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Enigma (Seite 2)
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Von einer Sekunde auf die andere kehrte das Bild wieder zurück. Der Weltraum war leer, völlig leer.
Dismila war der erste, der seinen Mund wieder schließen konnte, aber zur Sprache fand Te Ave als Erster zurück. "Was ist da passiert?"
Keiner antwortete.
Das Bild des Weltraums wanderte langsam über den Schirm, und je weiter es wanderte, desto verzerrter wurde es. Die Sterne wurden zu dünnen Strichen und verschwanden am Ende ganz.
"Enigma," murmelte Te Ave begreifend. Temperis nickte.
"Es sieht so aus, als ob Euer Plan Erfolg gehabt hätte, Majestät," sagte der Berater leise. "Die kleinen Korvetten mit den Leistungstriebwerken waren schnell genug, um nahe an die klackonischen Kampfschiffe heranzukommen und sie in Stasisfelder einzuhüllen, ehe sie das Feuer erwidern konnten. Dann haben sie einen Feind nach dem anderen wieder befreit und ihm mit vereinter Feuerkraft den Garaus gemacht. Die Schlacht muss Stunden gedauert haben, nur haben wir nichts davon gemerkt, weil in einem Stasisfeld die Zeit stillsteht."
"Und während der klackonische Kreuzer, der uns geschluckt hat, im Stasisfeld gefangen war, hat uns das schwarze Loch Enigma angezogen," flüsterte Te Ave. Er trat einen Schritt vor. "Aber wie ist das möglich? Ich dachte, durch das Stasisfeld würde ein eingeschlossenes Schiff gänzlich unangreifbar werden. Wie konnte Enigma uns dann anziehen?"
Ajovis räusperte sich. "Mathematische Schlussfolgerung, Majestät. Die Gravitationskräfte schwarzer Löcher sind so stark, dass nicht nur Materie, sondern auch Energie von ihnen angezogen wird. Ein Feld, das so stark ist, dass es einen ganzen Kreuzer in Stasis versetzen kann, muss aus extrem viel Energie bestehen. Folglich hat Enigma nicht den Kreuzer angezogen, sondern das Stasisfeld, und da der Kreuzer im Feld gefangen war, wurde er mitgerissen."
"Und jetzt hängen wir hier und werden in den Abgrund gesaugt, aus dem es kein Entkommen gibt," ergänzte Dismila mit einem grimmigen Nicken.
Te Ave trat einen weiteren Schritt vor. Enigma war als absolut schwarze Fläche auf dem Bildschirm zu sehen und wurde langsam größer.
Faszinierend, dachte der Imperator. Welcher Wissenschaftler gäbe nicht seinen rechten Arm dafür, einmal einen Ereignishorizont aus der Nähe betrachten zu dürfen? Mal sehen: Die Masse von Enigma betrug mehr oder weniger 10 hoch 30 Kilogramm. Die Gravitationskonstante lag bei G = 6,672 x 10-11 m hoch 3 / kg x s hoch 2, und die Lichtgeschwindigkeitskonstante lag bei c = 299.792,459 km/s, daraus ließe sich nach der Formel RG = G x M / c² eine Größe des Ereignishorizonts (des Radius' des schwarzen Loches) von circa 742,36 Metern errechnen – ja, das stimmte in etwa mit dem überein, was da auf dem Bildschirm zu sehen war... bei Berücksichtigung der Massenträgheit würde der Kreuzer beim Sturz in das Loch also Beschleunigungskräften ausgesetzt sein, die beim n-fachen der Mentarschen Gravitation von 6,26 m/s²...
Te Ave unterbrach seinen Gedankengang, weil er das Gefühl hatte, etwas vergessen zu haben. Richtig, das Schiff stürzte in das schwarze Loch, es wäre keine schlechte Idee, Gegenmaßnahmen einzuleiten. Der Imperator drehte sich um und tat einige Schritte auf seinen Sessel zu, kratzte sich am Kopf.
"Sicht rückwärts."
"Sicht rückwärts," bestätigte der Kommunikationsoffizier, der bis eben noch gebannt auf das schwarze Schauspiel auf dem Bildschirm gestarrt hatte. Jetzt zeigte er die im Abstand von einigen hunderttausend Aklathn kreuzende Flotte psilonischer Korvetten. Wrackteile der klackonischen Kreuzer trieben ausbrennend im All umher.
"Wieso kommen diese Feiglinge uns nicht zur Hilfe?" fragte Te Ave erbost.
"Die Besatzung dieser Schiffe besteht nicht aus Soldaten," erinnerte Temperis ihn, "sondern aus Kolonisten. Und die wenigen Soldaten, die wir haben, sind noch vor wenigen Monaten Akademiker gewesen und haben in ihren Instituten Petrischalen gewienert."
"Wie ich," murmelte der blutjunge Waffenoffizier zitternd. Er saß zusammengekauert mit verkrampften Armen in einer Ecke und starrte vor Scham zu Boden. Te Ave schluckte, straffte sich.
"Befehlen Sie ihnen, uns abzuschleppen."
"Nein, Majestät!" Auf Dismilas Gesicht hatte sich zum ersten Mal Schrecken ausgebreitet. "Wir sind schon zu nahe an Enigma. Die Korvetten, obgleich sie winzig sind, haben zu viel Masse. Sie würden von Enigmas Schwerefeld angezogen werden und ebenfalls verloren sein."
"Sind wir denn schon verloren?" fragte Te Ave verzagend.
"Nein, Majestät." Dismila trat auf ihn zu und deutete auf den Bildschirm. "Die Lösung in dieser Situation ist nicht Hilfe von außerhalb, weil jedes zur Hilfe kommende Schiff vom Gravitationsstrudel erfasst werden würde. Wir müssen das Schwerefeld mithilfe unserer eigenen Triebwerke überwinden."
"Aber wenn das möglich wäre, hätten die Klackonier das doch mit Sicherheit schon getan."
Ajovis war zu dem kleinen Kreis herangetreten. "Ich habe Grund zu der Annahme, dass der Antrieb des klackonischen Kreuzers deaktiviert ist," sagte er. Die anderen starrten ihn an. "Wir wissen schon seit unserer ersten Begegnung mit den Klackoniern, dass diese eine uns überlegene Antriebstechnik einsetzen, eine Art Phasenantrieb, der den Raum faltet und aus diesen Faltungen Energie erzeugt, die zur Beschleunigung benutzt werden kann. Wir befinden uns hier aber über dem Ereignishorizont eines schwarzen Loches. Erwiesenermaßen werden die physikalischen Gesetze der Raumkrümmung in der Nähe von Ereignishorizonten aufgrund der ansteigenden Gravitation außer Kraft gesetzt. Die enorme Schwerkraft ‚entfaltet’ den gefalteten Raum ihres Phasenantriebs praktisch wieder. Dadurch ist ihr Antrieb funktionsunfähig, und sie haben keine Möglichkeit, sich aus dem Schwerefeld von Enigma zu manövrieren."
Te Aves Blick zuckte von einem Gesicht zum anderen. "Wir verwenden doch keine Phasensysteme, nicht wahr? Das heißt doch, unser Antrieb ist nicht betroffen, oder?"
Die Offiziere nickten ernst.
"Nur," wandte dann Temperis ein, "wir sind in ihrem Hangar gefangen, und ich denke nicht, dass sie uns herauslassen werden."
"Dann werden wir eben mit ihnen verhandeln!"
Die Offiziere sahen einander betroffen an.
"Mit den Klackoniern verhandeln?" fragte Temperis. "Wie soll das gehen?"
"Machen Sie den Übersetzungscomputer bereit, laden Sie die entsprechende MI. Wir können doch einige Fetzen ihrer Sprache nachbilden, oder?"
"Ja, aber gesprochene nur verkrüppelt, adäquat nur Text..."
"Dann machen wir eben einen Text, verdammt noch mal!" Te Ave war jetzt Feuer und Flamme. Er schritt weit ausholend zur oberen Ebene der Brücke, wo die Schnittstellenmodule der Basis-MIs installiert waren.
"Vollkommen unsinnig," widersprach Temperis, der auf der anderen Seite die Treppen hinauffegte, "selbst wenn wir mit ihnen in Kontakt treten können, was sollen wir ihnen anbieten? Ihr Seelenheil, falls sie uns retten?"
"Rettung gegen Rettung," erwiderte Te Ave ungerührt.
"Wir sollen die Klackonier retten, aha," nickte Temperis, "einen Kreuzer mit der zehntausendfachen Masse unserer Fähre."
"Genau." Der psilonische Kaiser wandte sich von der Tastatur des Übersetzungscomputers ab. "Temperis, wir sind doch zusammen auf die Akademie der Xenobiologie gegangen und haben nach zehn Jahren Forschung gemeinsam promoviert. Haben Sie in diesen zehn Jahren jemals erlebt, dass ich etwas Unmögliches versucht hätte?"
"Wie," rief Temperis, "und was war das mit Tela, der Tochter des Tribunalleiters von..."
Te Ave winkte ab. "Das hab’ ich verdrängt, und außerdem hat die Theologie studiert, bei der musste einfach eine Schraube locker sein. Nein, ich rede hier von rationaler, beweisbarer Naturwissenschaft. Die Klackonier haben doch diese interessante Traktorstrahltechnologie, mit der sie Dinge heranziehen können. Gesetzt den Fall, sie lassen uns raus, dann könnten sie einen schwachen Traktorstrahl auf uns richten und sich daran wie an einem Schleppkabel von uns herausziehen lassen."
Der in eine isolierende Silbertoga gehüllte Berater warf schnaubend den Kopf zurück. "Der Kreuzer hat die zehntausendfache Masse unserer Fähre," wiederholte er dann gedehnt. "Und seine Sturzgeschwindigkeit ist so hoch, dass unser winziges Triebwerk sie niemals ausgleichen kann."
"Sie sind zum Fachidioten geworden, Temperis," erwiderte Te Ave lächelnd, "Sie mögen zwar ein genialer Psycholinguist und Magnetophysiker sein, aber ein elementares Verständnis von Astromechanik hätte ich Ihnen schon zugetraut." Er führte Temperis zur taktischen Datenbank, wo eine schematische Darstellung ihrer Situation blinkte. Ajovis und Dismila folgten ihnen in einigem Abstand. "Im Weltraum gibt es aufgrund des Vakuums keine natürliche Bremsung. Die Massenträgheit und ein noch so geringer Impuls reichen zur Beschleunigung aus. Das Wichtigste ist, die Sturzgeschwindigkeit umzukehren. Wir haben bei einer Beschleunigung von 118 m/s² eine Geschwindigkeit von 73.200 m/s. Das gibt uns genügend Zeit, mit einem starken Impuls so viel Gegenkraft aufzubauen, Enigma zu entkommen."
Temperis rechnete nach. "Ein klackonischer Kreuzer hat eine Masse von etwa 712.200 Tonnen. Enigma hat eine Masse von circa 10 hoch 27 Tonnen. Nach dem Gravitationsgesetz F = G x m1 m2 / r² würde uns Enigma mit einer Kraft von vier Millionen Meganewton anziehen – einen solchen Impuls können unsere Triebwerke doch niemals hervorrufen."
"Sie vergessen nur eins, Temperis." Te Ave deutete auf die Triebwerke der Fähre. "Impuls wird nicht in Newton, sondern in Newton mal Sekunde gerechnet. Einen einzigen Impuls mit vier Millionen Meganewton können unsere Triebwerke tatsächlich nicht erzeugen – aber mehrere hintereinander schon."
"In Ordnung," mischte sich jetzt Ajovis beunruhigt ein, "gesetzt den Fall, wir erzeugen mit unseren Triebwerken schnell genug eine Kraft von vier Millionen Meganewton, ohne dass uns die Reaktoren um die Ohren fliegen – ein Kreuzer mit 712.200 Tonnen Masse und einer Sturzgeschwindigkeit von 73.200 m/s hat eine kinetische Energie von 1,9 Millionen Terajoule. Alles was recht ist, aber so viel Energie haben wir nicht in unseren Speichern. Wir würden vielleicht ein paar hunderttausend Aklath weit kommen, dann wären die Speicher leer und wir würden wieder zurückstürzen."
Te Ave ließ ungeduldig die Hand auf sein Kontrollpaneel niederfahren. "Wozu haben die Klackonier auch ein Triebwerk? Sobald wir einen gewissen Abstand zum Ereignishorizont erreicht haben, wird ihr Phasenantrieb wieder funktionieren, und sie können uns das letzte Stück abschleppen."
"Aber das sind soziopathische Tiere," entgegnete Temperis, "wir haben noch nie mit ihnen vernünftig kommunizieren können. Sie haben alles abgeblockt."
"Sie waren ja auch noch nie in einer Notlage. Temperis, Sie sind Psycholinguist, schnell, setzen Sie eine Botschaft an die Klackonier auf, die unseren Plan erläutert."
"Und was, wenn sie unseren Plan nicht verstehen?"
"Bei allen Göttern, wir haben hier an Bord drei Computerkerne mit je 780 Terahertz Taktfrequenz, da wird sich doch eine kleine Rendersequenz erstellen lassen, die illustriert, was wir meinen!"
Es war das Ungewöhnlichste, das Swanniss jemals gesehen hatte. Über den Holoprojektor flimmerte eine Simulation seines eigenen Schlachtkreuzers, dessen Hangartore sich auf einmal öffneten. Die kleine Fähre, die sie an Bord geholt hatten, ehe sie von jener bemerkenswerten, neuen Stasistechnologie gefangen gesetzt worden waren, glitt heraus und nahm mittels Manövrierdüsen in einigem Abstand von dem Kreuzer eine Wartestellung ein. Swanniss’ holographischer Kreuzer richtete einen seiner Traktorstrahlemitter auf die Fähre und im nächsten Moment –
Mittels Manövrierdüsen nahm die Fähre in einigem Abstand von dem Kreuzer eine Wartestellung ein. Auf dem Hauptbildschirm sahen die psilonischen Offiziere gebannt zu, während ein Traktorstrahlemitter des klackonischen Kreuzers sich auf sie richtete und im nächsten Moment ein Rumpeln durch das Schiff fuhr.
Te Ave lächelte. "Energie auf die Antimaterietriebwerke," befahl er zufrieden. "Wir hängen am Haken. Wir sind gerettet."
"Die Klackonier sind eingetroffen, mein Imperator."
"Gut." Te Ave erhob sich und wanderte mit gespielter Ruhe hinter seinem Schreibtisch hin und her. "Ihr erster Eindruck?"
Temperis senkte den Blick. "Überraschung, Euer Majestät. Ich war extrem überrascht, dass die Klackonier auf unsere Grußbotschaften reagiert haben, und völlig verrückt fand ich, dass sie sich bereiterklärt haben, eine Delegation zu uns zu schicken."
Ein bitteres Lächeln erschien auf Te Aves Gesicht. Er spielte mit einem Laserkuli und dachte nach.
"Außerdem möchte ich Euch beglückwünschen, mein Imperator. Eure astronomischen Kenntnisse haben uns gerettet. Ich sah nur Enigma und unsere Fähre. Dass ausgerechnet der Kreuzer unsere Fahrkarte in die Freiheit sein würde, hätte ich mir nie träumen lassen."
"Es war eine Wanderung auf Messers Schneide," erwiderte Te Ave nachdenklich. "Ich bin mir sicher, sie hätten uns vernichtet, wenn wir einfach weggeflogen wären, ohne sie per Traktorstrahl ins Schlepptau zu nehmen." Er vergrub die Hände im Gesicht. "Meine astronomischen Kenntnisse mögen uns gerettet haben, aber meine taktischen hätten uns beinahe an den Rand des Ruins gebracht. Das haben Sie gesehen, als wir aus dem Schwerefeld von Enigma entkommen waren. Kaum waren wir auf sicherem Abstand, haben unsere übereifrigen Korvetten den klackonischen Kreuzer eingeschlossen, noch während wir in ihrem Traktorstrahl gefangen waren. Wenn nur ein einziger Schuss gefallen wäre; ein einziger Kapitän die Nerven verloren hätte..." Te Ave winkte ab.
"Ich finde es gar nicht so unlogisch, dass die Klackonier uns eine Delegation schicken," ließ sich Dismila vernehmen. Der Admiral stand am Fenster hinter Te Aves Schreibtisch. "Immerhin sind sie gewissermaßen unsere Gefangenen. Wir sind in der Überzahl und haben Stasisfelder."
"Ja, aber wir haben all unsere Kreuzer verloren und stehen mit einem Dutzend Korvetten und einer Fähre gegen ein großes klackonisches Kriegsschiff."
"Von daher ist es doch eine versöhnliche Geste, wenn sie zu uns an Bord kommen," meinte Ajovis.
"Ich glaube nicht, dass Klackonier zu Gesten fähig sind."
"Vielleicht ist das unser großer Irrtum gewesen." Dismila kam um den Schreibtisch herum und nahm auf einem bequemen Sessel an der Wand Platz. "Wir gingen davon aus, dass die Klackonier, weil ihr Gesellschaftssystem keine Individualität kennt, im Prinzip ein tyrannisches Volk darstellen, das auch uns tyrannisieren will. Aber wir haben vergessen, dass ein Volk, das so hochentwickelt ist, dass es Raumfahrt betreibt, heuristische Lernfähigkeit besitzen muss, also einen dynamischen Verstand. Sie sind genauso von ihren natürlichen Trieben abhängig wie wir, und wenn ihre natürlichen Triebe auf uns wie Tyrannei wirken, dann liegt das daran, dass wir von unserer Natur her gänzlich anders organisiert sind. Aber als denkende Wesen sind sie anders als primitive Insekten fähig, ihre Triebe zu überwinden und eine verstandesmäßige Entscheidung zu treffen, genau wie wir. Ein primitives Insekt hätte sich niemals kooperativ gezeigt. Die Klackonier begreifen ihre Situation und arbeiten deswegen mit uns zusammen."
Te Ave beugte sich fasziniert vor. "Soll das heißen... ich meine, wenn sie mit Hilfe des Verstandes über die Grenzen ihres anti-individualistischen Wesens blicken können, so wie wir mithilfe des Verstandes über die Grenzen unseres individualistischen Wesens blicken können – heißt das, dass eine friedliche Koexistenz mit ihnen möglich wäre?"
Die Männer schwiegen betroffen. Die Idee war so neu und überraschend, dass keiner wagte, sich augenblicklich dafür oder dagegen auszusprechen.
"Nun..." meinte Temperis nach dieser Schrecksekunde, "das wäre..."
Er wurde unterbrochen. Mit einem leisen Zischen glitt die Tür auf, und zwei gewaltige Schatten schoben sich lautlos durch die Öffnung herein. Sie überragten die Psilonier um mehr als das Doppelte und mussten sich leicht geduckt halten, um nicht an die Decke des Saals zu stoßen. Te Ave erhob sich mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Angst. Dismila verbeugte sich mit einem spöttischen Lächeln.
Die Klackonier waren achtbeinige Wesen; extrem hässlich, wie Te Ave fand, auf jeden Fall aber körperlich jedem Psilonier überlegen. Die Farbe des Panzers war vornehmlich kupferfarben, teilweise grau oder braun. Aus riesigen Facettenaugen blickten die außerirdischen Kreaturen ihn an.
Swanniss konnte das, was er sah, nicht ganz begreifen. Diese vier winzigen Kreaturen dort vor ihm, die seine wie ein Weitwinkelobjektiv arbeitenden Augen erfassten, das sollten die Wesen sein, die den Schwarm gestoppt hatten? Unmöglich! Er bewegte den Kopf ein wenig, betrachtete den in der Mitte stehenden Psilonier aus dem Halbprofil. Diese unterentwickelte, scheinbar kaum dem Larvenstadium entwachsene Kreatur mit unverhärtetem Exoskelett, die gewiss nicht einmal das Zwanzigfache ihres eigenen Körpergewichts tragen konnte, sollte eine überlegene Flotte zerstört haben? Wie war das bloß geschehen?
Te Ave räusperte sich. Was sollte er sagen? In einer vergleichbaren Lage hätte er seinem Gegenüber zur Entspannung der Situation erst einmal einen Stuhl angeboten, aber er bezweifelte, dass es an Bord einen Stuhl dieses Ausmaßes überhaupt gab. Ein Drink? Er wusste nicht, ob Klackonier Methylalkohol überhaupt vertrugen. Und die Hand schütteln wollte er dieser Kreatur, die offensichtlich nur Härchen statt Fingern hatte, sowieso nicht. Also, was tun? Der klassische Fundus an diplomatischen Mitteln war erschöpft. Er räusperte sich noch einmal und überlegte, wie er anfangen sollte. Schließlich begann er mit einer höflichen Verbeugung: "Es ist mir eine Ehre..."
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