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#moo3planet

Enigma (Seite 5)

...

Die Korridore des klackonischen Kreuzers waren leer.
Te Ave und Swanniss standen alleine an einem der riesigen Aussichtsfenster im Steuerbordbug des Schiffes und blickten ins All hinaus. Leere.
Was für Wesen sind das, dachte Te Ave. Was für Wesen, die sich tarnen und jede nur mögliche Gestalt annehmen konnten, und, wenn sie sich einem ohne ihre Camouflage zeigten, dann einzig in der Gestalt von Toten – was waren das für Wesen?
Te Ave dachte daran, dass er sich noch vor kurzem dieselbe Frage in Bezug auf die Klackonier gestellt hatte. Jetzt hatte sich herausgestellt, dass die Angriffe auf die klackonischen Kolonien bei Tirstar, die den Krieg ausgelöst hatten, von jenen geheimnisvollen Fremden begangen worden waren. Te Ave konnte nur den Kopf schütteln. Aber gleichzeitig keimte in ihm die unermessliche Furcht vor diesen Fremden.
Psilonier und Klackonier hatten einander bekämpft, weil sie einander nicht schnell genug verstanden, weil sie die Prinzipien der jeweils anderen Gesellschaftsstruktur nicht begriffen hatten. Deswegen hatten die Fremden sie gegeneinander ausspielen können. Und das war es, was Te Ave so sorgenvoll machte.
Es bedeutete, dass diese Fremden sowohl Psilonier, als auch Klackonier verstanden hatten; dass sie das gekonnt hatten, zu dem sie selbst nicht fähig waren. Und sie hatten es genützt, um selber an Macht zu gewinnen, daran hatte Te Ave keinen Zweifel. Sie hatten wohl auch damit gerechnet, dass Psilonier und Klackonier dereinst Frieden miteinander schließen würden; vielleicht nicht so bald, aber sie hatten es mit Sicherheit vorausgesehen und eingeplant. Beide Völker waren nun geschwächt. Würde ein schneller Schlag der technisch überlegenen fremden Rasse sie beide hinwegfegen?
Denn technisch überlegen war sie. Temperis (der, so offenbarte eine detaillierte Analyse seiner letzten medizinischen Untersuchungen, schon seit über einem Jahr nicht mehr Temperis, sondern ermordet und durch einen Fremden ersetzt worden war) hatte das Stasisfeld erfunden, beziehungsweise diese Technologie mitgebracht und so getan, als hätte er es erfunden, um einen Ausgleich der Kräfte zwischen Psiloniern und Klackoniern zu schaffen. Die Klackonier waren auf eine ähnliche Weise von einem inzwischen enttarnten Mesomorphen (der, niemand hätte es erwartet, augenblicklich Suizid begangen hatte) mit dem überlegenen Phasenantrieb ausgestattet worden. Es war das Prinzip ‚divide et impera’. Denn die immer neu lancierten Technologien hätten die Übermacht ständig von einer Partei zur anderen verlagert, immer weiter, immer fort, bis die Fremden die beiden ausgebluteten Völker im Handstreich erobert hätten.
Am Anfang hatten Te Ave und Swanniss sich gewundert, warum das fremde Schiff (das offensichtlich als getarnter Beobachter fungiert hatte, um seine Herren über den Ausgang aller Schlachten zu informieren) auf Sepulchra, ein Sternensystem ohne Planeten, zugehalten hatte. Dann war ihnen die Erleuchtung gekommen. Sepulchra lag mitten im psilonischen Gebiet; über ein Wurmloch (das die psilonischen Pioniere, die das System erforscht hatten, als uninteressant verworfen hatten, weil es in ein ebenfalls planetenloses System führte) und einen auf dem Asteroidengürtel von Sepulchra stationierten Außenposten konnten getarnte Schiffe der Fremden unbemerkt das gesamte psilonische und einen großen Teil des klackonischen Gebiets bereisen. Jetzt war eine kombinierte Flotte klackonischer und psilonischer Schiffe mit ausgetauschter Technologie auf dem Weg nach Sepulchra, um dies festzustellen. Das Gute an Wurmlöchern war ja, dass sie in beide Richtungen funktionierten...
Was für Wesen sind das, die...
In der letzten Zeit hatte Te Ave merklich abgemagert. Vor dem Start der Flotte von Hurrhurst nach Sepulchra hatte er an Bord seiner Fähre gewohnt. In der Nacht waren sie gekommen: Die Träume. Die Träume von den Wesen, den fremden, gestaltwandlerischen Wesen, die plötzlich aus jedem seiner Freunde hervorbrachen; Dismila, Ajovis, Swanniss, sie alle standen in seinen Träumen plötzlich als jene goldbraunen Wechselbälger vor ihm. Dann wachte er schweißgebadet auf und war froh, sie alle einer einwandfreien medizinischen Untersuchung unterzogen zu haben, die keinen Gestaltwandler übersehen hätte.
Solche nächtlichen Erlebnisse hatten ihm die Lust am Schlafen verleidet; er hatte sich an sein Raster-Tunnel-Mikroskop gesetzt und ein paar wissenschaftliche Beobachtungen an Hurrhurstschen Bakterien durchgeführt. Er hatte geflucht: Was sollen wir hier, was wollen wir hier, was gurken wir im Weltraum herum, was kreuzen wir durch den Makrokosmos, wo wir doch nicht einmal den Mikrokosmos erforscht haben ich will nach Hause.
Seine Frau war wunderschön. Sie hatte zwar zuhause die Hosen an, aber das änderte nichts an ihrer Sanftheit und inneren Ruhe. Er sah sie vor sich. Ein Wesen, dem man sich bedenkenlos anvertrauen konnte. Zuhause, auf Mentar IV, sicher und geborgen. Er stand in seiner luxuriösen Wohnung im achthundertneunzehnten Stock des Reticuli-Institutes, wo er gelebt hatte, bevor er sich zum Imperator aufgeschwungen und seinen tyrannischen Vorgänger vertrieben hatte. Er stand im Stock der Schlafzimmertür, betrachtete seine Frau, wie sie aufstand, ihn zu begrüßen, und er erwachte, wie er dem Okular seines Tunnelmikroskops einen sinnlichen Zungenkuss gab. Danach war an Schlaf nicht mehr zu denken gewesen. Im Zimmer herumrennend hatte er sich selbst mit Fäusten traktiert und wirres Zeug ausgestoßen. "Warum ich, warum kein anderer, was habe ich mit dem Universum zu schaffen!"
Am Ende war er weinend in einer Ecke gestrandet und hatte nicht mehr zurückgefunden. Das ganze Quartier war zum Labyrinth geworden. "Ich wollte doch nur zuhause sein und meine Forschungen erledigen!" Ja, das wollte er. Er hatte die Macht nur ergriffen, weil der Tyrann gestürzt werden musste, und zum Dank hatte er einen Krieg gegen eine außerirdische Rasse führen, aber keine wissenschaftliche Forschung mehr betreiben dürfen, die doch sein ein und alles gewesen war. Und jetzt, kaum war die eine Rasse im Frieden mit ihnen, trat schon die nächste auf den Plan, und sie schien noch um eine ganze Potenz grauenvoller zu sein als die erste. Es war einfach unsportlich. Das Schicksal war schuld.
Als ihn der Weckruf am nächsten Morgen aus seiner Trance geweckt hatte, fand er sich apathisch auf das Medaillon mit dem Bild seiner Frau starrend in der trockenen Badewanne liegen. Sein Frühstück hatte er erbrochen, als ihm das Bild der enthaupteten Mesomorphen ins Gedächtnis gedrungen war. Auf der Brücke war er umgekippt und erst mit vier Kubikzentimetern Adrenalinlösung wieder auf die Beine gekommen.
...sind das für Wesen...
Darauf hatte er im Stillen begonnen, Drogen zu nehmen; es war eine direkte Folge des immer wiederkehrenden Bildes von Temperis' Zügen, die sich vor seinen Augen in braune Gelatine auflösten.
Aber mit der Potenzierung der geistigen Aufnahmefähigkeit durch die Drogen war auch die Potenzierung des Grauens gekommen: In lodernden Farbwirbeln, die ihm die fürchterlichen Geheimnisse des Universums auf immer zu versperren versprachen, formten sich aufs neue die Nicht-Gesichter der Fremden, und diesmal nützte es nicht einmal mehr, die Augen zu verschließen; ihre glühenden Fratzen flossen durch die Lücken seines Bewusstseins wie Glycerin durch ein Sieb, um hinter der Schwärze seiner Augenlider neuen Terror zu entfachen.
Swanniss hatte es da viel leichter. Er besaß keine Emotionen, die ihn folterten, keine Psyche, die man verletzen konnte. Tagsüber stand er unbewegt auf seiner Brücke und unterhielt sich gelegentlich mit Te Ave, spielte vielleicht mit ihm Numera und Sidius, aber die meiste Zeit versetzte er sich in energiesparende Halbschlafzustände. Zum ersten Mal hatte der Psilonier ihn wirklich bewundert. Swanniss mochte gefühlskalt und pararationalen Beziehungen gegenüber gleichgültig sein; dafür war er auch unempfindlich gegen die selbstzerstörerischen Kräfte der Angst. Das und ihre schnelle, wortarme Kommunikation machten die Klackonier zu den effizientesten Kämpfern, die Te Ave sich vorstellen konnte. Wer ihnen nur einen Grund zum Kämpfen gab, hatte die mächtigste Armee des Universums an seiner Seite. War es für die Meisterlogiker der Psilonier nicht ein Leichtes, die Klackonier einzuwickeln und sich mit dieser ‚Allianz’ eine übermächtige Herrschaft zu sichern? Oder war das eine Ausbeutung der natürlichen Konzeption der Klackonier, keineswegs vereinbar mit irgendwelchen moralischen Richtlinien? Andererseits – galten moralische Richtlinien nicht nur für intelligente Lebewesen – und war eine Spezies ohne Emotionen intelligent? Waren die Klackonier nicht vielmehr lebende Leichen, für nichts und wieder nichts existent, da sie all das Schöne im Leben, all das Aufregende, Beeindruckende, Befriedigende nicht wahrnehmen konnten? Waren sie nicht ein ideales Werkzeug – willenlos, bis auf den Willen zu überleben?
Die Idee rumorte in Te Ave.
"Was beschäftigt Sie, Imperator?" fragte Swanniss.
Te Ave blickte den Klackonier sorgenvoll an. Er suchte lange nach einer Antwort, fand aber keine. Schließlich fragte er stattdessen: "Warum leben Sie, Swanniss? Leben Sie nur für den Schwarm? Oder auch für sich selbst?"
Innerlich schüttelte sich Swanniss nur. Te Ave konnte die absurdesten Fragen stellen. Er war ein interessanter Zeitgenosse. "Natürlich lebe ich nur für den Schwarm," erwiderte er amüsiert. "Wir alle leben nur für den Schwarm."
Te Ave nickte traurig. Er hatte sich eine Antwort gewünscht wie, "ja, letztendlich lebe ich für mich selbst, um etwas aus mir zu machen, um glücklich zu werden, um mit den Göttern in Einklang zu kommen, in den Himmel zu kommen, Erleuchtung zu erlangen etc. etc. etc. ..." Er hatte sich das gewünscht, um Swanniss, den er mochte, wie einen Psilonier anerkennen zu können. Aber daraus wurde nichts, Swanniss war Klackonier und blieb es, mit Leib und Seele. (Seele?)
Aus Angst vor den ins Unendliche ausgedehnten Träumen im Kälteschlaf hatte Te Ave beschlossen, die monatelange Reise nach Sepulchra im Wachzustand durchzustehen, und sich als einziger nicht einfrieren zu lassen. Nur Swanniss war seinem Beispiel gefolgt.
Verständnislos schüttelte Te Ave den Kopf. Warum Swanniss? Kein einziger seiner psilonischen Offiziere war wach geblieben. Warum Swanniss? Was kümmerte Swanniss der psilonische Imperator?
Das All draußen erfüllte ihn mit Schwermut. Aber als Te Aves mathematischer Verstand sich einmischte, entdeckte er auch etwas anderes: dass bei zweihundert Milliarden Sonnen pro Galaxis und zweihundert Milliarden Galaxien pro Universum der Raum offen stand für alle erdenklichen Arten von Lebensformen, sogar siliziumbasierten Wesen. So unerdenklich viele Rassen bevölkerten das Universum. Te Ave schüttelte verärgert den Kopf. Was hatte er eigentlich erwartet, im All zu finden, als er die ersten Kolonien gründete? Andere Psilonier? Hatte er gehofft, einen Spiegel zu finden, Wesen, die exakt genauso aussahen wie er und dieselben Werte hochhielten? Was für eine erbärmliche Eitelkeit! Davon auszugehen, dass das psilonische Wesen, der psilonische Körperbau, der psilonische Intellekt das intergalaktische Nonplusultra wären... Denn was war ‚richtig’ für eine intelligente Spezies? War eine Spezies dann die beste, wenn sie am schlanksten war? Fliegen konnte? Am besten Numera und Sidius spielte? Wenn sie dreizehn Augen hatte? Wenn sie blutrünstig war? Radikal? Federsanft? Selbstverleugnend? Organisch? Robotisch? Gasförmig?
Die Gefahr bei der Erkundung des Alls lag darin, einer Spezies zu begegnen, deren Wesen sich von dem eigenen so extrem unterschied, dass kein Zusammenleben möglich war. Das konnte ökologische Gründe wie eine andere Atmosphäre haben, oder soziologische wie ein völlig differierendes Ethik- und Moralsystem.
Obwohl – wenn Te Ave es recht überlegte – war Swanniss’ Anwesenheit nicht ein Zeichen seiner Freundschaft, ein Symbol dafür, dass der Klackonier ihn nicht nur duldete, sondern auch gerne in seiner Nähe war? Und hatte er nicht erste Anzeichen für eine knospende Kultur unter den Klackoniern entdeckt?
Konnte es nicht sein, dass sich jede intelligente Spezies zwar von der anderen extrem unterschied, aber der Verstand, mit dem sie alle beseelt waren, sie zusammenkoppelte – ihnen ein gemeinsames Element gab, das sie alle zu einer großen Familie machte? Der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich der Begriff ‚Schöpfung’ bringen ließ? Swanniss glaubte nicht an irgendwelche Götter, aber war das nicht egal, ob Verstand und Verstehen nun etwas war, das von Göttern, vom Zufall, von der Evolution oder von fraktalen Quantenmustern geschaffen worden war? Gerade der evolutionäre Ansatz war doch interessant: Intelligente und kooperative Lebewesen schienen Erfolg zu haben (biologisch gesehen: einen hohen r-Faktor zu besitzen), weswegen auch eine nicht-intelligente raumfahrende Spezies schwer vorstellbar war. Letztendlich dürften auch alle intelligenten Spezies (so unterschiedlich sie auch waren) zumindest einige Ideale teilen: Den Wunsch nach Frieden (weil Krieg selbstzerstörerisch war und keine Überlebenschance bot), den Wunsch nach Erkenntnis naturwissenschaftlicher Prinzipien (um sich selbst am Leben erhalten zu können) und... ja, eben andere, die Te Ave nicht genauer festlegen wollte; er verstand nichts von Soziologie, war reiner Laie. Es wäre Chauvinismus gewesen, auf diese Weise beschreiben zu wollen, was Intelligenz ausmacht und was nicht. Die Klackonier schienen jedenfalls in Te Aves Schema zu passen. Sie waren nicht darauf bedacht, aus irgendeinem irrationalen Grund alle anderen Lebensformen zu vernichten. Sie handelten ebenso rational wie die Psilonier. Und Te Ave glaubte nicht, dass eine von Natur aus rein zerstörerische intelligente Rasse überhaupt existieren konnte.
Und die Fremden? Waren sie anders? Waren sie jetzt das, was Te Ave vorher in den Klackoniern gesehen hatte, rücksichtslose, blutrünstige Monster, oder hatten sie nicht vielleicht noch ganz andere, von ihrem Standpunkt aus völlig rationale und legitime Beweggründe? War allein die Tatsache, dass die Fremden sie beide erfasst und gegeneinander ausgespielt hatten; war allein ihre intellektuelle und technologische Überlegenheit schon Beweis dafür, dass sie böse waren und den Tod verdienten? Natürlich nicht.
Immer wieder musste der psilonische Imperator an das Bild des sterbenden Fremden denken, der ihm gegenüber die Hände zum Salut geöffnet hatte. Er hatte Temperis’ Rolle perfekt übernommen; niemandem war es aufgefallen, dass der Körperbau dieses Mannes nur durch amorphes Fettgewebe nachgebildet worden war. War diese letzte Geste Hohn gewesen oder ein Ausdruck hilflosen Respekts; des Auseinandergerissenseins zwischen seiner Aufgabe als Spion und seiner Freundschaft zu Te Ave? Hatte dieser Spion Vertrauen zu dem gefasst, den er ausspionierte? Und die Männer in der Kommandozentrale des fremden Schiffes, die sich erschossen hatten; für was für eine Idee, für was für ein Ideal waren sie gestorben? Waren sie das personifizierte Böse gewesen? Lag es im Wesen ihrer Spezies, so brutal mit sich selbst und anderen umzugehen, oder hatte sie ein demagogischer Führer dazu angestiftet, so wie es der Tyrann getan hatte, der von Te Ave gestürzt worden war?
Und wenn Te Ave in diese Richtung dachte, in die Richtung der Toleranz und des Verständnisses der Außerirdischen, sowohl der Klackonier, als auch der geheimnisvollen Fremden; wenn er dachte: Alles vergeben und vergessen, wir sind, wie wir sind, wir versuchen nur, uns von unseren tierischen Anteilen zu trennen, dann hörte er in sich wieder das Brüllen der Kolonisten auf Uxmai, das Brüllen und Jammern der achtundvierzig Millionen getöteten Psilonier, die ihn alle in einem Atemzug aufzufordern schienen: Räche uns!
Te Ave fühlte den Blick der Millionen auf sich lasten.
Swanniss betrachtete den Psilonier besorgt. "Denken Sie an etwas, das Sie bedrückt?"
Te Ave lächelte. "Ja, mein Freund."
Der Klackonier war verwirrt. "Was bedeutet denn das schon wieder? Ich kenne das Wort nicht!"
Te Aves Lächeln wuchs in die Breite. "Völlig egal, mein Freund. Dass Sie es nicht kennen, ändert nichts daran, dass Sie es sind."
Und er dachte: Das ist es, was uns denkenden Wesen allen zu eigen ist – Agape. Empathie. Sich in den anderen versetzen zu können, MITFÜHLEN zu können. Ihn zu verstehen. Die effektivste und komplizierteste biologische Nische; alle vernunftbegabten Kreaturen mussten es entwickeln. Der Weg zum Frieden: Erkenntnis des Andern.
Er war froh, dass Swanniss ihm nicht geantwortet hatte: "ja, letztendlich lebe ich für mich selbst, um etwas aus mir zu machen, um glücklich zu werden, um mit den Göttern in Einklang zu kommen, in den Himmel zu kommen, Erleuchtung zu erlangen etc. etc. etc. ..." Wie langweilig wäre es gewesen, immer das Gleiche zu hören. Einen Außerirdischen anzublicken und erkennen zu müssen, dass er nur ein weiterer Psilonier war.
Te Ave blickte ins All hinaus und sah die Sterne. Sie erschienen verlockend, wie Vorboten neuer Geheimnisse. Sie würden nicht ohne Opfer zu pflücken sein, aber der Preis – der Preis für den, der sie pflückte – wer konnte ihn ermessen? Millionen Tote? Milliarden Tote? Der eigene Tod?
Te Ave hatte jetzt keine Angst mehr. Er trauerte um die Opfer der Vergangenheit und der Zukunft, der Opfer des Unverständnisses. Aber er würde nicht weichen. Er würde die Hand ausstrecken. Und wenn die Hand, die die seine ergriff, aus Feuer war: Hauptsache, sie ergriff die seine mit der gleichen Freude und Neugier, mit der er ins Feuer fasste.
Die Sterne.
Die Sterne.

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