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#moo3planet

Das blaue Flackern (Seite 4)

„Das haben wir sowieso bald vor. Der Energieschirm des Schiffes hindert uns am Entkommen.“, sagte Jack, und wurde vom Fähnrich unterbrochen : „Captain, das Schiff hat angehalten !“
„Macht nichts, Kurs beibehalten. Dadurch gewinnen wir vielleicht wieder etwas Abstand.“, sagte Jack.
„Captain, das Schiff ruft uns !“, sagte ein Offizier, der ausserhalb der Kameraperspektive war.
„Geben sie durch !“, sagte der Captain. Und sobald ertönte es auf der totenstill gewordenen Brücke : „Wir sind die Antaraner. Geben sie auf und kapitulieren sie sofort. Dann können wir garantieren, daß 10 % der Besatzung am Leben bleiben werden.“
Der Captain und all die anderen blickten verwundert. Der 1. Offizier sagte schnell zum Captain : „Die Antaraner gibt’s nicht mehr !“
„Verdammt das weiß ich !“, sagte Jack. „Trotzdem hält er sich entweder für einen, oder er will seine Identität nicht preisgeben. Auf jeden Fall hilft uns das nicht weiter.“, fügte Jack hinzu.
„Freeman, wie lautet ihre Lösung !“, fragte der Captain den Abteilungsleiter.
„Wir haben herausgefunden, daß unser Zeitanomalie-Sensor uns vor den Kraftfeldern des Phänomens schützen könnte.“, sagte Freeman.
„Könnte ?“, sagte Jack lakonisch.
„Ja, „könnte“ – aber es ist unsere einzige Chance !“, sagte Freeman.
„Hören sie zu Freeman: was unsere einzige Chance ist, entscheiden wir hier !“, sagte Jack wütend.
„Was sagt ihr dazu ?“, fragte Jack die Offiziere. Sie schienen ratlos zu sein.
„Ok, Kanal zum Antaraner-Schiff öffnen.“, befahl Captain Jack Tail.
„Kanal offen.“, sagte wieder eine nicht im Sichtfeld liegende Stimme.
„Antaraner-Schiff, sie befinden sich auf erobertem Gebiet der Menschenföderation. Das wurde per Definition und Gesetz am 20. März 20023 beschlossen. Wir haben die Zustimmung des Antaranerrates hier zu forschen.“, sagte der Captain mit Bestimmtheit, und wollte wohl Zeit gewinnen, oder hatte damit was vor.
„Menschen-Schiff: diese Bedingungen sind unbekannt. Sie haben keine Forscherbewilligung in diesem Sektor, an diesem Phänomen, die zu uns vorgedrungen ist. Sie haben eine Minute ihrer Zeitrechnung, um zu kapitulieren.“, sagte die Stimme aus dem unbekannten Schiff.
„Zumindest wissen sie selbst nicht, was das Phänomen ist.“, sagte Jack.
„Vermutlich ist dies hier nur ein Aussenposten. Ein Phänomen, daß sie sich sichern wollten, und keinen ranlassen wollten.“, sagte ein Offizier.
„Das bedeutet noch mehr...“, sagte Jack, und setzte fort : „die Antaraner in diesem Schiff, sind wohl keine Antaraner. Sie waren bestenfalls Antaraner. Vermutlich spricht ein Programm mit uns. Aber das heißt nicht, daß es für uns ungefährlicher ist. Es hat wohl keinen blassen Schimmer mehr, daß es keinen Sinn mehr macht, das Phänomen zu bewachen.“
„Ah, das war ihr Trick, sie wollten wissen wie authentisch die dort drüben sind.“, sagte der junge Fähnrich, und Jack lächelte, als ob er clever erscheinen wollte.
„Wollen wir hoffen, Freeman, daß sie recht hatten.“, sagte Jack noch kurz zu unserer Abteilung, und befahl dann vollen Schub zum Phänomen.
Das Antaraner-Schiff aber nahm sofort die Verfolgung wieder auf und ladete seine Waffen. Ich blickte zu Cer rüber, an dem man selten eine Gefühlsregung sehen konnte, aber auch er schien jetzt Angst zu haben. Er war in einer gebückten Haltung, beide Arme halb drohend, halb den Kopf schützend, gehoben. Und ich blickte zu Jane, die vielleicht gerne ihren Kopf an meine Schulter gelegt hätte. Ihr stand die unaushaltbare Spannung ins Gesicht geschrieben.
Wir waren noch 4 Millionen Kilometer vom Phänomen weg, da schoß das Antaraner-Schiff zwei Salven auf uns ab. Die eine traf uns nicht. Die andere streifte uns, und unseren Schutzschild durchzuckten unzählige grüne Blitze. Noch zwei Salven wurde abgeschossen, und ich merkte das die Eurynome sich drehte, um den Salven auszuweichen. Jedoch war eine Salve ein Volltreffer, und es löste unseren ganzen Schutzschirm auf, und ein Teil kam zur Hülle vor. Es kreischte, als ob das ganze Schiff auseinanderbrechen würde, gleichzeitig mit einem Erdbeben, welcher uns Angst und Schrecken einflößte.
„Wie weit noch ?“, fragte der Captain.
„Zwei Komma Fünf Millionen !“, sagte der Fähnrich.
„Turbulenz ?“, fragte der Captain erneut.
„Keine.“, sagte der Major.
„Verdammt, wir könnten es schaffen. Navigator, steuern sie, als ob sie um ihr Leben steuern. Es ist ernst.“, sagte der Captain zum Navigator. Der Navigator sah nicht den Schaden am Raumschiff, aber er glaubte Jack blind, denn er sah nur nach hinten und nach vorne, auf seinen zwei Bildschirmen. Schadensberichte bekam der Captain jedoch unzählige. Jeder fühlte, wie ernst die Lage war.
Als wir anderthalb Millionen Kilometer nah waren, und das Antaranerschiff etwa eine halbe Million Kilometer, ging ich hin zu Jane, egal was sie, oder die anderen dachten. Ich nahm ihre Hand. Nichts weiter. Und sie erfasste meine Hand, und drückte sie. Wohl aus Angst, aber ich hoffte, daß ich ihr ein kleinwenig Beruhigung war. Ich hätt’ sie gerne auch in die Arme genommen, aber ich sah, daß ihr das unpassend gewesen wäre.
„Turbulenz ?“, fragte der Captain immer wieder angespannt.
„Nein, keine.“, sagte der Major.
Wir blickten zu Cer. Er verlor etwas Angst, durch seine Freude, daß seine Idee klappte. Vermutlich würde er wohl viele hundert Verdienstpunkte dafür bekommen. Wenn wir überleben.
„Seht da !“, sagte Steve, und zeigte in die Richtung des Schiffhecks. Die Fenster erlaubten gerade noch soviel, in die Richtung schauen zu können. Da war das gigantische Antaraner-Schiff. Es kam ins Trudeln. Wie unsere Sonden zuvor. Diese waren wohl vom Antaraner-Schiff nicht wirklich beachtet worden. Nun aber war es das Antaraner-Schiff, welches mit seinem Kurs und Lage kämpfte. Es verringerte seine Geschwindigkeit, um seine Lage besser kontrollieren zu können, aber es half nichts. Solange er auf uns zusteuerte, kam er immer näher in die Kraftwirbel, dessen Ursprung wir noch immer nicht kannten. Einmal hob sich das Heck des gegnerischen Schiffes. Einmal zog es nach rechts oder links. Mit einem andernmal hob sich der Bug und das Schiff begann zu rotieren. In immer mehr Richtungen, während es auf uns zusteuerte. Nun schoß es unzählige Male auf uns, obwohl seine Laserbatterien nicht ganz aufgeladen waren. Doch jeder Schuß verfehlte uns, auch wenn die Schüße nicht den Wirbeln unterworfen waren. Licht und andere Strahlen, waren dem Phänomen offenbar nicht unterworfen. Verwunderlich , bei einer Raumanomalie, wie Cer ja meinte. Ich schaute noch eine Weile dem sich windenden starken Schiff zu, bevor ich dann eine neue Zahl hörte :
„300 000 Kilometer, Captain“,kam es von der Brücke und ich blickte wieder zum Bildschirm, welches diese darstellte.
„Folgt es uns noch ?“, fragte Jack.
„Nun, wenn man es so nennen kann : Ja.“, sagte der Major.
„Wir können nicht abdrehen, solange es noch intakt ist.“, sprach Jack in den Raum.
Und plötzlich flackerte dieses bläuliche Licht des Phänomens wieder auf. Es war hell. Viel heller. Es war ungewohnt. Irgendwie bedrohlich. Aber Jack schien keine Angst zu haben, seit er daran glaubte, daß Cer’s Idee funktionierte. Das der Zeitanomalie-Sensor eine Art Kompensator für diese Kraftwirbel war.
Ich hielt nun Jane’s Hand auch fester. Dieser verfluchte Jack wollte sicher in dieses bläuliche Flackern rein. Nie hätte er diese Chance vom Forschungskomitee bekommen. Und er wiegte sich in seiner Sicherheit. Er dachte, es wäre ein Kinderspaziergang, mit diesem Sensor. Sicher, wir hatten wirklich keine Turbulenzen. Wir flogen wie durch gewöhnliche Leere. Aber ich war keiner, der es darauf ankommen lassen wollte. Zumindest jetzt nicht wo es um Jane’s Leben, und das meine ging.
„Wie weit ? , fragte Jack erneut.
„100 000 Kilometer“, antwortete man ihm.
„Ok, macht euch bereit, wir fliegen rein !“, befahl er. Daraufhin blickten ihn die Offiziere unsicher und mißtrauisch an, aber er war schließlich der Captain.
Kurz darauf merkte ich ein Blitzen in meinen Augenwinkeln, und ich richtete meinen Blick wieder zum Antaraner-Schiff. Es war ein Teil abgebrochen, und hatte nun wirbelnden Kurs, daraufhin zerbrach auch dieser Teil. Der größte Teil jedoch schoß noch immer Salven, und war offenbar noch intakt.
Der Captain wiegte sich in einer ungewohnten Sicherheit, und befahl, langsamer zu werden. Das blaue Flackern sah nun aus, wie bläuliche verwirbelte Blitze die eine Art in-alle-Richtungen-drehenden-Ring bildete. Durchfliegen konnte man offenbar nicht. Aber das schien Jack nicht zu stören.
„20 000 Kilometer. Captain, Kontakt in 10 Sekunden !“, sagte der Fähnrich.
„Schub auf Driften umstellen, bei Zehntel Geschwindigkeit.“, reagierte Jack, und stützte sich konzentriert auf sein Pult, die pulsierenden Blitze anstarrend. Vom Pulsieren entstand der Eindruck, daß es flackerte. Auch wenns nach Gesetzmäßigkeiten pulsierte, die auf den ersten Blick nach Zufall erschienen.
Innerhalb ein, zwei Minuten standen wir fast still, und die Blitze stülpten sich von selbst über unser ganzes Schiff. Ich verlor den Blick zum Antaraner-Schiff, daß sichtlich schon große Probleme hatte, und kaum kampffähig schien.
Die Blitze wurden immer weniger, und verwandelten sich in blaue Gebilde, die wirkten, wie Lichtreflexionen am Meeresgrund. Sie schienen uns zu umtanzen, und Jane schaute auf sie, wie auf ein Wunder. Ein wunderschöner Anblick sie dabei zu sehen... wie ihre grauen Augen glänzten, in diesem schönen Lichtertanz, der an den Fenstern hereinkam.
Bald aber löste sich dieses blaue Lichtermeer auf wie ein Vorhang, und eine bizarre Landschaft tauchte auf. Die Eurynome-9 lag am Boden. Es flog nicht mehr. Wir blickten alle hinaus, wie in eine fremde Dimension. Ob es eine war, wußten wir jedoch nicht. Ein blasrosa Himmel wölbte sich über uns. Eine gelbe Sonne stand nicht mehr sehr hoch, und tauchte viele Wolken in ein Gelb. Vom Weltraum, dem Antaraner-Schiff oder unserer Galaxie war nichts zu sehen.
„Wo sind wir hier ?“, kam es von der Brücke, doch Freeman schaltete die Verbindung ab, sodaß ich eine Antwort nicht mehr hörte. Vermutlich konnte niemand antworten. Freeman schien selbst überwältigt von dem Ganzen zu sein. So überwältigt, daß ihn alles andere nur störte.
Steve und Cer fassten sich am schnellsten. Steve versuchte gleich ein paar Meßungen zu machen. Das versuchte Cer zwar auch, jedoch ging er wohl etwas klüger vor, indem er erst einmal die Daten der anderen Abteilungen abrief. Freeman kümmerte sich darum gar nicht. Karl wiederrum nahm schnell seine Kamera, und begann Schnappschüße aus dem Fenster zu schießen. Ich mußte kurz lachen, als er jedoch auf mich schaute, machte ich eine Handbewegung, daß er ruhig weitermachen soll. Er fasste das Ganze wohl als eine Art, unverhofften Urlaubs-Trip auf. Ich ging näher zu einem Fenster, um den nahen Boden zu sehen. Es sah aus wie Perlmutt.
„Da !“, sagte Steve, und zeigte in Richtung Schiffsbug. Ich blickte hin, und sah eine Art Stadt. Riesige Zylinder, die aus Glas zu sein schienen, ragten empor zum Himmel. Sie alle waren durchsichtig,und hatten verschiedene Höhen. Ob darin wer wohnte, konnte ich aus der Entfernung nicht sehen.

Jack schickte zuerst das Sicherheitsteam zu dieser Glasstadt los. Sie kamen am nächsten Tag zurück, und hatten die ganze Zeit auch Funkkontakt zu uns gehalten. Sie erzählten, es gäbe keinen Grund zur Besorgnis. Sie trafen auf Wesen, die sehr nett zu sein schienen. Die Wesen, so konnten auch wir mithören, hatten uns alle in die Stadt eingeladen. Jack und die Offiziere spielten jedoch noch immer mit dem Gedanken, daß es Antaraner sein könnten. Man wußte ja nicht, wie sie aussahen. Die Wesen sagten jedoch, sie seien Emoni. Von Antaranern hätten sie noch nie etwas gehört. Jack und die anderen ließen ihre Befürchtungen fallen. Erstens hätte eine Stadt der Antaraner ein beschädigtes Forschungsschiff schon längst erobern können. Zweitens sah Jack keinen Sinn dahinter, wieso Antaraner sich als eine Rasse namens Emoni ausgeben sollten. Also gab Jack den Befehl zum Ausschwärmen. Nur das Sicherheitspersonal blieb an Board. Ich beschloß, mit Jane die Stadt zu erkunden. Sie nahm das Angebot freudig an...

Als wir ausstiegen, konnte ich den Boden genauer ansehen. Er wirkte wie festgefrorene Wasserwellen, aber es war kein Wasser. Es war schließlich gar nicht kalt. Dieser Boden war überall, soweit ich sehen konnte. Hügel, Bäume, Sträucher oder andere Vegetation sah ich nicht. Ich nahm Janes Hand, und sie schenkte mir darauf ein schönes Lächeln. Zur Stadtgrenze war es etwa 4 Kilometer. An der Hälfte des Weges, kam ein gläsernes Gefährt zu uns hergeflogen. Es hatte die Form eines Zylinders, und darin schienen zwei weißgekleidete sitzende Gestalten zu schweben. Sie setzten direkt vor uns, vorsichtig auf und stiegen aus dem Gefährt. Sie hießen uns in Namen aller Enomianer willkommen. Nun sah ich auch, daß sie nackt waren und eine enorm weiße Hautfarbe hatten. Als ob sie gerade frisch gestrichen worden wären. Ihre Augen waren etwas größer als unsere, und grün, mit einem Funkeln darin. Aber sie lächelten wie wir und waren uns auch sonst sehr ähnlich. Sie boten uns an, uns dahinzufliegen, wohin wir wollten. Und sie erklärten die Funktionsweise ihres Gefährts. Sie hätten es uns wohl auch ohne Zögern überlassen. Ich wunderte mich über die Ruhe und Freundlichkeit, die sie ausstrahlten. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß sie uns reinlegen wollten. Ich fragte sie, wie es käme, daß sie keine Hügel und Täler hätten. Der eine blickte lächelnd zu mir, und sagte, Emonis sei eine künstliche Welt.
„Eine künstliche Welt ?“, kam es unwillkürlich aus mir. Er nickte nur. Ich fragte nach seinem Namen. Er antwortete : „8341ster Be-Uli-tal“. Ich fragte, ob sein Name eine Bedeutung hätte. Er sagte, er wäre die 8341. Generation, aus dem Paar Be und Uli. Tal aber bedeutete, er sei das dritte Kind seiner Eltern. Ausserdem bestimmte bei ihnen das männliche Geschlecht den Namen des Kindes.So also formten sie ihre Namen. Ich fragte sie weiters, wie lange sie leben. Er sagte zu mir, das sie 800 000 Sonnen leben würden. Sonne und Tag aber hatte bei ihnen das gleiche Wort. Da ihr Tag, wie wir bestimmten etwa 2 Erdentagen entspricht, werden sie offenbar um die 4500 Jahre alt. Ich fragte sie weiters, wer ihre Welt gebaut hätte. Das Wesen antwortete : „Die Vultu haben diese Welt geschaffen, vor 9 Milliarden Sonnen. Die Emonianer waren Gefangene zu der Zeit. Verbrecher. Die künstliche Welt war eine Verbannung – ein Gefängnis. Wärter waren nicht erforderlich. Auch eine stete Energiezufuhr nicht. Sie schufen die Welt, als ein geschlossenes System von Energie. Eine lange Zeit lang kam immer Nachschub von neuen Häftlingen. Doch irgendwann hörte das auf. Wir schlossen daraus, daß es die Vultu aus irgendeinem Grund nicht mehr gab. Nur die Vultu wußten aber, wie man zwischen den Welten reisen konnte. Inzwischen haben wir uns selber eine Kultur geschaffen. Keine Sorge, wir sind nicht mehr die Verbrecher, die unsere Vorfahren waren. Bauen können wir nicht. Ein Computer, den wir noch nicht verstanden haben, gibt uns, je nach unserer Entwicklung das, was wir brauchen. Der Computer ist lernfähig, und das ermöglichte uns, daß wir geistig nicht stagnieren. Er ist uns wohlgesonnen, kontrolliert uns aber gewissermaßen. Dadurch hatten wir mit der Zeit keine Verbrechen mehr, weil wir uns mit dem Computer verändert haben.“.
Auf die Frage, ob sie an uns keine Fragen hätten, lächelte mich das Wesen nur an. Ich aber hatte noch viele Fragen, aber wir waren schon am Ziel der Fahrt. Zumindest dort, wo wir hinwollten. Sie dankten uns, daß sie helfen durften, und boten uns an, das Gefährt zu überlassen. Ich wollte schon sagen : „Nein, danke.“, da hatte Jane schon zugestimmt, und ging zum Cockpit. Ich kannte mich absolut nicht aus da vorne. Vermutlich weil ich meine Zeit eher mit Fragen verbrachte, während Jane alles beobachtete. Sie winkte zu mir, ich solle nach vor kommen. Die zwei Wesen jedoch gingen in ein ebenfalls zylindrisches Glasgebäude, in der Nähe. Ich hätte sie lieber doch noch mehr ausgefragt. Jane aber wollte sich offenbar die Stadt genau ansehen. Im Cockpit war ein Pult, welches nur zwei Bedienelemente hatte. Das waren zwei tiefer liegende Kreise. Sie legte jeweils zwei Finger in die Mitte beider Kreise. Sie bewegte die rechten zwei Finger etwas nach vor, und wir hoben ab. Jane begann laut zu lachen, als ob sie in einer Achterbahn wäre. Ein bißchen spielte sie auch mit den Richtungen, durch ihre linken zwei Finger und amüsierte sich dabei. Dann aber sauste sie mit enormer Geschwindigkeit durch das Dickicht der gläsernen zylindrischen Gebäude.
„Du hättest Jägerpilot werden sollen.“, sagte ich mit einem unbehaglichem Lächeln. Sie lachte wieder, und zog die Kurven schärfer. Ich blickte unter mir, und da waren unzählige weiße Wesen auf den Straßen. Auch in den Gebäuden schienen viele zu schweben, obwohl sie sicher auf Glasböden gingen. Ich wunderte mich, daß sie anscheinend keine Schamgefühle kannten. Plötzlich kreischte Jane, und ich riß meinen Kopf nach vorne : unmittelbar vor uns war ein Gebäude, und unser Gefährt drohte hineinzukrachen. Kurz bevor wir jedoch zusammenkrachten blieb das Gefährt einfach stehen, ohne das wir nach vorne geworfen wurden. Jane war noch immer fahl vor Angst.
„Jane, alles in Ordnung ?“, fragte ich sie.
„Ehm ja..danke...ich sollte wohl doch keine Pilotin werden.“, sagte sie mir mit erzwungenem Lächeln. Eine Weile lang blinkte eine rote Scheibe neben dem Steuerpult. Dann aber hörte es auf, und Jane konnte weiterfliegen. Sie flog nun viel vorsichtiger. Man konnte dadurch auch mehr sehen. Die vielen gleichartigen Gebäude mit den Wesen darin, begannen uns aber schnell zu langweilen. Wir beschlossen zu landen, und neue Kontakte zu knüpfen. Mit den fremdartigen Wesen zu sprechen, war viel interessanter, als eine Stadtbesichtigung. Wir landeten also, und verließen das Gefährt, welches nach einer Weile abhob, und in irgendeine Richtung wegflog. Wir gingen zwischen den Wesen, und sie sprachen in einer unbekannten Sprache zueinander. Interessant war es uns, daß sie zu uns in unserer Sprache sprechen konnten, wann sie wollten. Zuviele Fragen hatten sich in meinem Kopf angesammelt in dieser kurzen Zeit. Jane, fasste selbstsicher Einen am Arm, und erkundigte sich, wo das Stadtzentrum wäre. Dieser aber lächelte nur, und sagte : „Sehr weit weg.“. Diese Antwort verblüffte sie, und ließ ihn wieder los.
„Was heißt : sehr weit weg ? Wieso sagte er keine Richtung ?“, fragte mich Jane, ich aber zuckte nur mit den Achseln. Wir versuchten als Nächstes in ein Gebäude zu gehen. Wir nahmen gleich das Nächstbeste. Wir traten ein, und bald kam ein kugelförmiges Gebilde, von der Größe eines Fußballs, auf uns zu. Es war ebenfalls aus Glas . Und es sprach zu uns...
„Willkommen, kann ich euch behilflich sein ?“, sagte es.
„Wir suchen den Platz, wo man am meisten über Emonis und Emonianer erfahren kann.“, sagte ich bestimmt.
„Folgt mir ! Ich führe euch zu unserer Bibliothek.“, sagte es mit netter, etwas kindlicher Stimme, und flog vor uns her. Im Gebäude führte eine Spiraltreppe in einen unterirdischen Gang. Dort sahen wir ein schier unendliches Netz von Glasröhren. Der Boden der Oberfläche und Untergrund voneinander trennte schien nicht einmal 30 cm dick zu sein. In den Glasröhren, waren unzählige Zylinder, die Emonianer beförderten. Ich sah auf den Boden, auf den ich nun stand. Er war ebenfalls aus Glas, und ich sah unter mir wohl tausende, wenn nicht mehr, Ebenen, voller Glasröhren. Wir gingen nur wenige Schritte, und die Kugel führte uns zu einer Öffnung eines Glasrohres. Dort kam innerhalb einiger Sekunden auch schon ein Gefährt, wie das, in welchem wir schon waren, an. Der Unterschied jetzt war nur, daß die Kugel im Cockpit saß, und wie durch Geisterhände, das ganze Gefährt lenkte. Zugegeben, viel geschickter und schneller, als Jane. Ich schätzte, wir flogen mit über 400 km/h durch die Röhren. Irgendwo kamen wir an, die Kugel stellte sich wieder vor uns, und führte uns zu einer Wendeltreppe. Wir erstiegen sie, und sahen eine riesige Halle, die nun ein gekippter Zylinder zu sein schien. Die Halle hatte offenbar zig Stockwerke. Ich sah an ihrer Spitze auch noch kleine weiße Wesen. Auf unserer gegenwärtigen Ebene schien eine Art Empfangshalle zu sein. Ab der ersten Ebene, sah ich Wesen, die gläserne Kästen durchstöberten, in welchen jedoch keine Bücher zu sein schienen. Die Kugel flog wieder weg, als wir zu lange auf einem Platz standen, und nur staunten. Ich entschloß mich zum ersten Stockwerk zu gehen. Ich stieg also eine Wendeltreppe hinauf, dicht gefolgt von Jane, die sich daweil umsah. Im ersten Stockwerk angelangt, waren wir aber genauso ratlos. Ich ging zu einem der Kästen hin. Er bestand ganz aus Glas, hatte eine Art Raster eingeritzt, welche Rechtecke bildeten, und in ihnen waren fremde Symbole eingraviert. Ich ging zu einem Wesen hin, und bittete ihn, mir zu zeigen, wie ich ein Buch lesen könnte. Die anderen schienen ja nur mit Fingern die Symbole zu berühren. Aber bei mir geschah da nichts. Er sagte zu mir, ich solle einmal von oben nach unten in einem Feld die Symbole entlangstreichen, und die Augen geschlossen halten. Ich tat wie er sagte, und als ich den Finger entlangzog, erschien vor dem Schwarz meiner Augenlieder ein lebendiges Bild. Als ob ich in eine andere Welt getretten wäre. Eine Geschichte begann. Ich wechselte Perspektiven, schaute manchmal aus dem Blick des Hauptdarstellers, und war überhaupt im ganzen Geschehen drin. Schnell öffnete ich die Augen, um mich zu vergewissern, daß ich noch bei Jane war. Das Abenteuer verschwand, und ich erblickte wieder die Glashalle. Und Jane, wie sie eines der Bücher auch gerade „las“. Das Wesen, das mir geholfen hatte, war jedoch weg. Als ich das Buch wieder berührte, wußte es offenbar, wo ich stehengeblieben war, und ich sah mir ein Ereignis an, wo ein Emonianer durch eine Art Wettbewerb um die Gunst einer Dame kämpfte. Und ich konnte meine Gedanken hören, wenn ich „zurückblättern“ , „stehenbleiben“ , oder anderes wollte. Sofern es das Buch befolgen konnte, konnte ich meine Gedanken hören. Nach einer Weile, ließ ich das Buch los. Ich befürchtete nämlich, ich hätte Stunden verschwendet, aber als ich auf meine Uhr schaute, schien es nicht viel später zu sein als vorher. Als Jane mit einem Buch fertig war, blickte sie sich suchend um nach mir. Sie schien glücklich zu sein. Es war ein schöner Anblick. Ich vergaß einen Augenblick die Bibliothek, und sah sie nur an. Wie sie mit geschlossenen Augen die Erlebnisse in den Büchern genoß. Wie sie manchmal lächelte; wie sie manchmal ihr Gesicht anspannte. Es schien so, als würde sie träumen.
Nach einer Weile bekam ich aber ein schlechtes Gewissen, und beobachtete wieder das Treiben in der Bibliothek. Es schienen alle zufrieden zu sein. Ich überlegte mir, ob Menschen hier leben könnten. Ob ich hier neu anfangen könnte ? Nein, ich würde wohl wahnsinnig werden von all diesen durchsichtigen Gebäuden. Die Welt war interessant, aber zu fremd, das ich darin leben könnte. Wir mußten es zurück schaffen. Zurück ? Wie ? Plötzlich ergriff mich Panik. Das blaue Flackern konnten die Emonianer ja sicher nicht erklären, wenn sie diese Welt seit sovielen Generationen nicht verlassen konnten. Ich fragte mich, was wäre, wenn wir zu dem Emoni-Computer gehen würden, und sagen würden, daß wir den Schlüssel zu dieser Welt haben. Könnte es uns antworten ? Würde es uns antworten wollen, oder uns als Bedrohung sehen ? Ich konnte meine Gedanken nicht ordnen. Ich bekam Angst vor dieser Welt.

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