindliche Flotte zu. Genau das selbe geschah auch auf der anderen Seite und schon trafen sich beide auf halben Weg und ein wildes Gefecht fand statt, welches sich aber offensichtlich für die Terraner entscheiden würde. Die zahlmässige Überlegenheit, als auch die bessere Technologien machten sich deutlich bemerkbar. Gerade als sich die größeren Kampfschiffe in Feuerposition begaben, drang ein Funkspruch zur Miranda durch.
Auf dem Bildschirm zeigte sich die hässliche Fratze eines Sakkra-Offiziers. Dank des Computers wurden seine Worte auch innerhalb kürzester Zeit übersetzt und die schnorrende Stimme des Schiffcomputers erklang:
„Admiral van Heyden, richtig? Sie fragen sich sicher: woher wissen diese dummen dummen Sakkras bloß von dem System? Warum kannten sie das Minenfeld und opferten leere, geradezu schrottreife Fregatten? Na Admiral?“ Er stieß ein lautes, markerschütterndes Lachen aus, dessen fragwürdige Übersetzung per Schiffscomputer nur noch an ein Krächzen erinnerte.
„Ich gebe ihnen 2 Minuten sich zu ergeben, dann werden wir ihr jämmerliches Leben und das all ihrer Männer verschonen. 2 Minuten, Admiral, 2 Minuten.“
Das war es also.. sie sprengten ihre eigenen Fregatten, deshalb waren die Explosionen immer derartig groß. Auch wenn ihn all die Informationen, die die Sakkras anscheinend besaßen, verunsicherten, ließ er nicht locker und erteilte statt dem feindlichen Offizier zu antworten einen Feuerbefehl.
Geradezu zeitgleich feuerten alle Plasmakanonen der neun Kreuzer auf zwei der fünf Ichtion-Kreuzer und tauchten das All in ein Flammenmeer, dass nicht nur die Kreuzer in den Tod riss, sondern auch drei der umstehenden leichten Fregatten. Die Miranda aber lenkte ihr Feuer selbst auf einen Ichtion-Kreuzer. Während die Plasmakanonen den Schutzschild überluden, drangen die Strahlen der Protonenkanonen durch die Panzerung, zerstörten die Brücke und entluden ihre volle Energie am Schiffskern. In einer gewaltigen Explosion fand auch jener Kreuzer sein Ende.
Captain Tsung erteilte der Ayada einen Ausweichkurs als er merkte wie sich alle Sakkra auf den Kreuzer richteten. Selbst wenn es nur schwere Laserkanonen waren, so würde doch eine geballte Ladung von zehn Kreuzern reichen, die Schilde zu durchdringen und schwere Schäden am Schiff zu hinterlassen.
„Captain.. ein Funkspruch von einem der Jäger.“
„Stellen sie durch Leutnant.“ Tsung lehnte sich in seinem Stuhl etwas nach rechts. Noch verlief der Kampf zufriedenstellend.
Leises Rauschen drang aus den Lautsprechern, eh die gestresst wirkende Stimme des Jägerpiloten erklang. „Captain.. Private Tyke hier. Ich weiß ja nicht, was das Oberkommando davon hält, aber unser fliegendes Rad da vorne fängt ziemlich wild an zu leuchten.“
Tsung ließ sich eine Vergrößerung des Raumschiffes auf den Bildschirm projizieren. Der Pilot hatte wirklich recht.. diese grünen Streben leuchteten und der mittlere Punkt wurde in ein immer hellerwerdendes Grün getaucht.
„Sir, ich weiß ich bin nur ein einfacher Private, aber..“. Noch bevor er den Satz fertig sprechen konnte, schoss ein konzentrierter Energiestrahl aus der Mitte des Ringschiffes und bahnte sich seinen Weg durch die eigenen Reihen. Zwei Jäger der Sakkra, sowie drei Terranische (auch der des Private Tykes) lösten sich einfach auf, bevor er sein Ziel erreichte: die McKinley, schwerer Kreuzer im Alpha-Verband.
Die Schutzschilde leuchteten auf und hielten, doch der Strahl ließ nicht nach. Normalerweise waren Strahlenwaffen ja dafür konzipiert in kürzeren Impulsen abgefeuert zu werden, dieser jedoch schien so lange zu wirken bis jemand auf der anderen Seite den „Aus-Schalter“ betätigte. Sekunde um Sekunde verging in denen die Schutzschilde der McKinley in ein mattes grün gehüllt waren, eh sie zusammenbrachen und der Energiestrahl sich seinen Weg durch den Kreuzer bahnte. Alles was er auf seinem Weg traf löste sich einfach auf und so schnitt er den Kreuzer geradezu in zwei Hälften.
Ein Hauch des Schreckens umfing jene die dem Schicksal der McKinley beiwohnten. Regungslos trieben die zwei Teile nun im All, doch wer meinte es wäre nun vorbei, der irrte. Der energetische Strahl hielt noch immer an und das riesige ringförmige Gebilde drehte sich langsam nach rechts. Zwei weitere Fregatten wurde geradezu „gefressen“ von jenem Ding und jeder musste hilflos mit ansehen wie der Strahl auf sein nächstes Opfer zusteuerte, nicht gewillt eine Verschnaufpause einzulegen.
Die Crew auf der Fregatte LF Iowa hatten wohl schon ihr letztes Gebet gesprochen, als mit einem Mal der Strahl, nur wenige Kilometer vor ihnen endete.
Trotz des Kampflärmes der im Moment tobte übertönte Tsungs Geschrei alles. „Was war das.. ich will verdammt noch mal Informationen.“
„Captain..“. Der Admiral meldete sich über das Kom-Pult: „bringen sie gegnerische Schiffe zwischen ihre Flotte und dem Unding.. es wird sicher nicht feuern, solang es eigene Schiffe mit erwischen würde. Am besten sie nehmen gegnerische Kreuzer als Deckung.“
„Fähnrich.. sie haben den Admiral gehört. Leiten sie den Befehl an alle Schiffe des Verbands weiter.. wir nutzen den Gegner als lebendes Schutzschild.“
Der Leutnant meldete sich zu Wort. „Captain.. laut den Energiemessdaten scheint dieses Schiff nichts anderes als eine Ansammlung aus fliegenden Reaktoren zu sein, deshalb auch dieser langanhaltende Energiestrahl. Es ist anzunehmen, dass es immer eine gewisse Zeit zum bündeln der Energie benötigt, dafür aber umso länger durchgehend feuern kann.“
„Sehr gut Leutnant.. leiten sie das an den Admiral weiter. Bis der entschieden hat was wir mit dem Schiff machen, will ich dass unsre Jäger die Kreuzer schussunfähig schießen und der Rest lenkt sein Feuer inzwischen auf die Fregatten. Die Deckung darf nicht zerstört werden, ich habe ehrlich gesagt keine Lust als nächster auf dem Speiseplan dieses Dings zu stehen.“
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