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Der Fall eines Imperiums (Seite 2)
Kapitel 3 – Besuch aus dem All
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2071, Milten System
Jagr, zweiter Mond Trevons
23 Jahre waren nun vergangen und einiges sollte sich getan haben. Kurz nachdem bekannt wurde, dass die Mission „Unity“ erfolgreich war gab es eine derartige Euphorie unter den Leuten, dass der Wunsch nach einer einzigen, weltweit agierenden Nation immer größer wurde. 2055 sollte es dann auch soweit sein: die VEL (Vereinigten europäischen Länder), GIS (Gemeinschaft islamischer Staaten) und Afrika (das nur noch aus Mittel und Südafrika bestand, der Rest gehörte der GIS an) schlossen sich zu einem großen Völkerbund zusammen unter der Führung von Präsident Treschniev (er selbst spielte dabei eher eine Statistenrolle, regiert hatten andere).
Sechs Monate später sollten dann auch noch die asiatischen Staaten und Australien folgen. Lediglich die Vereinigten Staaten Nord- und Südamerikas weigerten sich vehement gegen solch ein Bündnis und so gab es zwei große Machtblöcke die nun über das Geschick der Erde entschieden.
Diese Umstände waren jedoch der Minerkolonie auf Jagr mehr als egal. Die dort Beschäftigten hatten kaum Kontakt mit Trevon und noch viel weniger mit der Erde. Der Mond gehörte offiziell dem amerikanischen Machtblock (VSNS) und war im Grunde nichts anderes als eine Sträflingskolonie, denn seid man 2060 die Todesstrafe in Amerika abgeschafft hatte, gab es einen Überschuss an Sträflingen und so zwang man sie zum Schürfdienst auf Jagr. Zwar wurde solch eine Aktion vom Nationenbund (kurz NB, der Gegenpart zur VSNS) nicht gern gesehen, doch zog man es aus politischen Gründen vor hier nicht einzuschreiten.
Den Sträflingen auf Jagr war es dennoch ziemlich gleich, denn auch wenn es eine körperlich harte Arbeit war und zumeist unter den widrigsten Bedingungen gearbeitet wurde, unterschied es sich kaum vom vorherigen Gefängnisalltag. Bis auf die kleine Wachmannschaft hatten sie außerdem kaum Aufsichtspersonal und konnte somit relativ ruhig ihrer Arbeit nachgehen. Fluchtmöglichkeiten gab es so gut wie keine, denn außerhalb der Kuppeln gab es keine Atmosphäre die einem das Überleben möglich gemacht hätte und zu den Zeiten, in denen die Frachter andockten, wurde das Wachpersonal um ca. das zehnfache aufgestockt.
Am 23.10.2071 um genau 14:31 sollte sich aber genau all dies ändern.
Ein dunkler Schatten fiel auf die Hauptkuppel in denen die Unterkünfte, Lagerräume und Aufenthaltsräume für das Wachpersonal untergebracht waren. Sofort gellten die Alarmglocken und die Gänge wurden in rotes Licht gehüllt. Jeder, egal ob Schürfer oder Wachpersonal, ließ seine Arbeit stehen und versuchte zu erkennen was denn nun eigentlich los sei.
Einzig die drei Leute in der Kommandozentrale eilten hektisch von einem Kontrollpult zum nächsten.
„Milten, verdammt noch mal, was ist das?“ rief ihm Leutnant Sanchez zu, Sicherheitschef und somit Verantwortlicher der Minenkolonie.
„Ii.. ich weiß es nicht Sire, aber was es auch immer ist, es scheint verdammt groß und kommt langsam näher!“
„Dann verbinden sie mich mit Trevon, ich will wissen was für kranke Spielchen die mit uns hier treiben.“
„Jawohl Sire!“ Sofort eilte er zum Kom-Pult, doch anstatt eine Nachricht absetzen zu können bekam er nur ein leises Rauschen als Antwort. Hektisch betätigte er die verschiedensten Knöpfe (auch wenn er bei manchen nicht einmal wusste was sie bewirkten), aber dennoch bekam er keine Verbindung zustande. Lediglich die Art des Rauschen änderte sich und klang nun eher schabend, kratzig. Zur gleichen Zeit etwa fingen die Computersystem an völlig verrückt zu spielen und die verschiedensten Zeichen anzuzeigen und die drei Anwesenden wusste nicht mehr was sie nun tun sollten. Die Entscheidung sollte ihnen aber gut 5 Minuten später abgenommen werden.
Grelle Lichtstrahlen durchbrachen den dunklen „Himmel“ und ein bizarr wirkendes Raumschiff landete nah der Hauptkuppel. Das „Ding“ war um einiges größer als die bisher bekannten von Menschenhand geschaffenen Raumschiffe und wirkte mit seiner rotgrünen Außenhülle auf eine gewisse Art und Weise organisch, so als würde es wirklich leben.
Langsam öffnete sich eine Luke und 3 der Schiffsbesatzung Angehörigen stiegen in ihren Raumanzügen aus. Mit Schrecken starrte sie Leutnant Sanchez auf seinem Bildschirm an. Ameisen? Die Dinger sahen für ihn eindeutig wie zu groß geratene Ameisen aus!
Schritt für Schritt kamen sie näher und sofort bezog die Wachmannschaft Aufstellung. Jegliche Eingänge in die Kuppeln wurde gesichert und nur wenige hätten gezögert das Feuer zu eröffnen.
„Nicht feuern! Lasst sie passieren, wo auch immer die Dinger hinwollen, aber folgt ihnen auf Schritt und Tritt.“, hallte es durch die Lautsprecher und Sanchez lehnte sich wieder in seinen Kommandostuhl zurück. Er war ja nicht mal in der Lage mit Menschen anständig auszukommen, wie bei allen Göttern sollte er dann mit Außerirdischen kommunizieren.
Die Außenschleuse öffnete sich langsam und die drei Ankömmlinge betraten die Zwischenkammer. Hinter ihnen schloss sich die Schleuse wieder und das System pumpte wie immer die nötige Luftmischung hinein, glich den Druck aus und öffnete daraufhin die Innenschleuse und die Drei traten ins Innere der Kuppel. Die Helme der Raumanzüge schoben sich automatisch zurück und verschwanden im Inneren des Anzuges.
Jetzt konnte wirklich erkennen, dass es sich bei den Ankömmlingen um eine Art aufrechtgehende Riesenameise handelte.
Die Beißzangen der Drei klackten unermüdlich, während die Fühler über ihren Köpfen wohl orientierten.
Der Leutnant erhob sich aus seinem Stuhl und räusperte sich kurz. Die Nervosität (und wohl auch ein Häufchen Angst) war ihm deutlich anzusehen, dennoch erhob er sein Wort: „Willkommen?“. Es war mehr eine Frage und auch recht kurz gehalten. Mehr fiel ihm wirklich nicht ein und noch Jahre später verfluchte er sich selbst für diesen eher peinlichen ersten Kontakt.
Der erste der Drei (welcher wohl eine Art Führungsperson war, da die andren zwei eher Abstand hielten) hatte ein kleines, würfelförmiges Ding in der Hand. Schwarzglänzend spiegelte es die Umgebung wieder und kaum hatte der Leutnant seine „Begrüßung“ von sich gegeben, fing es wild zu blinken an und merkwürdige Töne von sich zu geben, Töne die er auch bei späterer Berichterstattung nicht erklären konnte.
Der Anführer der Besucher wechselte einen kurzen Blickkontakt mit seinen zwei Begleitern, wendete sich aber sogleich wieder Sanchez zu.
Seine Beißzangen klackten etwas heftiger und ein schnarrendes langanhaltendes Geräusch verließ das was der Leutnant für den Mund hielt.
Zwar verstand er absolut nicht was das Ding von ihm wollte, doch fing abermals der kleine Würfel wild an zu leuchten und einige Sekunden später erhielt er die Antwort:
„Wir sind das Klackonimperium. Wir fühlen/empfinden (diese zwei Worte wurden direkt hintereinander von dem kleinen Würfel ausgespuckt. Wohl wusste er nicht genau mit welchem Wort er es übersetzen sollte) große Freude, euch die Menschen zu treffen/kennen lernen/Bekanntschaft zu machen.“
Das Gespräch der Beiden dauerte etwa vier Stunden an. Sanchez erfuhr, dass sie ihren Universalübersetzer mit den Daten aus dem Sicherheitscomputer gefüttert hatten. Sie tauschten nur die grundlegenden Informationen aus, aber es war ein durchaus gelungener Schritt in Richtung „gemeinsame Zukunft“ zweier Rassen.
Kaum hatten sich die Besucher wieder verabschiedet und man die Meldung nach Trevon schickte, versetzte man Sanchez sofort. Ab sofort war er für alle weiteren Gespräche mit diesen „Klackons“ zuständig. Zusätzlich teilte man auch einen Biologen ein, den Gesprächen beizuwohnen, da man feststellen konnte, dass nicht nur äußerlich große Ähnlichkeiten mit insektoiden Völkern vorhanden waren, denn schon allein die Tatsache, dass sie kein „ich“, bzw. das Individuum an sich nicht kannten, verwirrte schon so manche und machte die Verhandlungen nicht wirklich einfach.
Captain Sanchez und Dr. Leif Ivsen bildeten von nun an den Kopf eines 8-teiligen Diplomatenteams, die rein für den Kontakt mit den „Klackons“ zuständig waren. Weder Sanchez, noch den Doktor störten die Versetzung sonderlich, denn zwar musste Letzterer sich von seinen geliebten Pflanzen losreißen, bekam dafür aber jede Menge „Krabbeltierchen“ (so nannte er sie bis zu seinem Tode).
Ein Treffen folgte auf das andere. Man tauschte Ressourcen gegen Technologien, lernte die Kultur des anderen kennen. Die Klackons hatten aber eindeutig mehr zu bieten, doch schienen sie so erfreut über den Kontakt zu den Menschen, dass sie bedenkenlos mehr gaben, als zu nehmen. So kam es dazu, dass in jenen Tagen die Menschen einen gewaltigen Schritt nach vorn taten. Man war nicht mehr allein.
Kapitel 4 – Der rote Planet
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Jahr 2079, Sol-System
Mars
„Wissen sie, dass der Planet nach dem römischen Gott des Krieges benannt wurde? Sah man den Mars am Himmel, so deutete man dies als Zeichen eines kommenden Krieges.“
Diese Worte konnten John Orten nur ein leichtes Schmunzeln abringen.
„Nadja, nichts gegen ihren Hang zum Geschichtlichen, aber ich bin hier weil die Jungs auf der Erde meinten, sie bräuchten hier einen fähigen Mann auf dem Planeten. Ich bin nicht wegen irgendwelchen Römern hier. Seid wir Kontakt mit diesen Klackons aufnahmen hab ich immer dieses ungute Gefühl in der Magengegend. Diesen Insekten kann man nicht trauen, glauben sie mir. Schon allein deshalb bin ich der richtige Mann für dieses Unternehmen.“ Er wandet sich von der Aussichtskuppel ab und nahm wieder in seinem Kommandantestuhl platz.
Captain Schneider hingegen beobachtet weiterhin die Planetenoberfläche. Seid gut 2 Monaten versucht man nun schon den Planeten bewohnbar zu machen und ihm eine überlebensfähige Atmosphäre zu verpassen.
„Warum müssen wir unbedingt aus diesem Planeten eine einzige Festung machen? Was ich mitbekommen habe, sollen hier nicht nur die Kriegsflotten gebaut und stationiert werden, nein auch ein eigenes Forschungszentrum für Waffen- und Rüstungstechnologie wollen die hier errichten. Muss ausgerechnet der Mars wieder Zentrum aller kriegerischen Aktivitäten sein?“
Nadja schüttelte nur den Kopf und blickte weiterhin auf den roten Planeten.
„Na wenn er schon, wie sie so schön sagten, damals für Krieg stand, dann jetzt erst recht. Keine Sorge, mit mir an der Spitze haben die einen fähigen Mann. Ich werde schon dafür sorgen, dass der Mars den Respekt bekommt, den er sich verdient.“ Er lehnte sich zurück und platzierte seine Füße auf dem Schaltpult vor sich.
„Das glaube ich auch Kommandant, das glaube ich auch“, murmelte sie leise vor sich her. Sie warf einen kurzen Blick auf die Uhr und zog sich dann in ihren Schlafraum zurück. Nachdem sie ihr Kom-Pult eingeschalten hatte ließ sie sich in ihr Bett fallen.
„N’ Abend Dr. Blackmoore. Wie sieht’s da unten aus?“ brummte sie sichtlich verstimmt in Richtung des Kom-Pults. Erst erhielt sie nur ein Rauschen als Antwort, eh der alternde Geologe seine Stimme erhob.
„Nichts geht über guten englischen Regen und Nebel.. ich sag’s ihnen Captain, der Sandsturm hier unten verhindert jegliches Arbeiten und ungefährlich ist er auch nicht gerade. Erst vor kurzem sind zwei unserer Terraformraupen explodiert.. samt Besatzung.“
„Ich sags ja.. der Mars lässt sich nicht zähmen, Kriegsgott bleibt Kriegsgott. Wie steht’s um die Ruinen die sie da unten entdeckt hatten?“
„Wir schicken in den nächsten 15 Minuten ein kleines Team dort hin. Eigentlich wollten wir ja den Sturm abwarten, aber der will sich einfach nicht legen außerdem..“, eh der Doktor seinen Satz beenden konnte, tönte wieder jenes Rauschen aus den Lautsprechern ihres Kom-Pults.
„Pass auf dich auf, Liam“, murmelte sie noch leise, eh sie die Augen schloss und endlich einschlief.
Liam Blackmoore hob schützend die Hände vors Gesicht, als das Kom-Pult direkt vor ihm explodierte.
„Verdammtes Ding.. hält nicht mal das bisschen Sand aus.“
Suchend glitt sein Blick durch das kleine Forschungscamp. „Henning! Wie sieht’s mit der Expedition aus? Captain Schneider will ein Ergebnis bezüglich der Ruinen! Henning!“
Jan Henning kämpfte sich, gefolgt von vier weiteren Männern, gerade durch den Sandsturm zu ihm durch.
„Von mir aus kann’s losgehen Doc., hab noch ein paar Taschenlampen mit, die üblichen Messinstrumente und zwei Handfeuerwaffen.“
Liam musste sich die Hand etwas vors Gesicht halten, damit er trotz des Sturms, Hennings dämliches Grinsen erkennen konnte. „Waffen? Wofür sollten wir da drinnen Waffen brauchen?“
Er wartete erst gar nicht eine mögliche Antwort seinerseits ab, sondern ging langsam Richtung Ruinen. Henning zuckte nur mit den Schultern und folgte ihm mitsamt seinen vier Gefolgsleuten.
Vor zwei Tagen hatte der Sandsturm Teile dieses Trümmerhaufens freigelegt, doch bis jetzt kam man nicht dazu ihn näher zu untersuchen. Man wusste zwar nicht genau was es war, aber jedenfalls sah es hochtechnisiert aus und man rechnete damit, entweder ein uraltes Raumschiff, welches über dem Mars abgestürzt ist, oder aber eine kleine Siedlungsstätte gefunden zu haben.
Die sechs Männer drangen langsam in den Koloss aus Metall und Sand ein.
„Rühren sie mir nichts an, wer weiß schon womit wir es zu tun haben.“ Tiefer und tiefer gelangten sie in das Innere und mittlerweile war sich Blackmoore sicher, dass es sich hierbei um eine Art Raumschiff gehandelt haben musste.
Schlussendlich gelangten sie ans Ende des Ganges, welcher in einen größeren Raum mündete. Kaum etwas war ob der großen Staubschicht die sich über die Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte hin angelegt hatte zu erkennen, dennoch vermutete Dr. Blackmoore, dass es sich hierbei um die Steuerzentrale gehandelt haben musste.
Während er einige Notizen anfertigte, ging Henning ein wenig herum und besah sich die einzelnen verstaubten Tische näher.
„Wissen sie Doc.. dieses ewige Rumgelaufe ist nichts für mich“ Er nahm etwas Schwung und setzte sich auf einen der vermeintlichen Tische, als ein gewaltiger Ruck durch das Wrack ging.
Nichtsahnend hatte Blackmoores Forschungsassistent die Antriebsraketen gezündet gehabt, die trotz der unzähligen Jahre die das Ding hier nun schon liegen musste, noch funktionierten. Ein gleißender Strahl schoss aus den Triebwerken und wirbelte im Umkreis von 30 Metern den ganzen Sand auf.
Nur mit Not konnten sich die Sechs auf den Beinen halten. „Raus hier.. verdammt noch mal Henning. Sie gottverdammter Idiot!“ So schnell sie konnten eilten sie den Gang hinunter, während das Raumschiff erzitterte und sich immer mehr Teile von den Wänden lösten.
Der ungeheure Druck drohte das Wrack zu zerbrechen, Schaltpulte überhitzten, an einigen Stellen fingen Kabel zu brennen an und eine gewaltige Explosion erschütterte das Schiff.
Immer weiter blieb der alternde Doktor hinter seinen deutlich jüngeren Kollegen zurück. Kurz nachdem sich Henning und drei seiner Begleiter nach draußen retten konnten, brach ein tonnenschwerer Balken und das ganze Ding fiel in sich zusammen.
Schweißgebadet wachte Captain Schneider aus ihrem Traum auf. Sie eilte zu ihrem Kom-Pult und dort wurde ihre schreckliche Befürchtung bestätigt: ihr lebenslanger Freund Liam Blackmoore wurde zusammen mit Ben Farksen lebendig begraben und nie wieder würde sie ein Wort mit ihm wechseln können.
Erst Jahrzehnte später sollte man herausfinden, dass zwischen Nadja Schneider, jenem Wrack und Dr. Blackmoores Tod ein Zusammenhang bestand, doch eines war jetzt schon klar: Der Mars hatte seine ersten Opfer gefordert und es würde nicht die letzten sein.
Kapitel 5 – Das höchste Gut
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Jahr 2107, Elar-System
Elar
2105 versuchte der Nationenbund abermals die Vereinigten Staaten Nord und Südamerikas einzugliedern, doch weigerten die sich weiterhin vehement und man probierte es auf einem weniger friedvollem Weg. Innerhalb eines halben Jahres erreichte man eine derartige Missstimmung innerhalb des Gefüges zwischen dem reichen Norden und dem eher ärmlichen Süden Amerikas, dass sich der Süden abspaltete und sich eingliederte. Einige Monate später trat auch Nordamerika bei und man nannte sich schlichtweg „die Nation Terra“
Aus den Menschen (jene Bezeichnung fand viele zu „langweilig“ und ungeeignet für ein das neue Zeitalter) wurden die „Terraner“.
„Was machen wir hier eigentlich?“ Jene Worte stammten von dem jungen Mann, der verzweifelt und nur mit größer Müh, mit seinem Kollegen Schritt hielt. Zusammen eilten sie die eisblauen Gänge hinab.
„Du bist angeblich besonders wichtig in den Verhandlungen, irgendwas mit deiner Mutter. Jedenfalls wollen sie dich sehen. Und jetzt beeil dich, wir sind verdammt spät dran!“
Kurz darauf trafen sie auf die anderen Anwesenden, die wohl schon seid einiger Zeit auf die zwei Herren gewartet hatten. Noch bevor sie sich richtig umsehen konnten, erhob auch schon einer der Anwesenden das Wort. Es war Phillip Desièr, einer der bedeutenderen Mitarbeiter im Stab des Außenministeriums.
„Ah, Herr Schneider, auch schon hier. Freut mich, wenn ich vorstellen darf: Dr. Derson, Verantwortlicher für die diplomatischen Beziehungen mit den Elarianern.“ Mit seiner rechten Hand deutete er auf einen etwas untersetzt wirkenden Mann.
„Sie sind eigentlich auf seinen Befehl hin, herbeordert worden, oder sollte ich besser sagen, auf Wunsch der Dame hier?“ Mit einem übertrieben, geradezu schmierig wirkenden Lächeln deutete er auf eine durchwegs hübsch wirkende junge Frau, deren einziges auffälliges Merkmal in ihrer Hautfärbung lag.
Bernd Schneider hatte schon viel von den Elarianern gehört, aber das sie dem Menschen wirklich so ähnlich sahen, hätte er sich seinen Lebtag nicht erwartet.
„Auf.. Auf ihren Wunsch?“ Ungläubig starrte ihn Bernd an.
Ein anmutig wirkendes Lächeln zauberte sich auf die Lippen der Außerirdischen. „Sicher doch Mr. Schneider. Immerhin sind sie unser Produkt.“
Ihr Produkt.. wieso sollte er ihr Produkt sein? Mit sichtlich verwirrter Miene starrte er sie an. „Ich.. versteh nicht ganz..“
„Mr. Schneider, ich will ihnen nichts vormachen, aber haben sie nicht manchmal das Gefühl die Gedanken anderer ahnen zu können? Mein Volk hat ihre Großmutter vor über 100 Jahren genetisch manipuliert, ohne das sie es je mitbekam. Ihre Mutter, Nadja Schneider, war die erste latente Telepathin und sie sind genauso einer.“
Ein verzerrtes Grinsen huschte über sein Gesicht.. deutlich war ihm die Unsicherheit anzusehen. „Wovon reden sie? Telepathie? So was ist doch nicht mal andeutungsweise möglich. Außerdem..“
Ein kurzes Räuspern des werten Herren Derson unterbrach ihn. „Wenn ich da Einspruch erheben dürfte Mr. Schneider, aber die Elarianer sind alle Telepathen und sie, bzw. ihre Mutter sind zu geringen Teilen ebenso Elarianer und deshalb besitzen sie zwar keine ausgereiften telepathischen Fähigkeiten, aber zumindest eine gewisse, unbewusste, Ahnung. So vermuten wir es zumindest. Deshalb sind sie auch hier.. um einige Versuche an ihnen durchzuführen.“
„Was? Versuche?“ entfuhr es ihm. „Sicher nicht, zuerst pfuscht ihr an meiner Großmutter rum und jetzt wollt ihr euren Spaß auch noch mit mir? Ich denk ja gar nicht dran!“ Mit diesen Worten wandte er sich um und verließ geradezu fluchtartig den Raum.
Phillip Desièr wartete die Reaktion Dr. Dersons ab (welche nur in einem kurzen Nicken bestand) und folgte ihm sofort.
Kaum war er um die erste Biegung des Ganges verschwunden, traf er auch schon auf Bernd, welcher versuchte, sich an zwei unnachgiebigen Wachleuten vorbeizudrängen.
„Mr. Schneider, es mag ja für sie alles etwas überraschend kommen, aber sie sind sozusagen der Schlüssel für uns.“
„Mich interessiert das ehrlich gesagt gar nicht.. hören sie? Gar nicht! Und jetzt lassen sie mich gehen.“ Trotz der Aufwendung all seiner Kräfte gelang es ihm nicht sich aus der Umklammerung des einen Wachmannes zu befreien.
„Mr. Schneider.. die Elarianer sind damit einverstanden ihre Forschungsergebnisse mit uns zu teilen. Eine genetische Verschmelzung zweier Rassen! Wissen sie was das heißt? Telepathen, die Macht über die Gedanken anderer zu verfügen!“ Ein geradezu fanatisches Leuchten trat in seine Augen. „Das ehemals höchste Gut des Menschen, sein Wille, seine eignen Gedanken, sie würden uns zu Füßen liegen. Macht, Mr. Schneider, endlose Macht!
Natürlich würden nicht alle über diese Gabe verfügen, aber ein kleiner elitärer Teil würde schon genügen.“
„Was interessieren mich ihre genetischen Spielereien. Was sie hier machen ist Gotteslästerei.“
Desièr konnte sich ein kurzes Auflachen nicht verkneifen. „Gott? Gibt es ihn überhaupt? Wissen sie.. anfangs ist es vielleicht eine Spielerei, aber nunja, die Elarianer sind ein friedliches Volk. Kunst, Kultur, statt Waffen und Krieg, aber alles vergeht und so auch dieses Volk. Sie sterben aus Mr. Schneider.
Ja, Anfangs werden wir wohl noch ein wenig nachhelfen müssen, aber irgendwann geht das gewiss auch auf rein natürlichem Wege. Physiologisch gesehen sind sie uns nicht so unähnlich. Sie sind der Schlüssel in ein neues Zeitalter!“
Er deutete einen kurzen Handwink an und begab sich wieder zurück zu den anderen. Während einer der zwei Wachleute Bernd Schneider festhielt, zog der andere eine kleine Injektionsnadel hervor und beförderte ihn postwendend in einen künstlichen Schlaf.
Wieder sollte die Menschheit in ein neues Zeitalter treten, doch diesmal war es eine andere geradezu menschliche Eigenschaft, die dafür verantwortlich war. Nicht der Entdeckergeist war der Grund, viel eher die Skrupellosigkeit und das Verlangen nach totaler Kontrolle.
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